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| 13:28 Uhr

Erinnerungen
Montserrat Caballé hat die Lausitzer begeistert

Montserrat Caballé in Cottbus FOTO:
Barcelona. Montserrat Caballé galt als die letzte große Operndiva. In den vergangenen 60 Jahren stand sie Tausende Male auf der Bühne. Am Sonnabend ist sie in ihrer Geburtsstadt Barcelona gestorben. Auch in Cottbus hat der Opernstar Spuren hinterlassen.

Die Musikwelt trauert um die große spanische Operndiva Montserrat Caballé. Die gefeierte Sopranistin wurde 85 Jahre alt. Sie starb am frühen Samstagmorgen nach jahrelangen gesundheitlichen Problemen in einem Krankenhaus ihrer Geburtsstadt Barcelona. Die Familie habe darum gebeten, dass die Todesursache nicht bekanntgegeben werde, sagte ein Sprecher des Hospital de la Santa Creu i Sant Pau in der katalanischen Hauptstadt.

Ihre Heimat in den vergangenen sechs Jahrzehnten waren die großen Opernmetropolen der Welt. Ob London, Mailand, New York: Montserrat Caballé wurde überall gefeiert.

Im Oktober des Jahres 1996 aber auch in der Cottbuser Stadthalle. Auf Initiative des damaligen RUNDSCHAU-Chefredakteurs, Dieter Mauer, der mit Caballés Konzertveranstalter die Schulbank gedrückt hatte, kam ein viel beachtetes Gastspiel in der Lausitz zustande.

Und die gefeierte Operndiva hinterließ ihr Spuren. Nach dem Konzert in der Stadthalle traf sie den damaligen Cottbuser Oberbürgermeister Waldemar Kleinschmidt (CDU) und schrieb sich ins Goldene Buch der Lausitzmetrople ein.

Der spanische Startenor José Carreras zeigte sich nach der Nachricht vom Tod der Sängerin tief betroffen: „Von allen Sopranistinnen, die ich live auf der Bühne erlebt habe, habe ich noch nie jemanden so singen hören wie Caballé.“ Die Zeitung „La Vanguardia“ bezeichnete sie als „letzte Primadonna der Oper“.

Caballé lag seit Mitte September im Krankenhaus. Sie war wegen eines Blasenproblems in die Klinik gekommen. Die Sängerin wurde schon seit mehreren Jahren von Gesundheitsproblemen geplagt: Nach einem Sturz vor sechs Jahren konnte die zweifache Mutter und Oma eines Enkelkindes kaum noch gehen und war meist auf einen Rollstuhl angewiesen. Zuletzt trat sie nur noch sitzend auf.

Die am 12. April 1933 in Barcelona in der Nähe des Gebirgszuges Montserrat geborene María de Montserrat Bibiana Concepción Caballé i Folch kam seit dem Beginn ihrer Karriere im Jahr 1956 in Basel auf über 4000 Aufritte. Die füllige und für ihr herzhaftes Lachen bekannte Künstlerin galt als die letzte große Operndiva. Sie war eine Freundin von Maria Callas, spezialisiert auf Belcanto-Opern von Rossini oder Donizetti und seit den 1990er Jahren Botschafterin der Unesco.

„La Montse“, wie sie von Fans und Medien genannt wurde, war von 1959 bis 1962 in Bremen engagiert. Nach der Aufnahme mehrerer Alben wuchs ihre Fangemeinde in ihrer Heimat, aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz schnell an. Den internationalen Durchbruch schaffte sie 1965 in der Titelrolle von Donizettis „Lucrezia Borgia“ in der Carnegie Hall in New York.

Einen weiteren Meilenstein setzte sie 27 Jahre später, dieses Mal mit einem Duett, das in die Geschichte eingehen sollte: 1991 nahm sie mit dem britischen Rockstar Freddie Mercury, dem Frontmann der Gruppe Queen, kurz vor dessen Aids-Tod den Song „Barcelona“ auf. Ein Jahr später avancierte das Lied zur Hymne der Olympischen Sommerspiele in der katalanischen Hauptstadt - und machte Caballé nun auch einem ganz breiten Publikum bekannt.

Auch Queen-Gitarrist Brian May äußerte sich zum Tod von Caballé. „RIP dear Montsy“, schrieb er auf Twitter und fügte hinzu: „Inspiration für uns, besonders aber für Freddie“. Das Royal Opera House in London postete auf Twitter, die Katalanin habe „mit ihrer fantastischen Stimme Millionen inspiriert“.

Caballé hatte unter anderem mit Superstars wie dem Italiener Luciano Pavarotti und dem Spanier Plácido Domingo auf der Bühne gestanden. Domingo postete auf Twitter Fotos von gemeinsamen Auftritten und schrieb dazu: „Es war ein Privileg, die Bühne mit Dir zu teilen. Gott hat einen weiteren Engel zu sich gerufen. Für immer... Plácido.“

Beileidsbekundungen gab es auch vom spanischen Königshaus, das Caballé eine „Legende“ nannte, vom Teatro Real in Madrid sowie von zahlreichen weiteren Vertretern der Musikwelt und der Kultur, der Politik und des Sports, darunter von den beiden katalanischen Fußball-Topclubs FC Barcelona und Espanyol.

Montserrat Caballé in Cottbus FOTO:
(dpa/si)