| 18:06 Uhr

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Prächtig, abwechslungsreich, dramatisch

Eindrücke vom Karfreitagskonzert 2017.
Eindrücke vom Karfreitagskonzert 2017. FOTO: Marlies Kross
Cottbus. Kammerchor der Singakademie Cottbus und Bach Consort laden zum Karfreitagskonzert mit zweieinhalb Mal Bach. Von Renate Marschall

Zweieinhalb Mal Bach erklingen beim traditionellen Karfreitagskonzert um 18 Uhr in der Cottbuser Kreuzkirche. So jedenfalls kündigt der Chef der Singakademie Cottbus, Christian Möbius, das Programm mit Kammerchor, Bach Consort und den Solisten Liudmila Lokaichuk, Natalia Kupava, Dirk Kleinke und Ingo Witzke an. Im Mittelpunkt stehe diesmal Johann Ludwig Bach, der Meininger, nach seinem Wirkungsort. Er ist ein entfernter Verwandter Johann Sebastians und war von ihm als Komponist hoch geschätzt. Carl Philipp Bach nannte ihn gar „einen wackeren Komponisten, von dem man was lernen kann“.

„O Herr, ich bin dein Knecht“ schrieb Johann Ludwig als Trauermusik auf den Tod seines Dienstherren Herzog Ernst Ludwig I. Ein Opus magnum, sein bedeutendstes Werk also. Auch Christian Möbius ist begeistert von dem groß angelegten Werk, doppelchörig, mit zwei Orchester in denen vor allem die Bläser einen herausragenden Part haben. Für das Konzert konnte der Trompetenvirtuose William Forman gewonnen werden, der sich auch bestens auf die hier zum Einsatz kommende Barock-Trompete versteht. Selbst er habe ein bisschen geschnauft, als er die Partitur gesehen habe, erzählt der Chordirektor. Ein ambitioniertes Werk, nicht so einfach zu spielen und zu singen. „Es ist eine prächtige, abwechslungsreiche, zum Teil dramatische Musik“, so Möbius, von der auch die Mitglieder des Chores sofort eingenommen waren. Ein Kuriosum des Werkes: Der Herzog hatte den Text selbst verfasst. Er sei nicht allein von Trauer bestimmt, sondern es gehe auch um Zuversicht, um das ewige Leben, was sich dramaturgisch in der Musik ausdrücke, so Möbius.

Mit „O Jesu Christ, meins Lebens Licht“, ebenfalls eine Begräbnismusik, „weich und kontemplativ“, kommt dann auch Johann Sebastian Bach zum Zuge.

Und der besagte Halbe? „Der Gerechte kommt um“ ist eben nur teilweise ein originärer Johann Sebastian. Der Thomaskantor habe, etwas genervt vom Rat der Stadt, der sein Werk so wenig würdigte, auch gern auf schon Vorhandenes zurückgegriffen. In diesem Fall auf die Motette „ Tristis est anima mea“ seines Amtsvorgängers Johann Kuhnau. „Neue Forschungen gehen davon aus, dass es sich um eine Pasticcio handelt, die auf einer Passion Carl Heinrich Grauns beruht“, so Christian Möbius. „Bach hat der Komposition Instrumentenstimmen hinzugefügt und sie mit einem neuen Text versehen.“

Auch wenn das Karfreitagskonzert nicht verklungen ist, bereits seit Januar proben der Sinfonische Chor der Singakademie, Opern-, Kinder- und Jugendchor des Staatstheaters an Robert Schumanns „Szenen aus Goethes Faust“, deren vollständige Aufführung der Komponist selbst nie erlebte. Über zehn Jahre habe Schumann daran gearbeitet, zwischendurch immer wieder mit seinem Werk gehadert. Beendet habe er es erst kurz bevor er bei Düsseldorf in den Rhein gesprungen und danach in die Nervenheilanstalt Endenich gebracht wurde, wo er schließlich starb, erzählt Christian Möbius. Zum ersten Mal aufgeführt wurde das Werk bei einem Privatkonzert 1859 mit Johannes Brahms, einem Freund der Familie und angeblich auch Geliebten von Clara Schumann, am Klavier. Seine öffentliche Uraufführung erlebte es 1862 in Köln.

Für Christian Möbius ist es eins der perfektesten Oratorien. Er schwärmt von den erhebenden, genialen Textstellen wie „Waldung sie schwankt heran“ oder dem bekannten „Verweile doch! Du bist so schön!“, von der spätromantischen Musik ausdrucksvoll untermalt. Dabei habe sich der Komponist nur spärlich mit dem ersten Teil des „Faust“ befasst, zu etwa zwei Dritteln stammten die Texte aus dem zweiten, wesentlich philosophischeren Teil. „Die Harmonien erinnern an Mahler. Schumann hat damit teilweise schon die Schwelle ins nächste Jahrhundert überschritten. Es ist ein sensibles, tiefgründiges, weiches Stück“, macht der Chordirektor Lust auf das Konzert.

Neben dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters wirken zahlreiche Solisten mit. „Eigentlich bräuchte man 16 Solisten“, erklärt Christian Möbius. Jetzt seien es neun, weil einige Sängerinnen und Sänger mehrere Figuren interpretieren. „Ich glaube, wir haben am Theater dann alle ,Faust‘-Stücke gemacht, von Berlioz, Gounod, Mahler und Liszt.“

Zu erleben sein wird Schumanns „Faust“ am 9. Juni im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus.

Christian Möbius.
Christian Möbius. FOTO: Marlies Kross
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