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| 18:08 Uhr

Staatstheater Cottbus
Zäher Tarifstreit in der Kulturstiftung

     Die Auslastung des Hauses ist gut, die Bezahlung der Mitarbeiter ist es nicht: Ihr aktueller Haustarif liegt sechs Prozent unter dem gültigen Flächentarif.
Die Auslastung des Hauses ist gut, die Bezahlung der Mitarbeiter ist es nicht: Ihr aktueller Haustarif liegt sechs Prozent unter dem gültigen Flächentarif. FOTO: Staatstheater Cottbus / Marlies Kross
Cottbus. Rund 360 Mitarbeiter von Theater und Landesmuseum werden derzeit noch nach einem Haustarifvertrag bezahlt. Zum Jahreswechsel wollen Sie mehr Geld. Die Stiftung aber hebt die Hände: Sie bräuchte mehr Geld von Stadt und Land, um die Mitarbeiter besser zu bezahlen. Von Andrea Hilscher

Seit zehn Jahren werden die Mitarbeiter des Cottbuser Staatstheaters nach einem Haustarifvertrag bezahlt, der mehrfach verlängert und verändert wurde. Zum Jahresende läuft dieser Haustarif aus. Die Mitarbeiter hoffen, dann endlich nach dem geltenden Flächentarif bezahlt zu werden – der immerhin sechs Prozent mehr Geld im Monat bedeutet. Ob und wann Schauspieler, Musiker, Techniker und Verwaltungsmitarbeiter tatsächlich besser bezahlt werden, ist ungewiss.

Beschäftigte des Theaters haben der RUNDSCHAU einen offenen, allerdings nicht namentlich unterzeichneten Brief zugeschickt, in dem sie über wachsende Unsicherheit, Unzufriedenheit und Verärgerung schreiben. Denn immer wieder gibt es widersprüchliche Aussagen zu rechtlichen Situation.

 René Serge Mund hofft auf einen Kompromiss.
René Serge Mund hofft auf einen Kompromiss. FOTO: Marlies Kross

Vier Gewerkschaften für Cottbuser Theater zuständig

Die Gewerkschaft Verdi vertritt den Standpunkt, dass ab dem 1. Januar 2020 der Flächentarif für alle Beschäftigten der Kulturstiftung anzuwenden ist. Verdi ist eine von insgesamt vier Gewerkschaften, die für das Theater zuständig ist. Gewerkschaftssekretär Hikmat El-Hammouri: „Dieser Regelung haben alle Tarifpartner bereits 2014 zugestimmt.“

Es könne nicht sein, dass die Beschäftigten der Kulturstiftung weiterhin auf Geld verzichten sollen. „Ohnehin hat ihr Entgegenkommen der vergangenen zehn Jahre Auswirkungen auf ihre gesamte Zukunft, da ihre Beiträge zur Rentenversicherung und zur Betriebsrente niedriger ausgefallen sind als die ihrer Kollegen an anderen Häusern.“

Land strebt Flächentarif bis 2022 an

Das Land spricht hingegen immer wieder davon, dass ein Übergang zum Flächentarif bis 2022 angestrebt werde.

Heißt: Bis zur geplanten Angleichung müssten 360 Mitarbeiter noch zwei weitere Jahre empfindliche Lohn- und Gehaltseinbußen hinnehmen. Doch bei den Beschäftigten scheint die Geduld am Ende zu sein. „Wenn man nicht in der Lage ist, und das schon seit 2009, dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen das bekommen, was im öffentlichen Dienst notwendig ist, dann ist das mehr als traurig“, heißt es in dem offenen Brief.

Ein Verhandlungsangebot für Zeit nach dem Jahreswechsel liegt zumindest der Gewerkschaft Verdi bisher nicht vor.

René Serge Mund, Intendant und Verwaltungsdirektor der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus–Frankfurt (Oder) hält sich auf RUNDSCHAU-Nachfrage zunächst bedeckt. Auf anonyme Schreiben wolle er nicht reagieren, sagt er. Der Konflikt zwischen Stiftung, Mitarbeitern, Gewerkschaften und den Zuwendungsgebern Land und Stadt bestehe aber tatsächlich.

René Serge Mund sagt: „Wir verhandeln über eine Verlängerung des Haustarifvertrages mit veränderten Konditionen. Sollten wir zu keinem Ergebnis kommen, läuft der Haustarif Ende des Jahres aus. Dann müssten wir unsere Mitarbeiter nach dem Flächentarif bezahlen.“

Eine Million Euro an Zusatzausgaben

Das würde, so seine Berechnung, pro Jahr etwas mehr als eine Million Euro an Zusatzausgaben bedeuten. Geld, dass die Stiftung offenbar nicht aufbringen kann. „Die Zuwendungsgeber, also die das Land Brandenburg sowie die Städte Cottbus und Frankfurt, müssten einspringen“, sagt Serge Mund. Ob und in welchem Maße sie das tun wollen, sei Bestandteil der laufenden Verhandlungen. „Ich bin Optimist und glaube fest daran, dass wir rechtzeitig einen Kompromiss finden, mit dem alle Beteiligten leben können.“ Wie dieser Kompromiss seiner Ansicht nach aussehen könnte, dazu möchte er nichts sagen. „Dann vergraule ich alle Partner vom Verhandlungstisch.“

Auch von Seiten des Landes kommen nur zurückhaltende Äußerungen. Stephan Breiding, Pressesprecher im Brandenburgischen Kulturministerium, hofft ebenfalls auf einen Kompromiss, der eine Tarifangleichung irgendwo zwischen 2020 und 2022 sieht. Er sagt: „Die Stiftung muss autark mit ihren Mitteln auskommen.“

Hohe Auslastung des Staatstheaters im Vordergrund

Für Serge Mund steht dagegen fest, dass Tarifsteigerungen nicht aus dem laufenden Etat der Stiftung finanziert werden können. Die Stiftung erhält aktuell 25 Millionen Euro im Jahr. „Das ist knapp kalkuliert, wir sind unterfinanziert“, sagt Mund, der noch bis zur nächsten Spielzeit als Intendant fungiert. Er sagt, wenn Stadt und Land die anstehenden Erhöhungen für Löhne und Gehälter nicht bezahlen, müsste das Theater seine Eintrittspreise erhöhen. „Das würde auch nicht reichen, außerdem wären wir dann nur noch ein Theater für Menschen mit hohen Einkommen.“ Die Alternative – weiterhin untertarifliche Bezahlung der Mitarbeiter – sei auch kontraproduktiv. „Natürlich wird es immer schwieriger, Leute zu finden. Wenn andere Häuser besser bezahlen als wir,

Eine gute Auslastung anzustreben, müsse laut Mund immer das Bestreben einer Kultureinrichtung sein. „Geld fällt nicht vom Himmel, wir müssen uns darum bemühen“, sagt René Serge Mund. Weiter führt er aus: „Wir müssen am Theater Inszenierungen anbieten, die auf das Interesse des Publikums stoßen.“ In der letzten Spielzeit lag die Auslastung seines Hauses bei über 70 Prozent. „Dafür brauchen wir uns nicht zu schämen, damit liegen wir im bundesweiten Vergleich im oberen Mittelfeld.“

Staatstheater Cottbus unterfinanziert

In der nächsten Spielzeit tritt der Schweizer Stephan Märki seiner Arbeit als Intendant am Cottbuser Staatstheater an. Er hatte schon vor Monaten in einem RUNDSCHAU-Interview gemahnt, dass das Theater unterfinanziert ist. Er sagte: „Die Gehälter, die Gagen, die Ausstattungsetats sind zu gering.“ Langsam aber setze sich das Wissen durch, dass es sich lohne, in die Kultur zu investieren.

Die Autoren des offenen Briefes hoffen nun auf deutliche Positionierungen des zuständigen Ministeriums und des Cottbuser Oberbürgermeisters Holger Kelch (CDU). „Wir stellen uns immer wieder vor, was seine Mitarbeiter sagen würden, wenn er ihnen kein Tarifgehalt bezahlen würde.“