| 18:41 Uhr

Neue Ausstellung im Apothekenmuseum
Haben Sie ein Tempo für mich?

Aspirin, Tempo oder doch Krügerol? „Welche dieser Marken ist wohl die älteste“, fragen die Mitarbeiter des Apothekenmuseums bei der Führung durch die neue Ausstellung „Besondere Marken des 20. Jahrhundets“. (v.l. Yvonne Rinza, Annette Schiffner, Sabine Bernert und Dagmar Braun)
Aspirin, Tempo oder doch Krügerol? „Welche dieser Marken ist wohl die älteste“, fragen die Mitarbeiter des Apothekenmuseums bei der Führung durch die neue Ausstellung „Besondere Marken des 20. Jahrhundets“. (v.l. Yvonne Rinza, Annette Schiffner, Sabine Bernert und Dagmar Braun) FOTO: Stephan Meyer / LR
Cottbus. Neue Ausstellung im Cottbuser Apothekenmuseum: Besondere Marken des 20. Jahrhunderts Von Stephan Meyer

Die Frage nach einem Tempo-Taschentuch oder einer Aspirin hat wohl jeder schon einmal in seinem Leben gestellt. Doch was haben das berühmte Papiertaschentuch und die bekannte Kopfschmerztablette mit Krügerol, Ohropax oder Coca Cola gemeinsam? Die neue Sonderausstellung „Besondere Marken des 20. Jahrhunderts“ des Cottbuser Apothekenmuseums hat eine Antwort darauf. Bei den genannten Produkten handelt es sich nicht nur um Erfindungen, die in Labors von Apotheken entwickelt wurden, ihre Markennamen stehen auch als Synonym für eine ganze Produktgattung.

Auf die Idee zu der Ausstellung ist Museumsleiterin Annette Schiffner über einen Zeitungsartikel gekommen, in dem ein Professor über das Phänomen befragt wurde. „In der Regel handelt es sich bei jenen Produkten um Innovationen“, weiß Annette Schiffner. „Die Firmen, die hinter den Artikeln stecken, waren meist die Ersten damit auf dem Markt.“ Durch diese glückliche Fügung seien einige der ausgestellten Marken mit einem weltweit hohen Bekanntheitsgrad belohnt worden. Der Produktpreis spiele laut der Museumsleiterin dabei keine wesentliche Rolle. Die prominenten Artikel seien nicht zwangsläufig die teuersten. „Bei manchen ist das jedoch der Fall.“

Zwar sind viele der gezeigten Marken berühmt, doch nicht jede hat es überall geschafft, zu einem Produktsynonym zu werden. In Deutschland ist Tempo überall ein Begriff. Wer jedoch in den USA eine Papiertaschentuch braucht, sollte lieber nach einem Kleenex fragen, erläutert die Museumsleiterin. Um sich der Unterschiede gewahr zu werden, braucht man gar nicht so weit zu fahren. Cremen sich die Deutschen im Westen vorzugsweise mit Nivea ein, würden viele Ostdeutsche eher auf Florena setzen. Gattungsbegriffe bleiben aber nicht immer konstant. Nach der Wende musste sich die Spalt-Tablette beim Kampf um die Begriffshoheit geschlagen geben. Die Aspirin hatte sich durchgesetzt. Gleich eine ganze Vitrine widmet sich den beiden Kopfschmerzmitteln. „Heute jedoch fragen inzwischen viele eher nach einer Ibu“, sagt Annette Schiffner. Der Wirkstoff Ibuprofen entwickle sich nun zum Gattungsbegriff.

Zum Erfolg der Produkte gehöre auch der Name. „Klar, die müssen auch klingen“, so die Museumsleiterin. Manchmal ist es jedoch andersherum. Für den Namen „Tesa“ habe die Firma Beiersdorf mehrere Anläufe gebraucht, bevor mit Klebebändern das passende Produkt gefunden wurde.  

Werbung spiele aber ebenfalls eine Rolle. Max Baginski, der Kopf hinter der Spalt-Tablette, gab in den ersten Jahren nach Produkteinführung 60 Prozent seiner Einnahmen für Werbung aus. Die Erfinder von Ohropax machten hingegen mit großen Modellen von menschlichen Ohren, die sie Apotheken kostenlos zur Verfügung stellten, auf sich aufmerksam. Die Ausstellung zeigt viele solcher Werbeartikel von bekannten Marken. Produktbeispiele aus den letzten Jahrzehnten ergänzen das Bild.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE