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| 14:46 Uhr

Pückler-Schau in Branitz
Beweglich und schillernd wie der Schmetterling

 Stiftungs-Kustodin Dr. Simone Neuhäuser verweist auf seltene Fundstücke aus Pücklers Orientreisen.
Stiftungs-Kustodin Dr. Simone Neuhäuser verweist auf seltene Fundstücke aus Pücklers Orientreisen. FOTO: Michael Helbig
Cottbus . Neue Dauerausstellung „Fürst Pückler. Ein Europäer in Branitz“ lockt ins Schloss Branitz und ermöglicht facettenreiche Annäherung. Von Ida Kretzschmar

Hunderte Gäste feiern am 25. Mai den Schöpfer der Branitzer Parklandschaft, wenn die neue Dauerausstellung „Fürst Pückler. Ein Europäer in Branitz“ im Schloss eröffnet wird. „Ich bin ein Kind der Phantasie, ohne bleibende Eindrücke, und daher wenig schöpferisch, aber dafür beweglich wie der Schmetterling“, schreibt der Fürst (1785 -1871) in aller Bescheidenheit 1845 der Gräfin Hahn-Hahn. Eine seiner charmanten Korrespondenzen, in die nun intime Einblicke gewährt werden. Besucher können sich indes nicht nur ausgiebig von der beeindruckenden Schöpferkraft des Grünen Fürsten überzeugen, sondern auch von seiner Beweglichkeit, die ihn nicht nur in englische Gärten geführt hat, sondern auch in den Orient, aus dem er eine Abessinierin mitbrachte, zudem auch viele seltsame exotische Dinge, die hier zu bestaunen sind. Das Porträt von Machbuba aber wird in den Orientzimmern zu sehen sein, wenn die Restaurierung abgeschlossen ist.

Schmetterlingsgleich mag sich auch mancher Besucher fühlen. Wie von Blume zu Blume lässt sich beim Flanieren durch die historischen Wohn- und Gesellschaftsräume des Fürsten sowie in den Zimmern darüber Schillerndes, Sinnliches, bisher Unbekanntes entdecken.

Schauen wir in die Branitzer Tafelbücher. Dass Pückler ein Genießer war, ist kein Geheimnis. Aber wer wusste schon, dass er nur an einem einzigen Tag, am 17. Mai 1870, in Branitz Pückler-Eis auftafeln ließ? „Er hat lieber Kirscheis gegegessen“, verrät Stiftungs-Kustodin Dr. Simone Neuhäuser. Unter ihrer Leitung wurde die Ausstellung gemeinsam mit den Historikern Andreas Bernhard, Klara Freund, Marina Heilmeyer, Ulf Jacob, Sabrina Kotzian und Silke Kreibich erarbeitet.

Selbst die Silberkammer ist nun Besucheraugen nicht mehr verschlossen. Der Fürst legte Wert auf poliertes Tafelsilber und feines Porzellan, erzählt Dr. Neuhäuser. Der Tafelaufsatz, sie weist auf einen opulenten Entwurf, war Pückler durchaus Statussymbol. Darauf zu entziffern die fürstliche Devise: Amor et virtus, Liebe und Tugend. Aber wie weit ging diese? Was ist dran am Nimbus des Schwerenöters? Oder sollte man es einfach als Tapferkeit und Stärke deuten? Wer darauf und auf andere noch unbeantwortete Fragen Antwort sucht, steigt die Schlosstreppe höher.

Hier ist nicht nur zu erfahren, warum Pückler seinen Alterswohnsitz nach Branitz verlegte und weshalb Cottbus ihn zu seinem ersten Ehrenbürger ernannte. Stammbaum, Netzwerke und seine Beziehung zu Ex-Frau Lucie werden unter die Lupe genommen. Manchmal auch im wahrsten Wortsinn: Denn etwas sehr Fragiles und Persönliches von beiden wird hier erstmals gezeigt: Haarlocken von Fürst und Fürstin, die ein treuer Diener aufbewahrt hatte.

Erstmal wird hier auch dokumentiert, wie die DDR mit dem fürstlichen Erbe umgegangen ist. Und auch seine Kutschfahrt mit vier weißen Hirschen bei den Digedags wird nun nicht mehr nur Insider-Wissen bleiben.

Gert Streidt, Direktor der Pücklerstiftung, freut sich, dass „die Besucher neben dem Erleben des Parks und des Schlosses nun auch den Schöpfer des Branitzer Gesamtkunstwerks kennenlernen können. Möglich wird das durch eine Fülle originaler Objekte aus dem Besitz des Fürsten, die die Erbengemeinschaft großzügig zur Verfügung stellte“, bekräftigt er. Zu verdanken ist die umfassende, multimediale Dauerausstellung auch der Förderung durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Spree-Neiße, Landes- und Bundesmitteln.

„Sie ist eine sehenswerte Ergänzung der vier bereits restaurierten wundervollen historischen Räume. Sie wird den Branitzer Park mit seinem schönen Schloss erneut in den Mittelpunkt überregionaler Aufmerksamkeit rücken“, hofft Ralf Braun, Vorstandsmitglied der Sparkasse Spree-Neiße. In der Tat vertieft sich hier die Bekanntschaft mit dem Fürsten auf facettenreiche Weise. Auch, weil er in Gesellschaft nicht minder einprägsamer Zeitgenossen gezeigt wird. Charles Dickens nannte den Vielredner schalkhaft Count Smoretork, Wir begegnen dem Fürsten auf Brautschau, im Reisekleid, beim Eis­essen vor dem Café Kranzler...

Die Reiseschriftstellerei aber macht ihn berühmt. Seine „Briefe eines Verstorbenen“ werden zum Weltbestseller. Sein Ruf dringt bis Amerika. Aber auch als Landschaftsgestalter ist er bald in aller Munde, inspiriert sogar die Väter des berühmten Central Parks in New York.

Ein geistvoller Fürst und Visionär, beweglich und schillernd wie der Schmetterling. Schon zu Lebzeiten bestimmt er die Wasserpyramide zu seinem Grab.

Am Ende findet man sich in einem Ruheraum wieder, umgeben von seinen Weggefährten, liest in seinen Briefen und bestaunt diese meisterhaften Intarsien des Kabinettschrankes aus der Werkstatt von Adam Eck. In diesem schönsten und wertvollsten Möbelstück der Sammlung bewahrte der Fürst einst seine Korrespondenz.

 Nun geöffnet: Silberkammer mit Aufgang zur Wäschekammer.
Nun geöffnet: Silberkammer mit Aufgang zur Wäschekammer. FOTO: Michael Helbig
 Stiftungs-Kustodin Dr. Simone Neuhäuser verweist auf seltene Fundstücke aus Pücklers Orientreisen.
Stiftungs-Kustodin Dr. Simone Neuhäuser verweist auf seltene Fundstücke aus Pücklers Orientreisen. FOTO: Michael Helbig
 Nun geöffnet: Silberkammer mit Aufgang zur Wäschekammer.
Nun geöffnet: Silberkammer mit Aufgang zur Wäschekammer. FOTO: Michael Helbig