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| 13:31 Uhr

Cottbus
Herrliche Anarchie

 Alles nicht so ernst genommen: Heidi Zengerle, Daniel Rattei, Josephine Egri, Maria Schneider und Matthias Heine (v.l.) in „Love Love Love“.
Alles nicht so ernst genommen: Heidi Zengerle, Daniel Rattei, Josephine Egri, Maria Schneider und Matthias Heine (v.l.) in „Love Love Love“. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Shakespeare hätte vielleicht auch seinen Spaß am Sommertheater am Piccolo. Von Daniel Schauff

Das mit dem Respekt vor den wirklich Großen üben wir noch einmal. Da bringt das Piccolo-Theater keine Geringeren als die Beatles und William Shakespeare auf die Bühne und denkt gar nicht daran, Shakespeares Verse oder den Katalog der größten Band aller Zeiten angemessen vorzutragen. Dazu ein entschiedenes ... Dankeschön.

Denn wer will sich schon mit Versmaß und Harmonien beschäftigen, wenn die Sonne scheint, die Stimmung dem Sommerabend gleicht und der Zuschauer zwei Stunden zumindest lächelnd, wenn nicht gerade lachend zubringt.

Es ist fast ein wenig zu hoch gegriffen, mit Begriffen wie Methadrama angesichts der herrlichen Anarchie auf der Piccolo-Bühne umher zu werfen. Sei es drum. Othello, Hamlet und Romeo und Julia werden jeweils angespielt, um dann unterbrochen zu werden, weil sich die Spieler nicht einig sind, weil es Streit um Positionen und Rollen gibt, weil die Puppenspieler die Puppen mit den Spielern verwechseln ...

FOTO: Michael Helbig

„Love Love Love“ verbindet nicht nur Shakespeare mit Liedern der Beatles, sondern auch mit absichtlich überzogenen Blicken hinter die Theaterkulissen. Dass es so viel Spaß macht, liegt einerseits an den Ideen, die das Ensemble gemeinsam entwickelt hat, wie Regisseur Reinhard Drogla sagt. Andererseits liegt es aber auch an der Lust derer, die da über die Bühne jagen, das Theater – oder vielmehr die Bühne am Theater – so richtig auf den Kopf zu stellen. Nein, der Verfechter des klassischen Shakespeare wird in „Love Love Love“ nicht auf seine Kosten kommen. Oder gerade weil der große Dramatiker beim Piccolo-Sommertheater die Vorlage für eine Menge Spaß liefert. Theaterwissenschaftlich ist das alles natürlich äußerst fragwürdig, Aber wer will sich schon mit Theorien zum elisabethanischen Theater beschäftigen, wenn er an einem Sommerabend ein kühles Bier in der Hand hält und gemeinsam mit Dutzenden anderen um die Wette lächeln kann.

Da erzählt der Altmeister (Werner Bauer) von seiner Zeit auf den Bühnen dieser Welt – vor allem der Bühne in Schweinfurt, da läuft der Elternzeit-Papa (Daniel Rattei) zwei Stunden lang mit Bauchtragetuch über die Bühne, um hin und wieder das Riesenbaby in John Lennon-Gestalt zu füttern, da setzt die Puppenspielerin (Josephine Egri) zum Spielen an, bis sie bemerkt, dass sie ihre Hand gerade gar nicht in eine Puppe gesteckt hat, da spielt der überkandidelte Selbstdarsteller (Hauke Grewe) als Hamlet auf und verhaut den Text ordentlich, da verliert die äußerst männlich wirkende Julia (Matthias Heine) gleich mehrfach ihre Perücke, nur um daraufhin wieder die ganze Dramatik der Sterbensszene auszuleben.

Immer wieder wird das Bühnengeschehen unterbrochen von musikalischen Einlagen, live eingespielt (musikalische Leitung: Detlef Bielke). Dass die Beatles-Klassiker auch nach Jahrzehnten noch mitreißen, spielt der Inszenierung freilich in die Karten. Dass bei der ersten Aufführung der Wiederaufnahme am Samstag nur vereinzelt mitgesungen wird, überrascht da fast, zumal dazu ausdrücklich eingeladen wurde.

Aber auch ohne Gesangsunterstützung aus dem Publikum: der Abend lohnt sich, wenn es ein bisschen gute Laune sein darf. „Love Love Love“ ist nicht so durchinszeniert wie das Sommertheater im vergangenen Jahr (Reineke Fuchs), aber es macht Spaß. Vielleicht gerade deshalb. Wenn man den Theaterwissenschaftler einfach für zwei Stunden zu Hause lässt. Weitere Aufführungen: 27., 28., 29. Juni, täglich 4. bis 6. Juli, täglich 7. bis 10. August, jeweils 19.30 Uhr. Karten: 12, ermäßigt 9 Euro, Infos: www.piccolo-cottbus.de