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| 18:08 Uhr

Theatertreff
Wie weiter am Cottbuser Staatstheater? 

Intendant René Serge Mund stellt sich im Theatertreff, einer Reihe des Theaterfördervereins, in der Kammerbühne des Staatstheaters den Fragen von Moderator Hellmuth Henneberg (l.) und Publikum.
Intendant René Serge Mund stellt sich im Theatertreff, einer Reihe des Theaterfördervereins, in der Kammerbühne des Staatstheaters den Fragen von Moderator Hellmuth Henneberg (l.) und Publikum. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. René Serge Mund spricht über seinen Werdegang, Bewerbungen für die Führungsriege und übt sich in der Diplomatie des Schweigens. Von Ida Kretzschmar

Was lässt René Serge Mund nicht los, dass er zum dritten Mal am Staatstheater Cottbus angeheuert hat? im vergangenen Sommer sogar als Kapitän und Steuermann bei stürmischem Wellengang? Nicht nur auf diese Frage werden beim Theatertreff, zu dem am Montag der Theaterförderverein eingeladen hat, Antworten erhofft. Der 70-jährige Hoffnungsträger muss Fragen beantworten, die sich unter seiner Leitung vielleicht nie gestellt hätten.

Zunächst aber plaudert er mit Moderator Hellmuth Henneberg über Malta, wo er geboren wurde. Kaum 20, zog er nach Deutschland: „Schon als Kind war mir die Insel zu klein“, lacht er und gibt ein paar Worte in seiner maltesischen Muttersprache zum Besten. Seine Eltern waren mit Theaterleuten aus Deutschland befreundet, die ihn dort adoptierten. Und so kam er rechtmäßig in den Genuss, zwei Elternpaare zu haben, was auch seinen Doppelnamen erklärt: Serge aus Malta, Mund aus Deutschland.

Nach der Banklehre studierte er Ökonomie und Volkswirtschaft, was nützlich wurde, als auch im kleinen Tourneetheater der Familie Mund eine Krise ausbrach. Er studierte Theaterwissenschaften in Berlin, wo er an der Freien Universität Berlin auch über Währungstheorien promovierte. In Brüssel arbeitete er bei der Europäischen Union als Volkswirt und in Washington D.C. beim Internationalen Währungsfonds.

Aber gleich am 10. November 1989 ergatterte er den letzten Platz im Flieger nach Berlin, um nachzuschauen, ob die Mauer wirklich offen ist. Wenig später war er Geschäftsführender Direktor am Berliner Ensemble, wo er auch auf den Regisseur Christoph Schroth traf. Indes war es ein Zufall, dass sie sich in Cottbus wiedertrafen. Schroth wurde Intendant, Serge Mund Geschäftsführender Direktor. An diesem Montagabend schwärmt er von Schroths „Umsiedlerin“, die für ihn noch immer zu den eindrucksvollsten Inszenierungen in Cottbus gehört wie auch Jo Fabians „Onkel Wanja“ und der Ballettabend „Menschenskinder!“

„In welcher Liga spielt das Cottbuser Theater?“ fragt Helmuth Henneberg den Mann, der in den verschiedensten Theatern tätig war. „Für mich stellt sich die Frage nicht“, weicht Serge Mund charmant aus: „In allen Sparten wird Vorzügliches geleistet. Ich liebe das Theater. Dass ich zum dritten Mal hier bin, ist Beweis genug.“ Ein zweites Mal kam er nach Cottbus nach dem Weggang des Geschäftsführenden Direktors Steffen Rohr. Dann rückte die Zeit heran, wo er „die Füße auf den Tisch legen konnte.“ Bis im Sommer der Hilferuf der Brandenburgischen Kulturministerin kam. „Ich habe spontan Ja gesagt“, erinnert er sich. Seit August 2018 ist er nun Intendant des Staatstheaters und Geschäftsführender Direktor. Und so muss er sich nun auch unbequeme Fragen des Moderators gefallen lassen: „Was ist die wichtigste Lehre aus der Theaterkrise, die den einstigen Generalmusikdirektor, den zurückgetretenen Intendanten, vielleicht auch die Ministerin betrifft?“ René Serge Mund schaue in erster Linie nach vorn, will sich nicht in die Querelen involvieren lassen: „Ich gehe sehr offensiv an die Probleme, um keine Fehler zu wiederholen und versuche, Beteiligte mit in die Verantwortung zu nehmen“, sagt er. Henneberg hakt nach: „Wie gewaltig ist die Dimension gezahlter und noch zu zahlender Abfindungen? Müssen Projekte deshalb zurückgestellt werden?“

Der Intendant nennt keine Summe, versucht die Antwort mit Charme zu überspielen. Stillschweigen ist vereinbart. Auch die Antwort auf die Nachfrage der RUNDSCHAU, ob die Rücklagen der Brandenburgischen Kulturstiftung dafür herhalten und damit auch das Landesmuseum bluten müsse, versucht er diplomatisch zu umschiffen. „Mir ist egal, wie der Topf heißt, aus dem bezahlt wird. Die Hauptsache ist doch, dass es keine Einbußen an der künstlerischen Arbeit geben wird. Weder im Theater noch im Museum“, bekräftigt er. Und bestätigt dann, dass es auch Gespräche zu einem außergerichtlichen Vergleich mit dem gekündigten Geschäftsführer Martin Roeder gibt.

Ende des Monats tagt der Stiftungsrat. „Voraussichtlich werden wir im nächsten Jahr höhere Mittel für das Staatstheater zur Verfügung haben, wenn das Parlament zustimmt“, ist Serge Mund hoffnungsvoll.

Ob es 2019 die angekündigte Oper „Effi Briest“ geben wird, will eine Zuschauerin wissen. Das kann der Intendant bejahen, allerdings sei noch nicht klar, wer Regie führen wird. Wahrscheinlich werde es nicht, wie ursprünglich geplant, Martin Schüler sein. Der Fördervereinsvorsitzende Jörg Rohde macht sich Gedanken um das Ballett: „Könnten nun, da es wieder eine eigene Sparte ist, aus vier Paaren acht werden?“

Serge Mund, der seit jeher an seinem Revers die Cottbuser Theater­standarte trägt mit den vier Sternen, die die Sparten symbolisieren, hofft darauf und mahnt dennoch zur Geduld: „Der Spartenstatus ist ein erstes solides Fundament. Darauf müssen wir bauen.“

Ganz besonders aber beschäftigt alle die Suche nach einem neuen Intendanten. „Es gibt etwas mehr als 30 Bewerbungen, darunter zwei von Frauen. Gemeinsam mit der Findungskommission wollen wir das unbedingt noch ausweiten“, betont Serge Mund. Zur Neubesetzung des Generalmusikdirektors (GMD) kann er konkreter werden. „Die Bewerbungsfrist für die Position des GMD ist abgelaufen. Noch bis Ende Juni 2019 gibt es Vordirigate. Und wir laden Anwärter ein, Philharmonische Konzerte und auch Opern zu dirigieren.“ Gemeinsam mit dem Orchestervorstand und Vertretern des Musiktheaters werde eine Vorauswahl unter den mehr als 130 Bewerbern getroffen. „Nur drei Bewerberinnen waren dabei, die leider nicht in die engere Wahl kommen“, antwortet er auf eine Frage aus der Zuhörerschaft. „Hat sich Alexander Merzyn auch beworben?“, will eine Zuhörerin wissen. Namen nennt der Intendant nicht. Aber immerhin ist zu erfahren, und das wird mit Beifall quittiert, dass der amtierende Generalmusikdirektor Gast des nächsten Theatertreffs sein wird.


Der nächste Theatertreff in der Cottbuser Kammerbühne des Staatstheaters findet am 17. Dezember statt.