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| 16:01 Uhr

Cottbus
Becker ungeschminkt und geradlinig

 Zum Plaudern gut aufgelegt: Schauspieler Michael Becker (2.v.r.) und Autor Matthias Stark. Musikalisch begleiten den Abend Mario Heß (vocal) und Philipp Standera (Piano).
Zum Plaudern gut aufgelegt: Schauspieler Michael Becker (2.v.r.) und Autor Matthias Stark. Musikalisch begleiten den Abend Mario Heß (vocal) und Philipp Standera (Piano). FOTO: Ingrid Hoberg
Cottbus. Plauderei im 27. Cottbuser Bücherfrühling über ein pralles Schauspielerleben. Von Ingrid Hoberg

Zu einem kurzweiligen und unterhaltsamen Interview sind Freunde des Bücherfrühlings am Montagabend in die Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus eingeladen. Ausgangspunkt sind die autobiografischen Auskünfte, die Michael Becker, 33 Jahre Schauspieler am Staatstheater Cottbus, dem Autor und Herausgeber Matthias Stark im vergangenen Jahr gegeben hatte. „Die Idee ist bei seiner Feier zum 65. Geburtstag entstanden“, erzählt der Interviewer. Herausgekommen ist eine offene, kritische und humorvolle Sicht auf das Leben, auf die Klaus Wilke im Vorwort mit seiner Betrachtung „Fünf Seiten Michael Becker“ einstimmt.

In der Bibliothek stimmen Mario Heß (Gesang) und Philipp Standera (Piano) mit dem Lied „Ich bin zu müde, um schlafen zu gehen“ von Hildegard Knef auf das Folgende ein. Sie werden im Verlauf des Abends mit Gerhard Gundermann, Udo Lindenberg und Manfred Krug weitere musikalische Anker werfen.

Wie im Buch fängt Matthias Stark ganz vorn an – mit Kindheit und Jugend und einem Zitat von Erich Kästner: „Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut…“ Das trifft nun auf Michael Becker ganz und gar nicht zu. Er hat darüber selbst geschrieben – in seinen Büchern „Der einarmige Geiger oder Hochzeitmachen ist wunderbar“ und „Der Hühnermord zu Trebatsch oder das Ludwig-Leichhardt-Melker-Abitur“.

So humorvoll wie die Buchtitel sind auch die Geschichten, die er von einer unbeschwerten Kindheit erzählt, in der es ihm an nichts mangelte – auch wenn es aus heutiger Sicht bescheiden zuging bei Beckers, in Lieberose und Umgebung. Unter den Zuhörern ist mit Rosalinde Weigelt eine Zeitzeugin aus seiner Geburtsstadt, in der er immer noch ein Domizil hat. „Es ist mir wichtig, heute hier dabei zu sein“, sagt sie, selbst Protagonistin in einer seiner Geschichten.

Michael Becker kennt keine Tabus, er geht nicht nur in „Becker ungeschminkt“ offen und humorvoll mit den Fragen von Matthias Starke um. Auf die Frage „Was hat dich geprägt?“ sprudelt es nur so heraus: „Hühner, Enten, Gänse, Karnickel. Vater hat geangelt, der Garten lieferte alles – wir waren praktisch Selbstversorger. Eben wie bei Strittmatter beschrieben!“ Doch es geht natürlich um mehr, um seinen Beruf, prägende Zeiten an den Theatern, an denen er spielte, um Männer und Frauen, die in seinem Leben einen Platz einnahmen. Auch darüber erzählt er in seinen fünf Büchern und im Gespräch mit Matthias Stark.

Zu seinem offen Umgang mit Homosexualität sagt Becker: „Ich bin ganz normal anders. Das ist Biologie, das ist keine Ermessensfrage!“

Ebenso offen und kompromisslos steht er zu seiner politischen Überzeugung, mit der er nur bei der Linken seine Heimat sieht. „Ich weiß, das gefällt nicht jedem“, sagt er und will nicht gefallen. Seine politische Meinung bringt er auch in einem Programm gegen Krieg und Faschismus, das er im vergangenen Jahr mit Mario Heß und Philipp Standera im Piccolo Theater aufführte, zum Ausdruck. Mit diesem und mit anderen Programmen will er auch in Zukunft unterwegs sein.

Er sammelt wieder Geschichten, die dann vielleicht noch ein Buch werden. „Und ein Kochbuch – nur mit Bildern!“, plaudert er noch aus, ehe der „Vorhang“ fällt.


„Becker ungeschminkt“ von Michael Becker und Matthias Stark ist 2018 im Schütze, Engler, Weber Verlag Dresden erschienen. Die Stolpener Malerin Gudrun Stark zeichnete das Titelbild.

 Zum Plaudern gut aufgelegt: Schauspieler Michael Becker (r.) und Autor Matthias Stark. Musikalisch begleiteten den Abend Mario Heß (vocal) und Philipp Standera (Piano).
Zum Plaudern gut aufgelegt: Schauspieler Michael Becker (r.) und Autor Matthias Stark. Musikalisch begleiteten den Abend Mario Heß (vocal) und Philipp Standera (Piano). FOTO: Ingrid Hoberg