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| 13:32 Uhr

Im Dieselkraftwerk
Plakate von Walter Böhmim Cottbuser Kunstkaffee

Die Zwickmühle, 1970, Siebdruck
Die Zwickmühle, 1970, Siebdruck FOTO: Walter Böhm / Archiv
Cottbus. () Im Kunstkaffee im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst Cottbus (Dieselkraftwerk) werden seit Neuestem Plakate von Walter Böhm gezeigt. Das Kunstkaffee mit Blick auf den Amtsteich hat am Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet; die Plakate können sich Interessierte auch außerhalb des Cafébetriebs ansehen. In dem Ausstellungsreigen „Schubladen denken“, der in loser Abfolge das Kunstkaffee bespielt, nimmt die neue Kustodin der Sammlung Plakatkunst, Helene Roolf, die Besucher mit bei ihren Erkundungen durchs Depot.

() Im Kunstkaffee im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst Cottbus (Dieselkraftwerk) werden seit Neuestem Plakate von Walter Böhm gezeigt. Das Kunstkaffee mit Blick auf den Amtsteich hat am Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet; die Plakate können sich Interessierte auch außerhalb des Cafébetriebs ansehen. In dem Ausstellungsreigen „Schubladen denken“, der in loser Abfolge das Kunstkaffee bespielt, nimmt die neue Kustodin der Sammlung Plakatkunst, Helene Roolf, die Besucher mit bei ihren Erkundungen durchs Depot.

Erste Perlen, die beim Tauchen auf dem Grund der Sammlung gefunden wurden, sind die Plakate des in Cottbus lebenden Theatergrafikers Walter Böhm, die in ihrer teils sachlichen wie heiteren Prägnanz und dem Zusammenklang von Bild und Schrift eine typische Erscheinung im Plakatdesign der 1960er- und 1970er-Jahre bilden. Bemerkenswert ist die Bandbreite gestalterischer Tonlagen, die Walter Böhm anzuschlagen weiß.

Für zwölf Premieren im Jahr entwarf Walter Böhm die Plakate für das Theater der Stadt Cottbus; vereinzelt kamen Auftragsarbeiten vom Theater der Stadt Plauen hinzu. Seine Herausforderung als Grafiker am Theater bestand darin, dass er – wie er in einem Interview am 9. Februar diesen Jahres in Cottbus sagte – „eine Literatur bildhaft umsetzen musste“, noch dazu unter einem gewissen Zeitdruck. Durch eine pragmatische Aneignung der Produktionsmittel konnte Böhm jedoch in der theatereigenen Siebdruckwerkstatt, im Vergleich zum notwendigerweise aushäusigen Offsetdruck, schnell und eigenhändig drucken. Die Werkstatt in der Taubenstraße hatte er, dank seines Leipziger Fachabschlusses in Siebdruck und seines Improvisationstalents in den 1960er-Jahren aufgebaut.

In einer Eröffnungsrede hat Barbara Martin 2016, die langjährige Kustodin der Plakatkunst-Sammlung, diese Einrichtung mit ihren selbst gebauten Werkzeugen und Sieben, alten Trockenhauben vom Frisör (zum Trocknen der Siebe) als „unikal“ bezeichnet. Auch die Böhm nachfolgenden Theatergrafiker Andreas Wallat, Meinhard Bärmich und Rudolf Sittner nutzten diese ab 1987. Die für die damalige Hängung in Cottbus erforderliche, vergleichsweise niedrige Auflage (200 Stück) erweist sich in der Rückschau als großes Glück, da Böhm nicht auf den Offsetdruck ausweichen musste und so den Siebdruck in Cottbus etablieren half.