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Living Room Gallery
Kunstmuseum für einen Tag

Alles in Waage? Leo Koppe, einer der Organisatoren der Living Room Gallery (re.) und der Fotograf Vollvincent überprüfen, ob sein Foto vom Wacken-Festival gerade hängt.
Alles in Waage? Leo Koppe, einer der Organisatoren der Living Room Gallery (re.) und der Fotograf Vollvincent überprüfen, ob sein Foto vom Wacken-Festival gerade hängt. FOTO: Stephan Meyer / LR
Cottbus. Am Sonnabend verwandelt sich zum vierten Mal eine Cottbuser Wohngemeinschaft für zwölf Stunden in eine öffentliche Galerie. Von Stephan Meyer

Es gehört schon Mut dazu, sein WG-Zimmer für fremde Menschen einen Tag öffentlich zugänglich zu machen. Doch Lina Peitsch (22) hatte ihre Bedenken schnell über Bord geworfen. Am Sonnabend sind sie und ihre WG-Mitbewohner die Gastgeber der vierten Cottbuser Living Room Gallery. Die Wohn- und Schlafzimmer der Lieberoserstraße 25 verwandeln sich dann ab zehn Uhr für zwölf Stunden in eine öffentliche Kunstgalerie. In einer Bar wurde die Architekturstudentin von einem der Organisatoren angesprochen, ob die so genannte „Dachschaden-WG“ nicht Lust hätte dieses Mal den Austragungsort zu stellen. Nachdem sie den Vorschlag in die WG getragen hatte, stimmten fast alle Bewohner zu. Nur wenige stellen ihre Räume nicht zur Verfügung.

Hunderte Interessierte werden am Sonnabend voraussichtlich kommen, um sich die zahlreichen Bilder, Grafiken und Fotos anzuschauen, wie Mitorganisator Leo Koppe (21), nach den Erfahrung aus den letzten Jahren, schätzt. „Wir wussten schon, worauf wir uns einlassen“, erzählt Lina, die 2017 zu Gast bei der dritten Galerie in der Wilhelm-Külz-Straße war. Die „Dachschaden-WG“ sei nicht gerade partyscheu und bereits Schlimmeres gewohnt, gesteht Lina und ihre Mitbewohner Aaron Buhrmann (22) und Julia Herrmann (29) stimmen lächelnd zu.

Laut Leo beteiligen sich meist eh nur jene WGs, die sowieso dem Feiern von Partys nicht abgeneigt sind. Dennoch sei es nicht immer leicht, eine passende Wohngemeinschaft zu finden. Der Student ist seit vergangenem Jahr bei der Galerie-Aktion aktiv. Wie die Idee hinter dem Event entstanden ist, weiß er aber nicht genau. Es sei eine spontane Eingebung einer WG am Altmarkt gewesen, die sich aufgelöst habe, teilt er mit. Die Zuspruch zur Veranstaltung sei dann in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. „Die meisten Künstler finden das durchweg gut und würden gerne noch mal ausstellen“, so Leo. Viele würden den aktiven Austausch mit den Gästen und anderen Künstlern schätzen. Wer wirklich wegen der Kunst kommen möchte, sollte jedoch noch vor dem Abend die Galerie aufsuchen, rät Leo. Zu späterer Stunde sei der Zulauf besonders groß.

Inklusive den Fluren und dem großen Treppenhaus werden am Sonnabend in sieben Räumen Werke unterschiedliche Genres zu sehen sein. Angefangen bei Konzertfotografie, über Grafiken, bis zu Gemälden ist alles dabei. Mittlerweile ist die Zahl von ursprünglich angekündigten 24 Künstlern auf stattliche 30 angewachsen. Diese kommen aus ganz Deutschland, die Mehrzahl jedoch aus Cottbus und Berlin. „Einen roten Faden gibt es nicht“, erklärt Leo. Wo welche Werke wie stehen, wird erst im Laufe des zweitägigen Aufbaus vor der Eröffnung entschieden. Im Vordergrund der Veranstaltung steht ein karitativer Zweck. Zwar gibt es keinen Eintrittspreis aber den Gäste steht es frei, eine Spende für Viva con Aqua zu geben, einem Verein der internationale Trinkwasserprojekte unterstützt. Auch einige Künstler, die Werke zum Verkauf anbieten, spenden ihre Einnahmen.

Das Beste aus der Living Room Gallery gibt es dann von Februar bis Anfang März in der Galerie Fango zu sehen. Wer es am Sonnabend also nicht schafft, die WG zu besuchen, kann dort eine Auswahl der gezeigten Werke sehen. Die Vernissage dazu beginnt am 3. Februar um 20 Uhr.

Letztes Jahr fand die Living Room Gallery gleichzeitig in mehreren WGs der Wilhelm-Külz-Straße statt. Mehrere hundert Besucher schauten sich dort Werke verschiedener  Künstler an.
Letztes Jahr fand die Living Room Gallery gleichzeitig in mehreren WGs der Wilhelm-Külz-Straße statt. Mehrere hundert Besucher schauten sich dort Werke verschiedener Künstler an. FOTO: Carolyn Mielke / Carographic