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| 11:59 Uhr

Opernpremiere am Staatstheater
Im Spinnennetz der Hexen

Damen des Opern- und des Extrachores als Hexen.
Damen des Opern- und des Extrachores als Hexen. FOTO: Martin Müller
Cottbus. Verdis Oper „Macbeth“ hat am Samstag Premiere im Staatstheater. Dem Damenchor fällt dabei eine besondere Rolle zu. Von Renate Marschall

Sie haben gesiegt. Die norwegischen Eindringlinge sind vertrieben. Das Schlachtfeld ist übersät von Toten. Die Feldherren Macbeth und Banquo sonnen sich in ihrem Triumph, während sich die Frauen der gefallenen Männer in Trauer vereinen und auf Vergeltung sinnen. Enttäuscht von den Mächtigen, nehmen sie das Heft des Handelns selbst in die Hand – in der Gestalt von Hexen.

So jedenfalls ist die Lesart von Martin Schüler, der Giuseppe Verdis Oper „Macbeth“ nach William Shakespeare, überhaupt zum ersten Mal in Cottbus inszeniert. „Die Hexen sind die treibende Kraft im Stück“, sagt Sylvia Walter, eine der Sängerinnen aus dem Opernchor des Staatstheaters. Gemeinsam mit den Damen des Extrachores bilden sie den Hexenchor, der den Mächtigen vorführen wird, wer wirklich mächtig ist.

„Eigentlich bewegt die Frauen nur der tiefe Wunsch nach Frieden“, so Beate Dittmann-Apel, ebenfalls Mitglied des Opernchores, die sich darüber freut, dass Verdi dem Chor in dieser Oper eine Hauptrolle zugedacht hat.

Wie aber soll Frieden erreicht werden, wenn Skrupellosigkeit und Machtgier längst ihr Werk getan haben. „Die Hexen sprechen nur aus, was Macbeth und seine Lady sich wünschen: selbst den schottischen Thron einzunehmen.“ Dumm nur, dass da schon ein König sitzt und der in Malcolm auch einen Nachfolger hat. Keine Chance also?

Die Hexen beginnen, ihr feines Netz aus Ratschlägen, Täuschungen und doppeldeutigen Prophezeiungen zu spinnen. Stakkatoartig schleudern sie Macbeth und Banquo ihre Weissagung entgegen: Macbeth soll Than von Cawdor und König, Banquo aber Vater von Königen werden. Der Boden für zügellose Machtgier und das Misstrauen selbst dem Freund gegenüber ist bereitet.

Für die Damen des Chores ist es eine „tolle Aufgabe“, einmal so Schicksal spielen zu können. Anstrengend ist sie außerdem, denn sie sind fast immer präsent auf der Bühne. Schließlich müssen die Hexen ja sehen, dass sich alles in ihrem Sinne fügt, die Spinnenfäden auch zu Stolperfallen werden. Dazu hat Giuseppe Verdi eine hoch dramatische, Figuren charakterisierende Musik geschrieben. „Macbeth“ ist unsere Lieblingsoper, bekunden beide Sängerinnen. Mehr als ein halbes Jahr sind die Chöre nun schon mit den Vorbereitungen beschäftigt, zunächst in einzelnen Stimmgruppen, die dann zusammengeführt wurden. „Natürlich guckt man schon mal vorher, um eine Ahnung zu bekommen, was einen erwartet und auch, um sich in die Rolle hineinzudenken. Man muss wissen, was man singt “, erzählt Sylvia Walter. „Diese Hexenchöre sind schon eine Herausforderung“, ergänzt Beate Dittmann-Apel. „Wir haben viel Text zu lernen, auf Italienisch, und auch musikalisch ist das anspruchsvoll. Einerseits soll die Individualität einzelner Hexen aus dem Chor herausklingen, andererseits muss es einen Zusammenklang geben.“

Seit die Proben auf der Bühne begonnen haben, ist noch etwas anderes hinzugekommen: Es geht sportlich zu. „Sich auch ein bisschen fit zu halten, ist nicht verkehrt. Der Chor ist viel in Bewegung.“ Dazu kommen die Masken, über die natürlich auch diskutiert wird. Wie werden die Hexen aussehen? „Natürlich müssen Mund und Nase frei sein, aber auch die Ohren und die Augen einen möglichst weiten Blickwinkel haben. Schließlich sind ja alle Sinne gefragt“, erklärt Sylvia Walter.

Mit der ersten Prophezeiung der Hexen kommt das Geschehen in Gang. Tatsächlich wird Macbeth vom König zum Than von Cawdor erhoben. Aus einem Brief ihres Mannes erfährt Lady Macbeth von der Weissagung und macht sich daran, das Ganze ein bisschen zu beschleunigen. Der König wird eine Nacht im Schloss verbringen und sie nicht überleben. Natürlich müssen auch dessen Sohn Malcolm sowie Banquo und dessen Sohn weg, alle, die die eigene Macht gefährden könnten. Doch die Söhne entkommen, Malcolm wird am Ende zum Rächer.

So weit ist es aber noch nicht. Der etwas verunsicherte Macbeth befragt erneut die Hexen. Die warnen ihn vor Macduff, einem Adligen, dessen Kinder Macbeth ebenfalls meucheln ließ. Gleichzeitig aber erklären sie, niemand könne ihn überwinden, den ein Weib geboren hat, und dass seine Herrschaft erst dann wanke, wenn der Wald von Birnam gegen ihn vorrücke. Keine Gefahr also? Mit diesem Orakel wähnt sich Macbeth in Sicherheit, während Malcolm ein Heer gesammelt hat. Seinen Soldaten befiehlt er, zur Tarnung einen Ast aus dem Wald von Birnam vor sich her zu tragen.

Der Wald bewegt sich, und auf dem Schlachtfeld erfährt der König zudem, dass Macduff nicht auf natürliche Weise, sondern durch Kaiserschnitt auf die Welt gekommen ist. Macbeth fällt im Zweikampf, Malcolm wird neuer König.

Da kann man mal sehen, wie Manipulation durch Fakenews die Welt aus den Fugen heben kann,  und welche Folgen das selbst auch für Unbeteiligte hat.

Karten für die Premiere und die nächsten Vorstellungen am 1. Mai und 26. Juni um 19.30 Uhr sind erhältlich im Besucherservice, Ticket-Telefon 0355/ 78242424; in der RUNDSCHAU; an der Abendkasse sowie online über www.staatstheater-cottbus.de.