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| 01:09 Uhr

Kunst und Kultur in geschlossener Luft

Cottbus.. Was verbindet eine Cottbuser Kunstgalerie mit einem zum Kulturzentrum umgebauten Bauernhof eines kleinen Dorfes in Sachsen-Anhalt? Die Antwort erfuhr, wer sich am Samstagabend ins Gladhouse begab und sich vom erstmalig dort stattfindenden „geschlossene Luft-Festival“ in den Bann ziehen Marlene Winter

ließ. Organisiert wurde dieses Erlebnis in Wort, Bild und Ton einerseits vom Kulturforum Cottbus, dem Trägerverein der Galerie Fango und andererseits von den Gebrüdern Harz, den Gründern des „Harzrockcafes“ in Neuerstadt bei Wittenberg. Einst ein Bauernhof bietet dieses Kulturzentrum seit 1996 den örtlichen Künstlern die Möglichkeit, von ihnen Geschaffenes im Rahmen eines Festivals zu präsentieren.
„Wir nennen es das offene Luft-Festival“ , erklärt Enrico Harz, einer der Gründer der ungewöhnlichen Kulturstätte. Offene Luft - die wörtlich aus dem englischen übersetzte Bedeutung von „open air“ - denn „es findet ungefähr viermal im Sommer draußen statt“ , so Enrico Harz. Damit auch im Winter der Kunst eine Plattform geboten werden kann, zog das Festival nun kurzerhand nach Cottbus, in die „geschlossene Luft“ des Gladhouses.
Das Konzept blieb allerdings dasselbe: verschiedene Darbietungen von kleinen Künstlern aus den Bereichen Musik, Malerei, Film und Schrift galt es an einem Ort zu vereinen. Neben der Lesung des „Punchiller“ , eines populären Untergrundmagazines, welches sich unter anderem mit dem gesellschaftlichen Nutzen des Rauchens und Biografien von gescheiterten Menschen befasst, lag der Schwerpunkt auf junger Musik aus der Umgebung. Cottbuser Jazzbands wie „Chizi Kama Mizi“ trafen hier auf den „aserbaidschanischen Folterska“ der „neuen deutschen Teilchen“ oder auf die „wahnsinnigen Spreewaldmelodien“ von „4 packs a day“ . „Die Organisation der Musik haben die Leute vom Harzrockcafe übernommen“ , erklärt Jahn Gerlach, Mitarbeiter im Kulturforum Cottbus. Er und die zehn Mitglieder des Vereins, von denen fünf selbst künstlerisch tätig sind, kümmerten sich um die restliche Kultur - unter anderem um die Austellung der 17 skurrilen Ölgemälde von Sven Pfennig, die voraussichtlich noch eine Woche im Gladhouse besichtigt werden können. Die Organisation von Austellungen sei eine der Hauptaufgaben des Kulturforums, erklärt Jahn Gerlach.
Auch die Zusammenstellung und Präsentation des Filmischen übernahmen die engagierten Förderer der kleinen Kunst. Die Kurzfilme setzten sich zusammen aus leicht schwindelerregenden Bildmontagen von wabernden Kreisen, springenden Punkten und tanzenden Linien, einer Reise durch ein verworrenes Labyrinth sowie einer Landschaftsdokumentation aus der Sicht eines Papierschmetterlings. Cottbuser, wie der Kabarettist Ralf Schuster, waren Mitwirkende dieser Werke. Da es galt, sich auf die Wirkung der Bilder zu konzentrieren, sorgte ein DJ im Hintergrund für sanfte Jazz-Klänge.
„Die Organisation war einfacher als beispielsweise beim U6-Festival“ , resümiert Jahn Gerlach. „Wir haben uns nur dreimal getroffen und jeder wusste, was er zu tun hatte“ . Zustande gekommen war die Zusammenarbeit durch die Mitgliedschaft eines der Harz-Brüder im Kulturforum. „Wir werden versuchen, uns als offizieller Kunst- und Kulturverein zu etablieren“ , erläutert Enrico Harz die Pläne für das „Harzrockcafe“ . Und wenn alles gut läuft, wird auch im nächsten Jahr das Gladhouse zum Winterquartier des Kunstfestivals werden.