| 18:31 Uhr

Weihnachtskomödie bei der TheaterNative C
Korruption aufs Korn genommen

Szene aus "Schwarzgeld, weiße Tauben und die Weihnachtsgans"mit Julia Graf, Gerhard Printschitsch, Hannes Lindenblatt und Peter Hartmann (v.l.). Foto: Marco Ziesemer
Szene aus "Schwarzgeld, weiße Tauben und die Weihnachtsgans"mit Julia Graf, Gerhard Printschitsch, Hannes Lindenblatt und Peter Hartmann (v.l.). Foto: Marco Ziesemer FOTO: Marco Ziesemer / TheaterNative C
Cottbus. „Schwarzgeld, weiße Tauben und die Weihnachtsgans“, die aktuelle Neuinszenierung der TheaterNative C, ist eine Komödie mit Tiefgang. Von Ulrike Elsner

Es geht um gefälschte Rechnungen, veruntreute Gelder und Erpressungsforderungen an einen Minister kurz vor Weihnachten. Eigentlich ein ernstes Thema. Doch was Pierre Sauvil aus der Feder fließt, ist einfach urkomisch. Und so kommt es auch beim Publikum der TheaterNative C an. Die spontanen Lacher kommen von Herzen. Mit „Schwarzgeld, weiße Tauben und die Weihnachtsgans“, seiner Abschiedsinszenierung als Chef der TheaterNative, hat Gerhard Printschitsch einen großen Wurf gelandet.

Das Stück spielt in Frankreich. Doch was hier aufs Korn genommen wird, geschieht auch hierzulande immer wieder: Korruption, Vetternwirtschaft und Habgier. Dem Moralverfall hat Sauvil den Spiegel vor. Entstanden ist eine witzige und bissige Abrechnung mit den Schattenseiten der bürgerlichen Gesellschaft, die Printschitsch mit dem ihm eigenen Sinn fürs Komödiantische in Szene setzt, dass es eine helle Freude ist.

Auch für die Darsteller, die durch die Bank zur Höchstform auflaufen. Allen voran Peter Hartmann als Minister Guéraud. Dieser hat immer wieder Gelder veruntreut und wird nun vom Stadtverordneten Bouladon (Gerhard Printschitsch) erpresst. Jener strebt nach dem Botschafterposten auf einer sehr heißen Insel und fordert perfiderweise überdies eine Woche Urlaub in Dubai mit Pauline (Julia Graf), der Frau des Ministers. Andernfalls würden die vernichtenden Dokumente an die Medien weitergereicht.

Schauplatz der Handlung ist das Wohnzimmer des Ministers mit Kamin, rotem Sofa und einem dominierenden Schreibtisch, an dem der Hausherr über seinen nächsten Auftritt nachdenkt. Unterstützt wird er dabei von dem aufstrebenden Sekretär Thibaut (Hannes Lindenblatt), der nach missglückter Mission im Auftrag seines Dienstherrn mit zwei Zähnen weniger aus Paulines Küche zurückkehrt und fortan, gezeichnet durch die Spontanität der Ministergattin, als lispelnder Invalide ein komödiantisches Kabinettstück liefert.

Der Minister indes feilscht und windet sich und ergibt sich schließlich zähneknirschend scheinbar in sein Schicksal. Während die tugendhafte Pauline im Laufe des Spiels als Zeichen ihrer inneren Wandlung die Kleider kürzt. Wer zu diesem Zeitpunkt glaubt, er wisse, wie die Geschichte ausgeht, hat nicht mit Agathe (Victoria Forberger) gerechnet. An der Mitarbeiterin und ehemaligen Gespielin des Ministers hätte selbst James Bond seine Freude gehabt.

Manche bittere Wahrheit lässt sich leichter mit Musik verkaufen, heißt es im Stück. Beispielsweise: „Heutzutage muss sich ein Politiker in erster Linie sehen lassen und dann erst arbeiten.“ Das Publikum quittiert es mit Gelächter und zeigt sich vom Fortgang der Handlung gefesselt.

„Ich schreibe Komödien und nicht Tragödien, weil mich mein Naturell eher zum Lachen denn zum Weinen treibt“, bekennt der Autor. „Außerdem kann man unter dem Deckmantel der Komödie sehr ernste, sogar tragische Themen transportieren.“

Spannend bleibt das Stück jedenfalls bis zur letzten Minute. Wie die Geschichte ausgeht, wird hier natürlich nicht verraten. Wer neugierig geworden ist, kann sich die nächsten Vorstellungen vormerken. Gespielt wird „Schwarzgeld, weiße Tauben und die Weihnachtsgans“ am 19., 20., und 22. Dezember, jeweils ab 19.30 Uhr, und am 21. Dezember, 16 Uhr. Weitere Vorstellungen ab 26. Dezember.

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