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| 18:23 Uhr

Querelen am Staatstheater
„Die Gespräche wurden vom Personalrat angestoßen“

Der Vorsitzende des Künstlerischen Personalrats des Staatstheaters, Volker Schenck, ist  Musiker im Orchesters.
Der Vorsitzende des Künstlerischen Personalrats des Staatstheaters, Volker Schenck, ist Musiker im Orchesters. FOTO: Marlies Kross
Cottbus. Nach einem RUNDSCHAU-Gespräch mit Brandenburgs Kulturministerin und Vorsitzenden der Brandenburgischen Kulturstiftung Martina Münch (SPD) regt sich Unmut im Orchestergraben des Staatstheaters. Der Personalrat will Münchs Aussagen nicht so stehen lassen. Von Ida Kretzschmar

„In meinen Gesprächen mit Personalvertretern hat dieses Thema nie eine Rolle gespielt.“ Das sagte Martina Münch am Dienstag im RUNDSCHAU-Interview auf die Frage, warum sie vom Ausmaß der Vorwürfe gegen den Führungsstil des Generalmusikdirektors so überrascht war, obwohl sie sich doch mindestens zweimal im Jahr mit Personalvertretern des Staatstheaters getroffen habe.

Der Personalrat will das nicht unkommentiert stehen lassen. „Wir möchten nicht, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, der Personalrat habe einfach geschwiegen“, macht Volker Schenck klar. „Im Gegenteil. Wir haben uns seit fast zehn Jahren immer wieder sehr um Deeskalation bemüht. Die vielen Gespräche, die es in all den Jahren gegeben hat, wurden von uns angestoßen“, sagt der Vorsitzende des Künstlerischen Personalsrats, der selbst als Hornist im Orchester spielt.

Die Kontakte, die es nach den Stiftungsratssitzungen gegeben hatte, unterlagen einer festen Tagesordnung. „Für ein so sensibles Thema fehlte der Rahmen. Es wurde nicht gefragt: ,Brennt euch etwas auf der Seele?’ Zumal uns immer wieder klar gemacht wurde, dass der GMD ein ,Zugpferd’ für das Theater und die Stadt sei“, berichtet er der RUNDSCHAU und fügt hinzu: „Schon vor zwölf Jahren hatte ich einen Brief an die damalige Brandenburgische Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) geschrieben, in dem wir direkte Kontakte zwischen Stiftungsrat und Personalrat angemahnt hatten. Uns wurde klargemacht: Die Hausleitung ist unser Ansprechpartner, das Scharnier zwischen den Ebenen. Wir haben uns an die Marschrichtung gehalten. Die Hausleitung aber hat uns bestätigt, dass Martina Münch sehr wohl davon wusste, dass das Orchester mehrheitlich eine Vertragsverlängerung von Evan Christ abgelehnt hatte. Insofern sind wir davon ausgegangen, dass die Ministerin im Bilde ist.“ In den Monatsgesprächen mit den jeweiligen Geschäftsführenden Direktoren des Staatstheaters hätte der Personalrat immer wieder auf Probleme aufmerksam gemacht. „Es waren viele Emotionen im Spiel. Unsere Strategie war, das mit beiden Seiten zu klären“, betont Volker Schenck, der seit 15 Jahren im Personalrat arbeitet. Schon als sich vor einem Jahr das Orchester mehrheitlich gegen eine Verlängerung der Vertrags seines Orchesterleiters ausgesprochen hatte, schlug der Personalrat eine Mediation vor. „Die Gespräche, die wir immer wieder einforderten, haben durchaus etwas gebracht. Im Oktober waren wir uns mit der Leitung des Hauses einig: Respektloses Verhalten und Beleidigungen werden nicht mehr geduldet.“

Die Kündigung des Studienleiters und Solorepetitors Frank Bernard, vor der der Personalrat ausdrücklich gewarnt hatte, aber brachte das Fass zum Überlaufen. Alles, was sich jahrelang angestaut hatte, drängte ans Licht. „Wenn wir von Anfang an in den Stiftungsrat einbezogen worden wären, hätte vieles verhindert werden können. Es wird jetzt nicht leicht sein, den Scherbenhaufen in gleicher Qualität wieder zusammenzusetzen“, ist sich Volker Schenck gewiss, der im Namen des gesamten Personalrates spricht.

Er freut sich über Signale, dass künftig die Personalräte des Staatstheaters direkt am Informationsfluss im Stiftungsrat beteiligt werden sollen. „Am besten wäre es, wenn wir mit an den Sitzungen des Stiftungsrates teilnehmen könnten. Anderswo sitzt die  Arbeitnehmerseite sogar mit Stimmrecht in den Aufsichtsräten.“