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Cottbus
Grund ist kompromisslos und überzeugend

Christian Lillingers Grund hat am Montag mit einem Konzert vor vollen Rängen im Cottbuser Glad-House eine erfolgreiche Tournee beendet.
Christian Lillingers Grund hat am Montag mit einem Konzert vor vollen Rängen im Cottbuser Glad-House eine erfolgreiche Tournee beendet. FOTO: Ingrid Hoberg / LR
Cottbus. Das Septett von Christian Lillinger inspiriert Zuhörer im Glad-House mit einem unerwarteten Konzept. Von Ingrid Hoberg

Ein unerwarteter Besucherstrom ist am Montagabend im Glad-House zu sehen gewesen. Alle Plätze besetzt im Saal, es wurden sogar zusätzlich Stühle von Jürgen Dulitz und Heidi Fischer hereingetragen. Christian Lillingers Grund - und vielleicht auch die Aussicht, dass es das vorletzte Jazz-Konzert unter der Regie des scheidenden Chefs war – haben Zuhörer nicht nur aus Cottbus, sondern aus der Region von Forst bis Lübbenau und Lübben angezogen.  

„Das erste Konzert hier im Haus hat Christian mit Hyperactive Kid gespielt“, erinnert sich Dulitz. Fast 20 Jahre hat er das Haus geleitet und das Programm verantwortet. „Dass ich das durfte, dafür bin ich dankbar“, sagt er und verabschiedet sich nun zum April. Vielleicht wird er ja künftig weiter Konzerte betreuen, hoffen die Jazz-Freunde. Für den sonst nicht so gesprächigen Veranstalter ist es Anlass (weil er immer wieder darauf angesprochen wird), einen Rückblick zu geben. Jazz-Legenden der internationalen Szene spielten hier, Musiker, die seit den 1970er Jahren Meister des DDR-Jazz waren und immer noch präsent sind, und Musiker der jüngeren Generationen haben ihren Platz im Glad-House gefunden. 

Die Aufzählung vieler bekannter Namen kann Christian Lillinger nicht aufhalten. Gewohnt zielstrebig entert er mit seiner Band Grund die Bühne. „Nach so vielen wunderbaren Worten – Musik!“, sagt er und los geht’s. Es sind Kompositionen vom neuen Album COR, das gerade auf Vinyl, als CD und Download erschienen und ab 19. Januar im Handel ist.

Was die Zuhörer an diesem Abend erleben, überrascht doch manchen, der Christian Lillinger in anderen Formationen erlebt hat – beispielsweise mit den Kids oder dem New Old Luten Trio oder, oder. Seine Kreativität als Schlagzeuger und Komponist sprüht auch hier – aber weniger free-jazzig, denn durchkomponiert, fast akademisch. Doch ohne Überraschungen wäre es ja auch langweilig, und das passt nun ganz gewiss nicht zu ihm. Mit dabei sind Tobias Delius (Saxofon, Klarinette), Pierre Borel (Saxofon), Achim Kaufmann (Piano), Christopher Dell (Vibraphon), Jonas Westergaard (Bass), Robert Landfermann (Bass) – Musiker, mit denen er schon seit Jahren zusammenarbeitet, immer wieder auch in anderen Konstellationen und eben auch in Grund.

Und wenn sich Lillinger auch mit Zwölf-Ton-Technik auseinandersetzt, das Gedenken an ihm nahestehende Menschen verarbeitet, es gibt ebenso die kleinen Erlebnisse, die in seine Kompositionen einfließen – und sei es der kleine, freche Hund Franz, der ihn dann doch so bezaubert hat, dass daraus ein Stück geworden ist. Ganz auf den Hund gekommen, gibt es dann die Zugabe „Ferdinand“.

Und schon strebt die Band gen Berlin. Christian Lillinger hat weitere Projekte, auch wenn  er zufrieden auf die gerade zu Ende gegangene Tour zurückblickt. Von Wien über München und Amsterdam: „Es war phantastisch, alle Konzerte waren ausverkauft“, sagt er. Cottbus ist ein gelungener Abschluss.

Mit seinem neuen eigenen Label Plaist Music, auf dem er das Album COR herausgebracht hat, gibt es weitere Pläne. „Im April/Mai wird die zweite Produktion erscheinen“, sagt er.