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| 17:48 Uhr

Selbstverteidigungskurs in Cottbus
Selbstverteidigung im Bus:In der Taktik liegt die Kraft

Christian Chrostek (r.) vom Cottbuser Kampfsportverein Kuroi-Ronin-Dojo zeigt, wie man einen Angreifer richtig festhält.
Christian Chrostek (r.) vom Cottbuser Kampfsportverein Kuroi-Ronin-Dojo zeigt, wie man einen Angreifer richtig festhält. FOTO: LR / Lydia Schauff
Cottbus. Erstmals hat ein spezieller Kurs in Cottbus stattgefunden. Von Lydia Schauff

„Es ist faszinierend, was man alles machen kann, wenn man weiß, wie der menschliche Körper funktioniert“, sagt Christian Chrostek vom Cottbuser Kampfsportverein Kuroi-Ronin-Dojo. Zu wissen, wo man anatomisch ansetzen muss, um einen Menschen aus dem Gleichgewicht zu bringen, kann in brenzligen Situationen sehr hilfreich sein. Der 31-Jährige sitzt in einem Straßenbahnwagen von Cottbusverkehr und hat einen Jugendlichen auf seinem Schoß, den Arm um dessen Hals gewunden. Er hat ihn im doppelten Sinn des Wortes fest im Griff.

Die Szene ist Teil eines Selbstverteidigungskurses, den der Kampfsportverein und Cottbusverkehr am Samstag erstmals angeboten haben und der sich speziell mit Situationen in Bus und Bahn befasst hat. Dafür hat das Verkehrsunternehmen in seinem Depot in der Rathenau-Straße eine Bahn und einen Bus bereitgestellt.

Der Jugendliche, den Christian Chrostek fixiert hat, ist Rico, ebenfalls Kampfsporter und zuvor in der Rolle eines Angreifers. Um ihn zu Fall zu bringen, hat Chrostek im Sitzen seine Knie in Ricos Kniekehlen geschoben, ihn so spielend leicht umkippen lassen. Da spielt sie eine Rolle, die Anatomie. Mit Blick auf den fixierten „Täter“ fragt eine Teilnehmerin: „Er könnte doch jetzt mit seinem Arm nach hinten langen?“ Rico versucht es, erfolglos. Wieder ist es die Anatomie, die das verhindert. Christian drückt mit der Hand, die er um Ricos Hals gelegt hat, so auf dessen Schulterblatt, dass die Bewegung des Armes eingeschränkt ist.

Rund 20 Teilnehmer, darunter auch viele Kinder mit ihren Eltern, lauschen erstaunt den Hinweisen; um es dann selbst zu versuchen. Manches ist leichter als vermutet. Und nicht immer ist dafür Kraft nötig, sondern vor allem Taktik. Das wird auch klar, als Kampfsportlehrer Thomas Stolz aus Elsterwerda, der an diesem Tag unterstützt, zeigt, wie es möglich ist, sich zu entwinden, wenn man an der Hand festgehalten wird. Statt kräftig zu ziehen – das erzeuge nur Gegenkraft – geht er etwas in die Knie, lässt die Hand, die festgehalten wird, rotieren und hat plötzlich das Handgelenk und die Hand des „Angreifers“ fest im Griff, drückt diese über dessen Kopf an die Haltestange und geht.

Aus seiner Erfahrung im Umgang mit aggressiven Jugendlichen weiß der Sportmediziner und Psychologe, dass einfach (zurück)zuschlagen, in solchen Situation selten helfe. Vielmehr gehe es darum, mit Nachdruck zu zeigen, dass man sich das nicht gefallen lässt. „Wenn Euch jemand etwas tun will, habt Ihr das Recht, Euch zu wehren“, stellt Stolz klar. Und er hat noch einen wichtigen Tipp: Falls Erwachsene in Bus oder Bahn angegriffen werden und Hilfe brauchen, sollten sie rufen: „Wollt Ihr die Nächsten sein?“. Auf „Hilfe“ reagiere bei Erwachsenen keiner, das funktioniere nur bei Kindern.

An diesem Tag gibt es nur einen kleinen Einblick in die vielen Möglichkeiten, die die Selbstverteidigung bietet. Aber alle Teilnehmer gehen etwas selbstsicherer nach Hause.