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| 16:46 Uhr

Piccolo-Theater
Syrische Theaterpremiere in Cottbus

Am Samstag um 19 Uhr wird im Cottbuser Piccolo Theater das Stück „Der billige Tod“ von Saadallah Wannous aufgeführt. Am Freitag um die gleiche Zeit gibt es eine öffentliche Generalprobe.
Am Samstag um 19 Uhr wird im Cottbuser Piccolo Theater das Stück „Der billige Tod“ von Saadallah Wannous aufgeführt. Am Freitag um die gleiche Zeit gibt es eine öffentliche Generalprobe. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Am Samstagabend wird erstmals ein Theaterstück von Flüchtlingen aufgeführt. Das Thema ist aktueller denn je. Von Daniel Friedrich

Bei Hussein Alhussein steigt allmählich die Aufregung. Am Samstag steht der 24-Jährige gemeinsam mit fünf weiteren syrischen Geflüchteten auf der Bühne des Cottbuser Piccolo-Theaters. „Der billige Tod“ heißt das Stück, für das er zusammen mit Mohammed, Alaa, Enas, Mathher und Muhanad in den vergangenen Tagen noch einmal intensiv geübt hat. Bühnenbild, Kostüme, Requisiten – alles soll stimmen, wenn morgen Abend die erste syrische Theatervorstellung in Cottbus aufgeführt wird. „Unsere Gruppe hat noch nie vor Publikum auf der Bühne gestanden“, erzählt Hussein, „deswegen ist es eine tolle Erfahrung.“ Er und seine Mitstreiter, darunter auch eine junge Frau, proben seit April mehrmals wöchentlich. Nebenbei, versteht sich, denn eigentlich gehen die Amateurschauspieler noch zur Schule oder studieren an der BTU.

Anders ist das bei Husseins Vater, Fawaz Alhussein (60): Bevor der Bürgerkrieg in Syrien begann, arbeitete er jahrelang als Theaterregisseur. „Die Syrer gehen gern ins Theater. Wir hoffen, dass auch die Deutschen mit Freude unser Stück verfolgen und wir ihnen ein Gefühl für unser Leben  und die Kultur vermitteln können“, meint Fawaz Alhussein. In „Der billige Tod“ führt er erstmals wieder Regie.

Als Grundlage dient das Werk eines syrischen Dramatikers, es spielt im Bagdad des siebten Jahrhunderts: Ein Minister des Königs will die Macht im Reich an sich reißen und den Herrscher stürzen. Um sein Ziel zu erreichen, schreckt der Minister selbst davor nicht zurück, die verfeindeten Mamelucken für sein Vorhaben zu gewinnen. Bagdad wird schließlich überfallen, der König und sein hinterlistiger Minister getötet. Die Macht übernehmen die Mamelucken. Die Leidtragenden in dieser Geschichte sind am Ende die Bewohner des Landes.

„Auch wenn die Geschichte vor vielen Jahrhunderten spielt, enthält sie eine aktuelle politische Botschaft“, sagt Regisseur Fawaz Alhussein. „Es geht um den ‚Kampf um den Stuhl der Macht’. Man sollte gut überlegen, auf wen man sich einlässt, um seine Ziele zu erreichen.“ Wenn es nach ihm geht, soll die Vorstellung im Cottbuser Piccolo-Theater erst der Anfang sein: „In Syrien habe ich Theaterstücke in größeren Häusern mit mehr Zuschauern inszeniert. Es wäre schön, wenn es nicht nur bei dieser einen Aufführung hier in Cottbus bleibt“, wünscht er sich.

Ob sein Wunsch in Erfüllung geht, hängt wohl auch davon ab, wie die Premiere angenommen wird. Unterstützung erhält die syrische Theaterinitaitive in jedem Fall vom Cottbuser Frauenzentrum „Lila Villa“. Als die Kulturschaffenden dort ihre Idee im vergangenen Jahr vorstellten, verschaffte ihnen Leiterin Hanka Lindner sogleich einen Proberaum, stellte den Kontakt zum Piccolo-Theater her und sorgte für finanzielle Unterstützung aus Landesmitteln. „Ich konnte mich kürzlich vom Stand der Probearbeiten überzeugen – Gänsehaut“, schwärmt sie. „Das Theaterstück ist ein gutes Beispiel für das Engagement von ausländischen Menschen in unserer Stadt.“ Damit sich das Publikum angesichts der arabischen Sprache den Inhalt nicht nur über die Mimik und Gestik der Darsteller erschließen muss, hat die Theatergruppe eine deutsche Übersetzung erarbeitet. Sie wird oberhalb der Bühne projiziert.

Der syrische Regisseur Fawaz Alhussein (60) leitet das Theaterstück „Der billige Tod“ in Cottbus.
Der syrische Regisseur Fawaz Alhussein (60) leitet das Theaterstück „Der billige Tod“ in Cottbus. FOTO: LR / Daniel Friedrich