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Abschied
Six: „Wir sind gut – das ist das Problem“

Six sagt Tschüss und verabschiedet sich unter anderem mit einem Konzert in Schmogrow am Freitag.
Six sagt Tschüss und verabschiedet sich unter anderem mit einem Konzert in Schmogrow am Freitag. FOTO: Lutz Mueller-Bohlen
Cottbus. Six sagt Tschüss. Am Erfolg liegt’s nicht. Aber nach 25 Jahren wird’s offenbar Zeit für Neues.

Six kennt in Brandenburg irgendwie jeder – und wenn’s nur von den Plakaten am Straßenrand ist. „Wir sind die bekannteste unbekannte Band in Brandenburg“, sagt Frontmann Stefan Krähe. 25 Jahre Arbeit stecken dahinter, in mindestens der Hälfte der Zeit können die Jüterboger auf eine solide Fanbasis zählen.

Rund 2700 Konzerte waren es, die Six in einem Vierteljahrhundert gespielt haben, eine Handvoll liegen noch vor ihnen. Dann ist Schluss – für immer. Die Six-Combo wird nach dem Abschluss am 4. November im Potsdam Geschichte sein.

Bleibt die Frage, warum sich die Jungs, die schon längst keine Jungs mehr sind, für die Bandauflösung entschieden haben. „Wir sind gut – das ist unser Problem“, sagt Stefan Krähe. Gut ist Six vor allem als Coverband, heißt: als Band, die Lieder anderer Künstler nachspielt. Das wollen die Leute sehen und hören, dafür werden sie zu Stadt- und Dorffesten, zu großen Events und in die Hallen Brandenburgs eingeladen. Auf der anderen Seite bleibt ihnen der Weg auf so manche Konzertveranstaltung versperrt. „Die Veranstalter wollen da keine Coverbands“, sagt Krähe und betont, dass Six schon lange nicht mehr „nur“ eine Nachspiel-Combo ist. Das allerdings wüssten viele gar nicht.

Seit Jahren schon spielen sie bei Auftritten auch eigene Songs. Drei Alben sind seit 2009 entstanden, „Gefallene Engel“, „Narben und Souvenirs“ und „Gebrannte Kinder“. Das Problem: Die, die die Musik aus Krähes Feder hören wollen, interessieren sich nur wenig für Cover-Musik. Die Freunde der großen Hits aus den Charts wiederum haben selten ein offenes Ohr für völlig Neues und Unbekanntes, wie Krähe es beschreibt. Die Six-Alben hatten wenig Chance auf dem Markt.

Bleibt die Flucht nach vorn. Das Ende von Six bedeutet nicht das Ende von Krähes Musik. Im Veranstaltugnskalender der Band bei Facebook stehen schon Dutzende Auftritte von Krähes neuem Projekt „Krähe“ – Songs aus eigener Feder, keine Covertitel. Und trotzdem: Den Stil der Band wird es auch bei „Krähe“ zu hören geben, kündigt der Musiker an, nur eben in Form eigener Titel und mit anderer Besetzung – nur Schlagzeuger Jürgen Schötz und Keyboarder Andreas Giersch folgen Stefan Krähe.

Und? Wehmut? Eher Stolz angesichts des Erreichten, sagt Stefan Krähe. Der Andrang für die letzten Konzerte bis Anfang November sei groß. Mit Wehmut habe der Abschied weniger zu tun. Aber, das muss der Noch-Six-Frontmann zugeben, so richtig wisse er noch nicht, wie er nach dem allerletzten Konzert in der Landeshauptstadt reagieren werde.

„Das wird ein Treffen der Generationen“, sagt Stefan Krähe über die letzten Auftritte – zwei davon in kleiner Besetzung im Gubener Bistro am Wasserwerk, am Freitag ganz in der Cottbuser Nähe in Schmogrow (Spree-Neiße), dann noch einmal in Königs Wusterhausen, bevor es zum Finale nach Potsdam geht. Viele Six-Fans seien irgendwann in den 25 Jahren mal für eine Zeit weggewesen, sagt Krähe, einige, weil sie Eltern geworden seien, andere, weil ihnen reinen Cover-Auftritte gefehlt hätten. Viele seien aber auch irgendwann wiedergekommen, hätten neue, jüngere Fans mitgebracht. Der Six-Abschied locke dann doch noch einmal alle vor dem Ofen hervor und vor die Six-Bühnen.

Krähe selbst ist 51 – in Rockmusiker-Lebensjahren also so gut wie im Rentenalter, wenn man nicht gerade Mick Jagger (74) heißt. Aber er versichert: „Ich fühle mich immer noch wie 35.“ Daher komme auch die Lust auf ein neues Projekt, für das – das gibt der Sänger zu – der Six-Abschied auch ein bisschen Werbung machen soll.

Müde sei er nach einem Vierteljahrhundert mit rund 120 bis 140 Konzerten pro Jahr noch nicht. Im Gegenteil. „Das ist ja nicht so als würdest du mit einer Stulle in der Büchse zur Arbeit gehen“, sagt Krähe. „Müde wird man da nicht.“ Das Musikmachen auf der Bühne mache einfach Spaß – auch Six mache nach wie vor Freunde. Nur erfülle es ihn nicht mehr, die Lieder anderer zu singen.