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Cottbus
Klarinetten improvisieren im Cottbuser Glad-House

Zum zehnjährigen Bestehen der Jazzwerkstatt in Berlin und Brandenburg gab es am Montagabend im Glad-House ein Konzert mit Clarinet Summit - eine Reminiszenz an das originäre Projekt von 1997. Diesmal dabei: Theo Jörgensmann, Gianluigi Trovesi, Bernd Konrad und Anette Maye an den Klarinetten sowie Sebastian Gramss (Bass), Günter Baby Sommer (Schlagzeug) und Albrecht Maurer (Violine).
Zum zehnjährigen Bestehen der Jazzwerkstatt in Berlin und Brandenburg gab es am Montagabend im Glad-House ein Konzert mit Clarinet Summit - eine Reminiszenz an das originäre Projekt von 1997. Diesmal dabei: Theo Jörgensmann, Gianluigi Trovesi, Bernd Konrad und Anette Maye an den Klarinetten sowie Sebastian Gramss (Bass), Günter Baby Sommer (Schlagzeug) und Albrecht Maurer (Violine). FOTO: Ingrid Hoberg / LR
Cottbus. Von Ingrid Hoberg

Zum zehnjährigen Bestehen der Jazzwerkstatt in Berlin und Brandenburg  ist Clarinet Summit, das legendäre Projekt der improvisierten Musik, in einer  Neuauflage zu erleben.

 Auf der Achse der freien Töne  London - Berlin – Peitz liegt das Glad-House Cottbus. Ulli Blobel, Veranstalter der Jazzwerkstatt Peitz, ist am Montagabend geradewegs aus London zum Konzert gekommen. Dort gab es im Vortex Jazz Club am Wochenende ein Mini-Festival des Jazzwerkstatt-Labels. Mit dabei waren das Julie Sassoon Quartet Fortune, Uwe Kropinski Solo, das Trio Schultze, Ehwald, Rainey sowie Vesna Pisarovic With Suspicious Minds, Rüdiger Krause Solo und das Alan Skidmore Quartet.

In die Reihe der Fest-, Geburtstags- und Jubiläumskonzerte gehört auch der Abend der improvisierten Musik mit Clarinet Summit, gemeinsam  mit dem Glad-House veranstaltet.  Es sind  Idole der Jazz-Klarinette, die sich nach mehr als 30 Jahren wieder zusammengefunden haben, um das 1979 von Joachim-Ernst Berendt initiierte Projekt aufzunehmen.  Zu Theo Jörgensmann (69), Gianluigi Trovesi  (73) und Bernd Konrad (70) gesellen sich Günter Baby Sommer (74) und Improvisationskünstler der jüngeren Generation Sebastian Gramss (52), Albrecht Maurer (58) und Annette Maye (43).  Mit „Es lebe der Wein“ von Travesi steigt das Septett gleich mit Spielwitz ein. Gramss macht den „October“  zu seinem Lieblingsmonat mit fast schon novemberhaften Anmutungen.  Und zu Aktienkursen und Börsencrash lässt sich anschließend herrlich zwischen Klarinetten und Schlagzeug  dialogisieren. Fehlen darf bei solch einem Comeback nicht „You better fly away“ – so auch das titelgebende Stück der damals auf dem MPS Label veröffentlichten Platte.

Baby Sommer steuert an diesem Abend, wie seit zwei Jahren immer wieder, sein „Hymnus“ bei.  „Es ist all denen gewidmet, die sich in der Zivilgesellschaft gegen den Geist von Pegida engagieren“, erklärt er.  Das liegt ihm am Herzen, auch wenn bei Dresden gegenwärtig wieder eher an Christstollen statt an Demos gedacht werde. Gramss liefert ein beeindruckendes Bass-Intro – er zieht die volle Aufmerksamkeit des Publikums auf sein Saiten-Spiel. Umso dynamischer kann Sommer dann seinen Trommelwirbel  zelebrieren. Albrecht Maurer bringt seine Version von „Django unchained“ ein. Mit Annette Maye, seit 2013 künstlerische Leiterin des Mulitphonics Festivals, ist eine profilierte Improvisationsmusikerin der Kölner Szene mitten drin in der Herren-Riege. Sie versteht es, ihre musikalische Sprache direkt und dennoch sensibel einzubringen. Nachzuhören sind die im Spannungsfeld von Jazz und neuer Improvisationsmusik entstandenen Stücke auf der neuen CD „Clarinet Summit“ , die beim Label Jazzwerkstatt gerade erschienen ist.

 Nach der Festveranstaltung mit Konzert kürzlich in der Vertretung  des Landes Brandenburg beim Bund in den Berliner Ministergärten  wird die Konzertreihe der Jazzwerkstatt fortgesetzt mit dem Jubiläumskonzert am Freitag, 1. Dezember, um 20 Uhr im Maschinenhaus der Kulturbrauerei Berlin. Es spielen die Insomnia Brass Band mit Anke Lucks, Almut Schlichting, Hampus Melin sowie Rüdiger Krause Solo und OM mit Urs Leimgruber, Christy Doran, Bobby Burry und Freddy Studer.  Darüber hinaus gibt es weitere Projekte wie Konzerte in der Elbphilharmonie in Hamburg, im Kunstmuseum Bochum, im Jazzinstitut Darmstadt. Wiederbelebt wird 2018 das Ruhr-Jazz-Festival in Bochum, das 1986 von Ulli Blobel gegründet worden war. „Jazzwerkstatt-Programme finden nicht nur tief im Osten, in Peitz, im Norden in Hamburg und in Schwerin statt. Nun geht es weiter bis tief in den Westen, nach Bochum“, sagt er.

Im Glad-House Cottbus geht es am Montag, 8. Januar 2018, 20 Uhr, weiter mit kreativer Musik auf hohem Niveau, kündigt Jürgen Dulitz an. Christian Lillinger kommt mit seiner Band Grund, zu der unter anderem der Vibraphonist Christopher Dell und der Pianist Achim Kaufmann gehören. Weitere Informationen gibt es unter:  www.obenkino.de