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Kolumne Buch der Woche
Magie von Licht und Schatten

Ida Kretzschmar
Ida Kretzschmar FOTO: Sebastian Schubert / LR
Von Ida Kretzschmar

Es ist ein Buch über Liebe und Lebenslügen, über Freundschaft und die Suche nach dem besonderen Licht. „Erinnerungen sind wie das Licht. Sie hören nie auf.“ So heißt es in Mirko Bonnés bezauberndem Roman „Lichter als der Tag“. Es ist nie zu spät, auf die Suche nach Verlorenem zu gehen, macht er Mut, seinem Leben eine neue Wendung zu geben, auch wenn das durchaus ziemlich schmerzhaft sein kann. Es ist ein klassischer Dreieckskonflikt, nun sogar Viereckskonflikt. Raimund liebt Inger, die Tochter eines dänischen Malers. Er bekommt sie aber nicht, sondern sein bester Freund Moritz. Raimund heiratet stattdessen seine Jugendfreundin Floriane, die auch schon mit Moritz im Heu lag. Jahre später treffen sich die vier wieder,  und die alten Sehnsüchte und Konflikte brechen wieder auf. Nie beglichene uralte Rechnungen drängen ans Licht, und Raimund, der eigentlich vergessen hatte, wie sich das Leben anfühlt, ist wieder der Frau mit den lachenden Augen verfallen. Bonné hat Goethes Wahlverwandtschaften in die Neuzeit geholt. Er erzählt von der Flüchtigkeit der Zuneigung, von Scheitern und Schmerz und immer wieder von der einzigartigen Magie des Lichts, das Raimund in einem Gemälde findet wie einst im Garten seiner Kindheit. Letztlich hilft es dem Mann, sich aus seinem umschatteten Leben zu befreien. Zudem sind es Sätze wie dieser, die das Lesen dieses preisverdächtigen Buches auch zu einem Denkvergnügen machen: „Einen Freund kannst du nur haben, wenn du selber einer bist.“

Mirko Bonné: Lichter als der Tag. Schöffling & Co. 333 Seiten, 22 Euro
Mirko Bonné: Lichter als der Tag. Schöffling & Co. 333 Seiten, 22 Euro FOTO: Schöffling