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500 Jahre Reformation
Reformation, Doppelpunkt

Superintendentin Ulrike Mezel und Museumsleiter Steffen Krestin werfen bereits einen Blick in die neue Reformationsausstellung im Stadtmuseum. Die Eröffnung ist am Freitag, 10. November, um 17 Uhr in der Klosterkirche.
Superintendentin Ulrike Mezel und Museumsleiter Steffen Krestin werfen bereits einen Blick in die neue Reformationsausstellung im Stadtmuseum. Die Eröffnung ist am Freitag, 10. November, um 17 Uhr in der Klosterkirche. FOTO: Daniel Schauff / LR
Cottbus. Stadtmuseum und Kirche werfen einen Niederlausitzer Blick aufs Reformationsjubiläum. Eine Sonderausstellung wird am Freitag eröffnet. Von Daniel Schauff

Eine Frage beantwortet Museumsleiter Steffen Krestin gleich zu Beginn des Gesprächs im Cottbuser Stadtmuseum. Nein, die Sonderausstellung zur Reformation kommt nicht zu spät, auch wenn der 500. Reformationstag gerade eine Woche her ist, die ganz großen Feiern schon vorbei sind. „Am 31. Oktober wäre sowieso keiner zu uns gekommen“, scherzt Krestin. Ulrike Menzel, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Cottbus, fügt hinzu: „Das Reformationsjubiläum ist kein Punkt, sondern ein Doppelpunkt.“

Auf den folgt im Stadtmuseum ein beeindruckender Blick auf die Reformationsgeschichte in Cottbus. Die nahm 1527 ihren Anfang, immerhin zwölf Jahre vor ihrer Einführung in Brandenburg. Schon davor, 1922, predigte Johannes Briesemann in der Klosterkirche lutherisch. Er steht im Fokus der neuen Ausstellung, die Museum und Kirche gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Zwischen zwei und drei Jahre lang habe die Vorbereitung gedauert, sagt Krestin. Und er sei froh, dass die Kirche mit an Bord sei.

Gleich mehrere Bereiche umfasst die bis September 2018 sichtbare Ausstellung im Obergeschoss des Museums – vom Blick auf Luther, Briesemann und deren Zeitgenossen über die Beschäftigung mit den Kirchen in der Stadt und im Umland bis hin zum Glauben im Alltag und der Bildung. Auch die Rezeptionsgeschichte spielt eine Rolle, unter anderem mit einem Blick auf die Lutherfestspiele in Cottbus. Etwas provokant steht mitten in der Ausstellung eine Ablassmaschine – gegen Spende können Besucher erfahren, wofür man sich von Sünden befreien konnte.

Im unteren Stockwerk des Museums finden sich weitere Zeugnisse der Reformationsgeschichte in der Region. Die sind Teil der ständigen Ausstellung, sagt Museumsleiter Krestin, und werden anlässlich der Sonderausstellung nicht ins Obergeschoss umziehen. Stattdessen weisen kleine „R“-Symbole auf sie hin. Das zeige auch, dass die Stadtgeschichte tatsächlich von der Reformation geprägt sei.

Vollständig, sagt Krestin, könne die Ausstellung die Reformationsgeschichte in der Niederlausitz nicht abbilden. „Museen sollten mit dem arbeiten, was sie haben“, sagt Krestin. Auf Leihgaben wollte er nicht zurückgreifen – einerseits um die Ausstellung für rund ein Dreivierteljahr vollständig zu halten, andererseits, weil sich so jede Reformationsausstellung unterscheide.

Die neue Cottbuser Ausstellung, ein Projekt im Rahmen von Kulturland 2017: „Wort und Wirkung. Luther und die Reformation in Brandenburg“, macht schon in ihrer Aufbauphase neugierig. Große, mit Kirchenfenster-Motiven bedruckte Fenstertücher lassen das Obergeschoss fast zum Gotteshaus werden, die Übergänge zwischen den Ausstellungsbereichen sind fließend, fernab vom Staub des zurückliegenden halben Jahrtausends.

Bereits im Sommer haben das Stadtmuseum und der Regiaverlag – passend zur neuen Ausstellung – einen Band der „Cottbuser Blätter“ präsentiert, der die Sendschrift des Johannes Briesmann aus dem Jahr 1522 vorstellt. Ein Zitat des Cottbuser Reformators gibt der Sonderausstellung ihren Titel: „Vnd last euch nicht abwenden von dem rechtenwege des Euangilions“.