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| 14:57 Uhr

Griffelkunst
Griffel-Kunst stellt sich in Branitz vor

Enrico Nowka (l.) und Prof. Thomas Eichhorn vor Bildern des japanischen Künstlers Yuasa Katsutoshi in der HNO-Klinik des CTK.
Enrico Nowka (l.) und Prof. Thomas Eichhorn vor Bildern des japanischen Künstlers Yuasa Katsutoshi in der HNO-Klinik des CTK. FOTO: Elsner / LR
Cottbus. Die neue Cottbuser Ortsgruppe ist mit ihrer ersten Ausstellung am Samstag im Besucherzentrum präsent. Kunstinteressierte sind willkommen. Von Ulrike Elsner

Was eigentlich ist Griffelkunst? Das Wort mutet nostalgisch an, weckt es doch Assoziationen an Schiefertafeln und Volksschulen um die Wende zum 20. Jahrhundert. Und vielleicht liegt darin auch der Schlüssel. Denn gegründet wurde die Griffelkunst-Vereinigung 1925 von einem Hamburger Volksschullehrer. Johannes Böse hat diese Vereinigung auf den Weg gebracht, um bei einfachen Leuten das Verständnis für und die Liebe zur bildenden Kunst zu wecken und zu entwickeln. Heute umfasst diese Bewegung etwa 4000 Mitglieder an 83 Orten im gesamten Bundesgebiet. „Cottbus ist gerade dabei, der 84. Ort zu werden“, berichtet Prof. Thomas Eichhorn, HNO-Spezialist und früherer Ärztlicher Direktor des Carl-Thiem-Klinikums.

In dem Architekten Enrico Oliver Nowka hat der passionierte Kunstsammler einen Mitstreiter gefunden. Ein Chefarzt des CTK komplettiert  das Gründer-Trio, das dieser Tage  in Cottbus für die Griffelkunst die Werbetrommel rührt. Normalerweise wirken die Ortsgruppen im Stillen, und die Wartezeiten für die Aufnahme neuer Mitglieder betragen bis  zu vier Jahren, räumt Thomas Eichhorn ein.

Doch das gilt derzeit für Cottbus nicht. Die Vereinigung, die seit fast hundert Jahren Editionen originaler Grafiken, Auflagen zeitgenössischer Kunst sowie historische und moderner Fotoeditionen verlegt, müsse in der Region erst einmal bekannt gemacht werden, um den nötigen Zulauf zu erreichen. Zudem fördere die Hamburger Zentrale mit dem Verzicht auf die Wartezeit Neugründungen in den neuen Bundesländern.

Wer Interesse an einer Mitgliedschaft hat, ist für den morgigen Samstag ins Besucherzentrum Branitz eingeladen. Von 14 bis 18 Uhr kann dort die erste Cottbuser Griffelkunst-Ausstellung angeschaut werden, informiert Enrico Oliver Nowka, der den Vorsitz der noch kleinen Ortsgruppe übernommen hat. Dort kann eine Ausstellung von 45 Kunstwerken angeschaut werden, aus denen die Mitglieder der Gruppe Objekte für ihre private Sammlung auswählen dürfen.

Und das funktioniert so: Zuerst wird ein Jahresbeitrag von 132 Euro bezahlt. Dafür erwerben sich die Mitglieder das Anrecht, aus jährlich zwei Ausstellungen jeweils zwei Bilder mitzunehmen. Zusammengestellt werden die Ausstellungen  von einer Fachjury, wodurch die künstlerische Qualität gesichert ist. Dabei hängen Werke junger aufstrebender Künstler neben großen Namen.

„Mit der Zeit entwickelt man ein Auge dafür, was gute Kunst ist“, sagt Thomas Eichhorn, der bereits mit 26 Jahren Mitglied einer Griffelkunst-Gruppe geworden ist. Mitarbeiter und Patienten der HNO-Klinik im CTK können das bestätigen. Denn dort haben sich viele der einstmals weißen Wände dank des mittlerweile pensionierten Chefs in eine Galerie moderner Kunst verwandelt.

Für Enrico Nowka hat die Griffelkunst viel mit Sammelleidenschaft zu tun. Was darauf schließen lässt, dass er ihr verfallen ist. Mit vielen positiven Wirkungen. „Denn“, so Nowka, „Kunst ist immer ein Zeichen für Veränderung. Künstler sind Vorreiter von Umbrüchen. Sie gehen gesellschaftlichen Fragen auf den Grund.“ Auch Prof. Eichhorn weiß die inspirierende Kraft der Beschäftigung mit der Kunst zu schätzen. „Dabei kommen mir viele gute Ideen. Ich brauche den visuellen Anreiz“, gesteht er.

Die neue Ortsgruppe der Griffelkunst-Vereinigung ist offen für (vor allem jüngere) interessierte Leute, die sich mit Kunst auseinandersetzen und mit Kunst umgeben wollen. Besondere Voraussetzungen benötigen sie nicht.