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| 17:54 Uhr

Neue Ausstellung im Stadtmuseum Cottbus
Raus aus dem Schrank, rein ins Museum

„Aus Schubladen, Schränken und Kisten“ lockt mit alltäglichen Dingen FOTO: LR / Josephine Japke
Cottbus. Die neue Ausstellung „Aus Schubladen, Kisten und Schränken“ im Stadtmuseum Cottbus widmet sich der lokalen Geschichte aus einer für Historiker eher ungewöhnlichen Perspektive: Dem Alltag der Menschen anhand ihrer eigenen „Funde“, die dem Museum im Lauf der Zeit geschenkt wurden. Von Josephine Japke

„Was bewegt eine Familie dazu, Objekte aus den Trümmern ihres Hauses zu ziehen und sie jahrzehntelang mit sich zu führen?“, fragt Stadthistoriker Steffen Krestin. Eine riesige Standuhr etwa oder ein Puppenhaus? Beides nach dem Bombenangriff auf Cottbus am 15. Februar 1945 als unversehrte Stücke aus zerstörten Häusern gerettet. Die neue Ausstellung „Aus Schubläden, Schränken und Kisten“ präsentiert noch bis Februar 2019 Schenkungen an das Stadtmuseum Cottbus. Gezeigt werden alltägliche Dinge, verborgene Schätze und beinahe verlorengegangene Geschichte.

Die Sammlung des Stadtmuseums Cottbus umfasst mehr als 80 000 Stücke. Hunderte davon sind Schenkungen, die das Museum in den letzten Jahren erhielt. Einige werden nun ausgestellt. „Das Schwerste beim Zusammenstellen so einer Ausstellung ist, die Auswahl zu treffen. Am liebsten möchte ich jedes Stück präsentieren, aber dafür fehlt der Platz“, erklärt Museumskuratorin Dagmar Pfeifer, die maßgeblich an der neuen Ausstellung mitarbeitete. Sie fühlt sich geehrt, weil die Leute ihr das Vertrauen schenken, über die meist persönlichen Erinnerungsstücke zu wachen. „Man muss sehr feinfühlig mit den Lebensgeschichten umgehen, denn hier sind sehr private Stücke dabei“, sagt sie. Manchen Menschen falle es nach dem Aufräumen des Kellers leicht, sich von den eingestaubten Stücken zu trennen, andere koste es Überwindung, endgültig loszulassen.

Das Täschchen für die Damenstrümpfe, das edle Parfüm, Kristall in einer Sonderedition und viel mehr wird in thematisch sortierten Vitrinen präsentiert. Die Vorbereitung für die Ausstellung „Aus Schubladen, Schränken und Kisten“ dauerte etwa ein Jahr. „Wir wollen Heimatgefühle wecken und zu Gesprächen zwischen Freunden und Familien anregen“, erklärt Dagmar Pfeifer.

Bei der Ausstellungseröffnung am Mittwochabend klappte das schon mal super. Diskussionen über Mikado-Spiele, Röhrenfernseher und Postkarten machten die Runde durch die Kellerräume des Stadtmuseums. Die überwiegend exemplarischen Einzelstücke sollen in der Gesamtheit ein Bild des Alltags der Cottbuser über die Jahrhunderte hinweg ergeben. Das älteste Ausstellungsstück ist aus dem 19. Jahrhundert. „Ein Objekt im Museum ist stets aus der Zeit gefallen und hat seine ursprüngliche Aufgabe verloren. Seine neue Aufgabe ist es nun, den Menschen Wissen zu vermitteln“, erklärt Steffen Krestin.

Eine besondere Überraschung hielt am Mittwochabend auch der historische Heimatverein bereit. Dora Liersch übergab dem Stadtmuseum ein historisches Gemälde mit einer Aussicht durch Cottbuser Straßen, die einzigartig ist. „Es zeigt die Gertraudenstraße mit Blick zur Oberkirche. Heute sieht die Ecke ganz anders aus“, sagt sie.