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| 12:50 Uhr

Rock-Legenden
Ein Hauch Woodstock in Cottbus

Ein wahres Rockgewitter entfaltete sich in der Cottbuser Stadthalle.
Ein wahres Rockgewitter entfaltete sich in der Cottbuser Stadthalle. FOTO: Tino Schulz
Cottbus. Hey Tonight! In der Stadthalle Cottbus feiern mehr als 1300 Fans die legendären Hits von CCR. Von Ida Kretzschmar

Es fliegen keine BHs auf die Bühne. Keine Gitarre wird zerdroschen. Lediglich eine Gitarrensaite reißt im Rockgewitter.

Und auch wenn die blutjunge Berliner Notreally Bluesband mit ihrem frischen Vorband-„Rock’n’Roll noch so kraftvoll erinnert: „Born to Be Wild“ – die mehr als 1300 Fans, vor allem Männer, (manchmal) in Begleitung ihrer Frauen, haben die wilden Jahre meist hinter sich. Das lange Haar ergraut, zum Zopf zusammengebunden oder gar ausgefallen, die Jeans ein paar Nummern größer... Und doch weht am Freitagabend ein Hauch Woodstock nach Cottbus.

Spätestens als „Who‘ll Stop the Rain?“ erklingt, ist es wieder da, das rebellische Lebensgefühl von einst. Nein, es geht längst nicht nur um den Regen da draußen, der sich in Cottbus in handfesten Schnee verwandelt hat. Wie es auch in den Sechzigern um mehr ging. Damals als Song gegen den Vietnamkrieg entstanden, sind Stopp-Zeichen dringlicher denn je. Auch wenn die Botschaft der Blumenkinder: „Make love, not war“ illusorisch klingt angesichts heutiger Brandherde. Dem guten alten Rock’n’Roll kann das nichts anhaben. Musiker und Fans haben allen Grund zu feiern, was hier gespielt wird.

Die Woodstock-Legende CCR galt in den 1960/70er-Jahren als eine der erfolgreichsten Bands der Welt. Vor mehr als einem Vierteljahrhundert zerfiel sie. Ihre Hits aber sind quicklebendig. Auch weil die Rock-Dinos von Creedence Clearwater Revived (USA/UK) sich dem Mythos seit mehr als 20 Jahren verpflichtet fühlen. Hunderttausende lockten sie weltweit in ihre Konzerte. Und auch hier in Cottbus steht es wieder auf, das Fantasie-Louisiana der legendären Band, die nicht, wie ihre Songs vorgaukeln, aus den Südstaaten stammte, sondern aus Kalifornien.

Suzie Q. wird jubelnd begrüßt, und mit Proud Mary glaubt man sich am Mississippi. Bei „Have You Ever Seen the Rain“ gibt es kein Halten mehr. Niemand entgeht diesem schweißtreibenden Rhythmus, diesen eingängigen Songs, dem Country-Sound. Man muss einfach mitsingen, mittanzen, Party feiern.

Denn Frontmann Peter Barton, der mit seiner Stimme und unglaublicher Energie dem Original John Fogerty recht nahe kommt, weiß genau, wie man die Stimmung immer wieder anheizt. Mehr als 20 Jahre spielte er bei „The Animals“. An seiner Seite besticht Urgestein Johnnie „Guitar“ Williamson. Der amerikanische Lead-Gitarrist war auch bei den Animals, spielte einige Jahre bei der Kult-Rockband „Titanic“ und auch einige Live-Shows mit CCR in Europa, Asien und Australien.

Bassgitarrist Chris Allen, der hier auch eine gänsehauttaugliche Bassstimme präsentiert, war zwei Jahrzehnte mit den „Troggs“ und der „Denny Laine“ Band unterwegs. Walter Day (Drums and Vocals) hat mit Don Henley von den Eagles gearbeitet, mit Alan Silson von Smokie und mit The Move.

Rockbarden also, die genau wissen, was sie tun, auch in ihren Soli zeigen: Rock’n’Roll – was kann es Besseres geben als diese drängende, rebellische, handgemachte Musik? Schon befinden wir uns „Down On the Corner“, rufen „Hey, tonight!“ Was für eine Illusion: Am Ende klingt es fast so schön wie früher. Als hätten wir damals schon dabei gewesen sein können.
Übrigens: Wer mit dem Original vergleichen will: John Fogerty hat sein Kommen nach Europa angekündigt: Zwei Konzerte am 25. Oktober in London und am 26. Oktober in Dublin sollen bestätigt sein. In die Cottbuser Stadthalle wird am 4. Mai die legendäre ungarische Kultband Omega ihr 55-jähriges Bestehen feiern – eine Rockband, fast so alt wie die Rolling Stones und wie diese noch mit zwei Gründungsmitgliedern unterwegs.

⇥www.lr-online.de/bilder