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| 15:29 Uhr

Sonderausstellung in Branitz
Blechens Skizzen in Fontanes Wohnzimmer

 Sonderausstellung in Branitz: Blick in das imaginäre Wohnzimmer Theodor Fontanes mit seinen Lieblingsskizzen von Carl Blechen.
Sonderausstellung in Branitz: Blick in das imaginäre Wohnzimmer Theodor Fontanes mit seinen Lieblingsskizzen von Carl Blechen. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. „Am größten und genialsten ist er wohl in seinen Skizzen“. Diese Erkenntnis hat einst der Schriftsteller Theodor Fontane (1819 - 1898) über den Landschaftsmaler Carl Blechen (1798 - 1840) gewonnen. Die gleich­namige Ausstellung im Besucherzentrum Park und Schloss Branitz erzählt davon. Von Ida Kretzschmar

Kaum die Treppe herunter, erfährt man, was Theodor Fontane über Carl Blechen herausgefunden hat. Ja, geht man über den roten Teppich weiter in das imaginäre Wohnzimmer des großen Literaten, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, kann man sie sogar entdecken: Es waren Blechens Skizzen, die es dem berühmten Schriftsteller und Reisejournalisten angetan hatten. Zwischen einer ausladenden Sitzgruppe hängen kleinformatige Blechenwerke. Auf ihnen hatte der in Cottbus geborene Maler seine Ideen festgehalten. Aus einigen sind großformatige Gemälde geworden, bei anderen blieb es bei den Skizzen.

„Notizen in Ölfarbe, die Fontane besonders entzückt haben“, erzählt Kuratorin Beate Gohrenz. Der „Schuljunge“ hatte einst in der Cottbuser Sammlung gehangen, war aber im Krieg verloren gegangen. Nun können sich die Besucher an den Repros in Ursprungsgröße erfreuen. Aber auch ein Original aus der Cottbuser Blechen-Sammlung, die Fontanes imaginäres Wohnzimmer umgibt, ist nun hier gelandet. „Unterirdisches Gewölbe“, nach 1829 entstanden, greift eine Version des Bildes auf, das Fontane in der großen Carl-Blechen-Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie mit rund 400 Werken im Jahre 1881/82 besonders gefallen hatte.

Fontane hat aber nicht nur seine Lieblingsbilder fürs Wohnzimmer aufgelistet, er hat auch eine imaginäre Blechen-Galerie zusammengestellt. An diesen großformatigen Werken kann man nun in dieser Ausstellung ebenso entlangschlendern – Leihgaben aus ganz Deutschland.

Beide Künstler stammen aus der Mark Brandenburg und waren dieser Landschaft zugetan. Der eine malte sie, der andere bereiste sie und setzte ihr literarisch ein Denkmal. Daraus erwuchs wohl Fontanes Forscherdrang. 1861 veröffentlichte der Romancier in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ einen Aufsatz über Blechens Hauptwerk „Blick von den Müggelbergen bei Köpenick...“, kurz das Semnonenlager genannt. „Carl Blechen, unser Märkischer Landsmann und ,der Vater unsrer Märkischen Landschaftsmalerei’, wie er gelegentlich genannt worden ist, hat in einem seiner bedeutendsten Bilder die Müggelberge zu malen versucht. Sein Versuch ist glänzend geglückt...“, heißt es in Fontanes Aufsatz.

Er plante, Blechen ein ganzes Kapitel in seinen „Wanderungen“ zu widmen, wohl auch eine Biografie. So begann er eine große Materialsammlung, knüpfte Kontakte zu Sammlern und Blechens Künstlerkollegen, recherchierte über den Verbleib der Bilder.

„Dass diese Materialsammlung nun ansichtig wird, ist schon etwas Besonderes. Zumal damit eine wichtige Quelle in der Blechen-Forschung erschlossen wird. Vor allem Typografien und Faksimiles von Briefen seiner Zeitgenossen schenken Puzzleteile, um die Persönlichkeit des großen Landschaftsmalers besser zu erfassen“, sagt Beate Gohrenz und macht auf die Korrespondenz mit Paul Meyerheim aufmerksam, der von einem Erlebnis seines Vaters Friedrich Eduard Meyerheim berichtet: Danach kann man sich gut vorstellen, wie der Genremaler von Blechen eine noch feuchte Ölstudie übern Gartenzaun geschenkt bekommen hat, die dieser zuvor in seiner Gartenlaube angefertigt hatte.

„Diese Briefe, die in kleinen Episoden aus dem Leben Blechens erzählen, werden erstmals ausgestellt. Sie sind wahrlich eine Neuentdeckung“, sagt die Kuratorin. So konnte in Cottbus auch ein unbekannter Absender identifiziert werden: Kammergerichts-Referendar Frick. Aus seinem Nachlass hatte die Pückler-Stiftung im Jahr 2017 vier Blechen-Gemälde geschenkt bekommen.

Warum aus Fontanes Materialsammlung keine Blechen-Biografie wurde, ist nicht bekannt. Aber vielleicht lässt sich das ja auch in der Sonderausstellung erforschen. Möglicherweise reicht es schon, ausdauernd in den digitalisierten Notizbüchern zu blättern...

Die Ausstellung im Besucherzentrum Park und Schloss Branitz ist bis 31. Oktober 2019 täglich 10 bis 17 Uhr geöffnet.

 Sonderausstellung in Branitz: Blick in das imaginäre Wohnzimmer Theodor Fontanes mit seinen Lieblingskizzen von Carl Blechen.
Sonderausstellung in Branitz: Blick in das imaginäre Wohnzimmer Theodor Fontanes mit seinen Lieblingskizzen von Carl Blechen. FOTO: Michael Helbig