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| 18:29 Uhr

Sinfoniekonzert im Staatstheater Cottbus
Unaufgeregte Bewerbung auf Italienisch

Das passte zusammen im Staatstheater Cottbus – ein italienischer Dirigent porträtierte den italienischen Maestro Gioacchino Rossini.
Das passte zusammen im Staatstheater Cottbus – ein italienischer Dirigent porträtierte den italienischen Maestro Gioacchino Rossini. FOTO: Marlies Kross
Cottbus. Mehrere Solisten und ein möglicher neuer Generalmusikdirektor überzeugen beim 1. Philharmonischen Konzert. Von Rüdiger Hofmann

Ist das der neue Generalmusikdirektor? Der Italiener Daniele Squeo hat am Wochenende das Dirigat beim ersten Philharmonischen Konzert am Cottbuser Staatstheater übernommen und sich als Bewerber für die noch freie Position des Nachfolgers von Evan Alexis Christ empfohlen. Nach der rund zweistündigen musikalischen Reise war ersichtlich: Das Orchester zollte dem Preisträger mehrerer internationaler Dirigentenwettbewerbe große Anerkennung, und auch das Publikum scheint ihn zu mögen.

Der Sache dienlich war sicher, dass ein Italiener einen italienischen Maestro porträtierte. Im Mittelpunkt standen Werke des wohl bedeutendsten Opernkomponisten des „Belcanto“ – Gioacchino Rossini. Belcanto steht als Gesangsstil, der in Italien Ende des 16. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Oper entstand. Charakteristisch sind weiche Töne und ausgeglichene Stimmregister über den gesamten Umfang der Stimme, Grundlage dafür eine sehr gute Atemtechnik.

Den Auftakt markiert das Orchester mit der Ouvertüre zur frühen Rossini-Opera Buffa „Die Italienerin in Algier“. Sie enthält lebhafte Holzbläser-Melodien und das obligatorische Crescendo (Lauterwerden), bei dem die Streicher mit den Oboen das Zusammentreffen von rhythmischem Feuer und klanglichem Eis bewirken. Der spätere Grundtenor der Oper wird von den Cottbuser Philharmonikern bereits in der Ouvertüre eindrucksvoll herausgearbeitet durch das spannungsvolle Wechselspiel von kapriziösem und nicht selten sarkastischem Scherz und lyrisch-zarter Empfindsamkeit.

Auch bei der Ouvertüre zu Rossinis letzter Oper „Wilhelm Tell“ zeigt das Orchester starke Momente. Das vierteilige Eröffnungsstück kündigt bereits die Handlung der Oper durch beschreibende musikalische Mittel an. Die feierliche Stille der Natur charakterisiert den Auftakt. Die Musiker steigern sich in eine naturalistische Sturmmusik, gefolgt von einer ländlichen Hirtenszene mit Kuhreihen und einem Solo des Englischhorns, das von der Flöte erst als Echo und dann mit Verzierungen beantwortet wird. Ein Triangel assoziiert die Glocken der Schafe. Schließlich leitet eine Trompetenfanfare in den abschließenden Galopp über – vortrefflich in Szene gesetzt. Dirigent Squeo führt dabei unaufgeregt durch den Abend. Sein italienisches Temperament lässt er nicht überborden.

Die Uraufführung liefert der 1986 in Graz geborene Dirigent und Komponist Christoph Breidler mit seiner „Ouvertüre für Orchester“. Er sagt, mit Algorithmen und komplizierten mathematischen Regelwerken zu arbeiten. Klanglich merkt man das, denn die musikalische Sprache wirkt komplex und experimentell. Der zunächst verhaltene Applaus steigert sich dann doch zusehends.

Das musikalische Meisterwerk folgt nach der Pause – Rossinis „Messa di Gloria“, das umfangreichste geistliche Werk seiner Zeit. Es enthält das Kyrie und das Gloria der liturgischen Messe. Uraufgeführt wurde sie 1820 in Neapel. Der Opernchor des Staatstheaters und Sinfonische Chor der Singakademie präsentieren machtvolle Chorsätze und verspielte Koloratur-Arien in üppigen Belcanto-Klängen. Marschelemente werden geschickt eingearbeitet, triumphal ist das „Ehre sei Gott“.

Auch die Solisten überzeugen: Der krankheitsbedingt für Eric Stokloßa einspringende Tenor Milos Bulajic wird zum Star des Abends. Bereits während des Werkes tönen Bravos aus dem Zuschauersaal, und der Zwischenapplaus ist bei ihm am intensivsten. Seine Partie ist für jeden Tenor dieser Welt schwer, die Tonsprünge auf engstem Raum kaum machbar, doch er meistert sie bravourös. Glanzvoll ist auch der Auftritt der Sopranistin Cornelia Zink, die lange Jahre als Solistin im Opernensemble des Hauses mitgewirkt hat. Gesangsausbildung erhielt sie am Salzburger Mozarteum. Ihre Herzlichkeit und Erfahrung bringt sie auch an diesem Abend auf die Bühne. Rahel Brede (Alt) gehört ab sofort zum Solistenensemble des Staatstheaters, wo sie als Heloise in „Ritter Blaubart“ (Offenbach) vor zwei Jahren debütierte. Ihre Stimme ist sehr klar, die Töne trifft sie exakt, in der Qualität steht sie den anderen Solisten in nichts nach.

Bei den Herren der Schöpfung zeigen sich noch Dirk Kleinke (Tenor) und Ingo Witzke (Bass). Kleinke kann auf einen Fundus an Opernpartien, Oratorien und Liedern zurück-greifen, souverän meistert er sämtliche Passagen. Witzkes Bass kommt kraft- und gehaltvoll daher, eine starke Bühnenpräsenz, rundum gelungen. Und der als mehrteilige Fuge angelegte Schlussabschnitt „Cum Sancto Spiritu“ verlangt Chor und Orchester ein Höchstmaß an Präzision ab, wovon sich alle Musiker nicht beeindrucken lassen.