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| 16:40 Uhr

Ballett
Wenn die Kunst schon in der Arbeitsphase beginnt

Das Interesse war groß an der Offenen Probe des Ballettensembles an der Probebühne des Staatstheaters.
Das Interesse war groß an der Offenen Probe des Ballettensembles an der Probebühne des Staatstheaters. FOTO: Marion Hirche
Cottbus. Das Ballettensemble des Staatstheaters lud am Samstag Interessierte zur Offenen Probe ein. Für die Zuschauer ein gelungener Vormittag, für die Tänzer eine schweißtreibende Angelegenheit. Von Marion Hirche

Das Ballettensemble des Staatstheaters Cottbus hat am Samstagvormittag erstmals zu einer Offenen Probe in das Ballettstudio in der Kammerbühne eingeladen. „Ich liebe die Öffentlichkeit. Das heißt für mich nicht nur das Gespräch mit dem Zuschauer nach der Aufführung, sondern  ich mag auch den direkten Kontakt in der Arbeitsphase“, begründete Ballettmeister Dirk Neumann die Veranstaltung. Das Interesse war groß, 35 Zuschauer fanden am Rande des Geschehens einen Platz zum Zuschauen.

Sie wurden recht schnell von Dirk Neumann mitgenommen  in die wunderbare Welt des Tanzen. Was für die  Zuschauer wohltuend entspannend wirkte, war für die acht trainierenden Ballettensemble-Mitglieder ziemlich schweißtreibend. Dirk Neumann schickte sie durch die traditionelle Aufwärmpalette für klassischen Tanz. Von einfachen Übungen mit verschiedenen Beinstellungen und Armbewegungen bis zur Standwaage reichte das Programm der ersten 40 Minuten.

Von der langsamen bis zur schneller werdenden Bewegung ging das Geforderte, das der Meister in französischer Sprache, der offiziellen Sprache weltweit für Tänzer, ankündigte. Dabei konnten die Zuschauer genau beobachten, wie sich jeder der Tänzer zur Musik des Korrepetitors im großen Spiegel an der Wand kontrollierte. Danach wurde schnell die mittlere Stange an die Seite gerollt, sodass die gesamte Fläche zum Üben zur Verfügung stand. Jetzt folgten Drehungen und Sprünge, zuletzt die Pirouetten, die der Höhepunkt für die Zuschauer waren. Hier wurde besonders deutlich, wie anstrengend so ein Training ist. Jeder der Tänzer und Tänzerinnen  hatte hohe bis zum letzten Muskel reichende Körperanspannung und die meisten von ihnen  hatten bis hierher auch schon die wärmenden Jacken und Hosen abgelegt.

Andrea Masotti tauschte sogar die  Schuhe: Für einige Elemente trug sie die Spitzenschläppchen, um diese dann auch auf der Spitze präsentieren zu können, danach streifte sie wieder die normalen Schläppchen über.   Nach gut einer Stunde war das Schautraining beendet,  den  Parkettakrobaten stand der Schweiß auf der Stirn, dennoch sprach  Stefan Kulhawec von einem „leichten Training“.  Choreograph Dirk Neumann entschuldigte sich bei den Zuschauern: „Eigentlich hatten wir 90 Minuten Schauprogramm versprochen, aber wir brauchen jetzt noch eine kurze Zeit, weil wir für die heutige Vorstellung noch etwas umstellen müssen. Wenn es Ihnen gefallen hat, dann kommen Sie in unsere Vorstellung.“

Dazu gab es gleich Samstagabend Gelegenheit, denn nach der erfolgreichen Premiere von „Juliet Letters – Briefe an Julia“ am 3. März  in der Kammerbühne war das Ballett von Andriana Mortelliti zum zweiten Mal zu sehen. Am kommenden Sonnabend  kann man es bereits ab 16 Uhr erleben. Vorher gibt es im Großen Haus des Staatstheaters noch  am Freitagabend die umjubelte Aufführung „Menschenskinder“ mit Meisterchoreographien von Birgit Scherzer und Nils Christe.

„Ich habe Menschenskinder gesehen und war total begeistert. Im Theater ist das Ensemble ja immer weit weg, deshalb wollte ich die Akteure mal hautnah erleben und das war toll“, resümierte nach der Offenen Probe Heidemarie Schimang aus Cottbus. Auch Michaela Lippold aus Drebkau, die selbst Tanztrainerin ist,  die neunjährige Johanna, die in Marika’s Tanzakademie trainiert, und  Nina und Clara Preusche, die mit ihren Eltern Maik und Jana gekommen waren und bei Golde Grunske tanzen lernen, waren nach der Veranstaltung voll des Lobes für die Gestalter.