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| 12:35 Uhr

Veranstaltungstipp
Und am Ende lüftet sich unerwartet sein Geheimnis

„Es ist der einzige längere Erzähltext des Fürsten, und er wird seit 1834 zum ersten Mal im Schweizer Nimbus-Verlag aufgelegt“, freut sich Herausgeberin und Pückler-Kennerin Erica Ruetz.
„Es ist der einzige längere Erzähltext des Fürsten, und er wird seit 1834 zum ersten Mal im Schweizer Nimbus-Verlag aufgelegt“, freut sich Herausgeberin und Pückler-Kennerin Erica Ruetz. FOTO: nimbus
Cottbus. Szenische Lesung: „Acht Frühlings- und Sommertage aus dem Leben Mischling’s“ in Branitz. Von Ida Kretzschmar

Am 16. Mai können Sie sich in Branitz auf eine Abenteuerreise durch das preußische Deutschland begeben. Tauchen wir ein in die Zeit zwischen Aufklärung und Romantik, Freiheitsdrang und Zensur. Der Held ist ein Herzog, verkleidet als Wandersmann mit dem seltsamen Namen Mischling. Er reist zu Fuß durch die Städte und Dörfer seiner Heimat. Während seiner Reise berührt er alle Schichten der Gesellschaft und entwirft ein höchst originelles Panorama der Epoche. Er erlebt Sagenhaftes und Schauerliches, verdingt sich als Puppenspieler und beginnt – wie könnte es anders sein – allerlei Liebeshändel mit rätselhaften Damen. Am Ende lüftet sich unerwartet sein Geheimnis.

Leicht zu ahnen, wer da dahinter steckt, wenn am 16. Mai um 18.30 Uhr zu einer szenischen Lesung ins Musikzimmer ins Schloss Branitz geladen wird. Hermann von Pückler-Muskau hat „Acht Frühlings- und Sommertage aus dem Leben Mischling’s“ geschrieben. „Seiner Biografin hat der Fürst einst berichtet: Es ist seine Lieblingsgeschichte, und sie ist wahr. Es ist der einzige längere Erzähltext des Fürsten, und er wird seit 1834 zum ersten Mal im Schweizer Nimbus-Verlag aufgelegt“, freut sich Herausgeberin und Pückler-Kennerin Erica Ruetz, die gemeinsam mit der Verlagsmitarbeiterin Julia Knapp den Fürsten wie seinen Protagonisten bei der szenischen Lesung präsentiert. „Es wird kein wissenschaftlicher, sondern ein sehr unterhaltsamer Abend“, verspricht Erica Ruetz.

Der Büchersammlerin aus Berlin, die sämtliche Pückler-Bände besitzt, ist es wichtig,  dass der Gartenkünstler auch als toller Schriftsteller wahrgenommen wird. „Wegen seiner bizarren Biografie nimmt die Allgemeinheit oft zu wenig wahr, wie wunderbar er schreiben konnte“, sagt sie. Und eben nicht nur Reiseberichte, die er erst nach dieser Novelle zum Gelderwerb zu schreiben begann.  „Pückler gehört zur Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts“, begeisterte sie auch den Verleger in der Schweiz, war sie doch beim Blättern in den fünf Bänden von Pücklers Sammlung „Tutti Frutti“ auf jenen Mischling’s-Text gestoßen: „Darin fabuliert er nach Herzenslust – der ganze Pückler in einer Nussschale. Ein wirkliches Lesevergnügen“, schwärmt die Sammlerin.

Fürst Pückler Muskau, außerhalb von Cottbus noch immer vorzugsweise als Namensgeber einer Eiskreation bekannt, war eben nicht nur ein genialer Parkschöpfer. Die Erzählung zeige, wie bewandert er auch auf dem Feld der Literatur war, wo der „erste Dandy Deutschlands“ wie er auch gern genannt wird,  ebenso schöne Blumen herangezogen hat und süße Früchte.  Seine Erzählsammlung „Tutti frutti“ war ausverkauft, noch bevor die erste  Auflage gedruckt war.

Erica Ruetz freut sich,  dass sie ihr Hobby nun zwischen zwei Buchdeckel bringen konnte. Pücklers Erzählung ist im Verlag „Nimbus. Kunst und Bücher “in einer kleinen literarischen Reihe mit dem Namen „unbegrenzt haltbar“ erschienen, die 2006 ins Leben gerufen wurde. Hier werden literarische Kostbarkeiten erstmals oder erneut aufgelegt. Jeder Band ist mit einem Fundstück versehen, einer zumeist unpublizierten Zugabe. Oftmals stammt sie aus dem Nachlass des Autors: eine Handschrift, ein Brief, ein unveröffentlichter Kommentar. Die Bücher sind liebevoll gestaltet, in Halbleinen gebunden und mit einem Lesebändchen versehen.

Die Novelle „Acht Frühlings- und Sommertage aus dem Leben Mischling’s“, gerade erst zur Leipziger Buchmesse nach 1834 neu aufgelegt, enthält als Zugabe die Beschreibung Pücklers über seine Ballonfahrt. Erica Ruetz verrät: „Immerhin war er der erste zahlende deutsche Passagier der deutschen Luftfahrt.“

Der Eintritt zur Veranstaltung der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz gemeinsam mit dem Verlag Nimbus. Kunst und Bücher kostet drei Euro.

Das  Buch Pückers
Das Buch Pückers FOTO: nimbus