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| 19:37 Uhr

Im Branitzer Park
Das Staatstheater Cottbus wird wieder zum Wunderland

Das Cottbuser Staatstheater wird zum Wunderland FOTO:
Cottbus. Leichtfüßig, bunt und schwelgerisch geht es am Sonntag in Pücklers Park zu – ein Vorgeschmack auf Premieren und Konzerte in der neuen Spielzeit. Von Ida Kretzschmar

Schöner kann man den Branitzer Park  nicht in Szene setzen. So bringt es Detlev Schubert auf den Punkt. Der Cottbuser gehört zu Hunderten von Besuchern, die am Sonntag durch Pücklers Reich schlendern, um hinter jeder Biegung Überraschendes zu entdecken. Leichtfüßige Tanzdarbietungen, schmissige Musik und Schauspiel-Miniaturen. Das Staatstheater Cottbus hat zum bereits 16. Mal in kunstvoll grüner Kulisse seinen neuen Spielplan vorgestellt.

Gleich hinter dem Branitzer Schloss schwebt Alice ins Wunderland. „Unser Wunderland wird das Theater sein“, sagt Dirk Neumann, nun Ballettdirektor am Staatstheater Cottbus. Denn ab November soll es wieder eine eigene Sparte Ballett geben, hat der amtierende Intendant und Geschäftsführende Direktor René Serge Mund angekündigt. „Es sind so großartige Tänzer unter so meisterhafter Leitung, da muss der Stiftungsrat das einfach beschließen“, schmunzelt der Interimschef, der „Vertrauen“ zum Motto der Spielzeit erklärt hat.

Und so soll das Theater nicht nur mit der ersten, sondern mit allen 16 Premieren wieder zum Wunderland werden, wie am Sonntag eindrucksvoll unter Beweis gestellt wird.

Da wird Prinzessin Schlawittchen alias Mirjam Miesterfeldt von Nachtwächter Karl Berkel der Marsch geblasen, weil sie nicht ins Bett will. Immerhin plagen sie Albträume. Kein Wunder, sie hat  „Traumfresserchen“ verjagt, das nach 22 Jahren wieder die Cottbuser Bühne entert.

Venira Welijan und Stefan Kulhawec tanzen auf der Schlossterasse „Alice im Wunderland“.
Venira Welijan und Stefan Kulhawec tanzen auf der Schlossterasse „Alice im Wunderland“. FOTO: Michael Helbig

„Frau Luna“ gelingt es, nicht nur eine große Sängerschar um sich zu versammeln, sondern sie zieht auch viele Zuschauer an die Bar auf der Parkwiese. „Mein Gott jetzt hat sie`s“, ruft Heiko Walter aus, und alle Umstehenden wissen sofort Bescheid: Es kann sich hier nur um „My fair Lady“ handeln. Höhepunkt des Musiktheaters aber wird „Der Fliegende Holländer“ sein. Dem folgt Donizettis „L‘elisir d‘amore, was Liebestrank bedeutet. Diese vierte Oper ist neu ins Programm gekommen, erzählt die 1. Musikdramaturgin Carola Böhnisch. „Und Macbeth wird in dieser Spielzeit wieder aufgenommen“, fügt sie hinzu: „Diesmal mit Andreas Jäpel in der Titelrolle.“

Was Schauspieldirektor Jo Fabian in seiner zweiten Spielzeit zu bieten hat, wird auch auf verschlungenen Wasserwegen sichtbar. Sophie Bock und Matthias Günther demonstrieren „Kabale und Liebe“ auf dem Kahn. Eine Band lockt die Zuschauer ins „Nirvana“. Da ist noch nicht abzusehen, was sich alles entwickeln wird.

„Der Besuch der alten Dame“ (Susann Thiede) sorgt bei Rolf-Jürgen Gebert (M.) und Amadeus Gollner für Verwirrung.
„Der Besuch der alten Dame“ (Susann Thiede) sorgt bei Rolf-Jürgen Gebert (M.) und Amadeus Gollner für Verwirrung. FOTO: Michael Helbig

„Hurra, es lebe der große Bruder!“, ruft Gunnar Golkowski und kommandiert die Neugierigen auch gleich herum: „Im Gleichschritt marsch!“ Big Brother lässt grüßen. Orwells „1984“ gehört zu einer Reihe ausgeschlagener Warnungen, die Fabian zu erneuern gedenkt. Was aber ist mit den Schauspielern Sigrun Fischer, Josephine Fabian, Thomas Harms und Axel Strothmann passiert? Von wegen „Ewig jung“. Hier im Park kann man schon mal erahnen, wie sie in dreißig Jahren aussehen werden.

Das befeuert die Lust am Spiel -– und am Zuschauen. „Ich gehe gern und oft ins Theater. Nach der Sommerpause fühlte ich mich schon ein wenig auf Entzug“, gesteht Martina Kruse, die sich darüber freut, wie detailverliebt das neue Programm im Grünen präsentiert wird.

Nicht die Neugier allein treibt die Besucher von Station zu Station. Es ist auch ein unterhaltsames Quiz, zu erraten, was demnächst gespielt wird. Beim Abschlusskonzert an der Schlossterasse geht es obendrein noch einmal richtig bunt zu, gibt es schwelgerische Arien vom „Fliegenden Holländer“ bis „My Fair Lady“. Solisten, Opern- und Extrachor, getragen vom Philharmonischen Orchester, geben einen schönen Vorgeschmack auf die neue Saison.

Neben Christian Möbius steht Alexander Merzyn am Dirigentenpult. „Die acht Philharmonischen Konzerte können die Zuschauer mit acht verschiedenen Dirigenten erleben. Das ist einmalig in der Geschichte des Theaters“, sagt der amtierende Generalmusikdirektor. Einige davon stellen sich so auch als Anwärter für die Orchesterleitung vor, die nach der Kündigung von Evan Christ neu besetzt werden soll.

„Ich bin begeistert, mit wie viel Schwung das Staatstheater in die neue Spielzeit geht und wünsche ihm endlich wieder viele positive Schlagzeilen“, sagt Birgit Hendrischke aus Forst, die gemeinsam mit Freunden die Gelegenheit für ein Picknick im Grünen nutzt.

Immerhin hat „Frau Luna“ dazu aufgefordert. „Lasst uns anstoßen auf Freundschaft und die Lust am Leben.“

Gert Streidt (l.) und René Serge Mund unterzeichnen am Rande des Festes eine Kooperationsvereinbarung zwischen Pückler-Stiftung und Kulturstifung.
Gert Streidt (l.) und René Serge Mund unterzeichnen am Rande des Festes eine Kooperationsvereinbarung zwischen Pückler-Stiftung und Kulturstifung. FOTO: Michael Helbig
Das Cottbuser Staatstheater wird zum Wunderland FOTO: