ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:03 Uhr

Piccolo Theater
Von Drachen, Brüdern und dem Tod

Cottbus. 20 Jahre ist die Inszenierung von Astrid Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“ am Piccolo-Theater alt. Nichts Besonderes beim Theater, meint der Piccolo-Chef. Trotzdem: Dieses Stück ist speziell. Von Daniel Schauff

Ja, das Stück sei schon etwas Besonderes, sagt Piccolo-Theater-Chef Reinhard Drogla. Nicht etwa, weil es seit 20 Jahren auf dem Spielplan des Theaters steht – das sei beim Theater nichts Seltenes, sagt Drogla. Wohl aber, weil seit 20 Jahren Heidi Zengerle die Geschichte zweier Brüder auf die Bühne bringt, in jede der Rollen schlüpft, die im Stück unverzichtbar sind, selbst zuständig ist für die Effekte, die manchmal simpel sind, dabei aber nicht weniger mitreißend und effektiv.

„Die Brüder Löwenherz“ ist harter Tobak, zumindest thematisch. Es geht um den Tod, um sterbende Kinder. Wer außer Astrid Lindgren kriegt die Kurve so elegant, dass der Tod im Stück zu einem großen Abenteuer wird? Zu einem Kampf zweier Brüder gegen Drachen, zu einer Geschichte um wahre Freundschaft, Mut und Familie?

300 Seiten stark ist Astrid Lindgrens Geschichte, auf 20 Textseiten ist es für die Piccolo-Theaterversion geschrumpft, sagt Drogla. Und im Unterschied zu der bereits damals existierenden Theaterfassung mit Dutzenden von Schauspielern dreht sich in der Piccolo-Version alles nur um eine Person. Ein Problem für den Verlag offenbar, der dem Cottbuser Theater die Aufführungsrechte nicht geben wollte. Erst ein Brief einer Lindgren-Expertin aus Cottbus an die Erben der Schriftstellerin habe Letztere dazu bewegt, ihr Okay zu geben, berichtet Drogla. Das Okay kam als Fax – einen Tag vor der geplanten Premiere. Nicht einmal Plakate habe es gegeben, nur improvisierte Siebdrucke, die irgendwann über Nacht entstanden seien.

Im Fax stand etwas von „zunächst zehn Aufführungen“, die das Piccolo-Theater zeigen durfte. Aus denen sind rund 200 geworden, rechnet der Theaterchef vor und blickt gemeinsam mit Heidi Zengerle auf eine echte Erfolgsgeschichte zurück. „Einige Lehrer kommen immer wieder“, sagt Drogla. Das Stück öffne eine Türe zu einem Thema, das im Schulalltag nur sehr schwierig zu besprechen ist – dass auch Kinder sterben können.

Das Piccolo-Foyer schmücken derzeit Dutzende Bilder von Schulkindern, die mit ihren Lehrern „Die Brüder Löwenherz“ im Piccolo sehen durften. Viele haben sich Gedanken gemacht, wie das Leben nach dem Tod wohl aussehen könne, wie sie sich das Jenseits vorstellen. Überraschend heiter sind die Ergebnisse.

Überraschend heiter ist auch „Die Brüder Löwenherz“, auch nach 20 Jahren ohne Umbesetzung, ohne Änderungen in der Inszenierung. Zum Glück, will man sagen, wenn man die großartig-minimalistische Inszenierung gesehen hat.