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Sandower Kulturverein
Kurze Wege zur Kultur

Generationswechsel an der Spitze des Vereins Bücherei Sandow: Gudrun Hibsch (l.) und Elke Dreko.
Generationswechsel an der Spitze des Vereins Bücherei Sandow: Gudrun Hibsch (l.) und Elke Dreko. FOTO: Elsner / LR
Cottbus. Generationswechsel in der Bücherei Sandow. Elke Dreko hält jetzt im Verein die Fäden in der Hand. Kulturamtsleiter dankt Gudrun Hibsch. Von Ulrike Elsner

Es klingt selbstbewusst, aber nicht unbescheiden, wenn Gudrun Hibsch sagt: „Die Bücherei Sandow bin ich. Sie ist mein zweites Zuhause.“ Und doch hat sie sich entschlossen, den Vorsitz des Kulturvereins aufzugegeben. Aus Altersgründen. Ganz zurückziehen will sich die 83-Jährige allerdings nicht. So wird sie auch weiterhin die Geburtstagskarten an die derzeit 33 Vereinsmitglieder schreiben und bei Vorleseaktionen für Kinder  mitmachen. Elke Dreko, seit ein paar Tagen Vereinsvorsitzende, hat einen weiteren Vorschlag: Das Archiv weiterzuführen, sei eine wichtige Aufgabe, die gut von zu Hause aus zu erledigen ist.

Gudrun Hibsch ist froh, mit der früheren Theaterpädagogin des Staatstheaters eine Nachfolgerin gefunden zu haben, die auf die Verbindungen zu Schulen und Kitas aus der Zeit ihres Berufslebens aufbauen kann und vor Ideen nur so sprüht.

Deren Bedingung war jedoch:  Lasst mich erst mal schnuppern, bevor ich  das übernehme. Ein Jahr lang hat die 64-Jährige den Verein kennengelernt und erste Fäden gesponnen.  Schon bald war klar, dass die Chemie stimmt. Obwohl jeder seine individuelle Art hat und der Verein bisher durch Gudrun Hibsch geprägt war. Grundsätzlich zu verändern sei nichts – weder an den Lesungen noch an der Kleinen Galerie und auch nichts daran, dass der Verein fürs Wohngebiet da ist.

„Was uns jetzt bevorsteht, sind die Mühen der Ebene“, sagt die neue Chefin. Und das bedeute vor allem, auf die Leute zuzugehen, den Anstoß zu geben, dass die Vereine im Stadtteil enger zusammenrücken. Ihre erste Tour über den SandowKahn bis zum Stadtteilmanager hat die Lehrerin, Sozialpädagogin und Kulturwissenschaftlerin bereits absolviert.

„Wir wenden uns vor allem an Kinder und Ältere“, erläutert Gudrun Hibsch die Gründungsidee. Wohnortnähe sei ein wichtiger Grundsatz. Kulturamtsleiter Bernd Warchold hat die scheidende Vereinschefin mit Blumen und einem Cottbuser Bilderbogen „in memoriam Carl Blechen“ verabschiedet. „Ohne Gudrun Hibsch gäbe es die Bücherei Sandow nicht“, schätzt er ein. „Weil sie nach dem Rückzug der öffentlichen Bibliothek aus Sandow mit großem Nachdruck auf eine Lösung des Problems gedrängt hat.“ Ziel sei gewesen, ein kulturelles Angebot in Sandow aufrechtzuerhalten. Auch als nach der Schließung des Schulgebäudes in der Elisabeth-Wolf-Straße ein neuer Standort gesucht wurde, habe Gudrun Hibsch mit Hartnäckigkeit dafür gesorgt, dass die neuen Räume in der Christoph-Kolumbus-Grundschule gefunden wurden.

Sie selbst handelt nach dem Grundsatz: „Kultur ist ein Lebensmittel“ und hat so Jahr für Jahr für ein anspruchsvolles Veranstaltungsangebot gesorgt. Dass wichtige regionale und auch deutschlandweit bekannte Autoren ihre aktuellen Werke in der Bücherei Sandow vorstellen, ist eine Folge des anerkannten Niveaus.  Und das setzt sich fort. Am 22. März wird zum Beispiel Dr. Irmtraud Gutschke mit ihrem Gesprächsbuch „Gisela Steineckert. Das Leben hat was“ in der Muskauer Straße 1 zu Gast sein.

Die Bücherei, die im Souterrain der dortigen Schule ihr Domizil hat, verfügt über einen Bestand von 7000 Büchern, darunter 1700 Kinderbücher. Zu 83 sehr aktiven Lesern kommen noch einmal genauso viele, die schon einige Zeit nichts mehr ausgeliehen haben. Die will Elke Dreko demnächst anschreiben nach dem Motto „Hallo, uns gibt’s noch“, ihnen die aktuellen Öffnungszeiten und das Veranstaltungsprogramm schicken. Diese Hartnäckigkeit hat sie sich in den 18 Jahren antrainiert, die sie als Theaterpädagogin tätig war.

Überhaupt hat die neue Chefin jede Menge Ideen, wie der Verein bei immer mehr Kindern die Freude am Lesen wecken kann. Dass beim ersten Lesenachmittag vor zwei Wochen nur zehn Leute zu Gast waren, entmutigt sie nicht. Vielmehr freut sie sich, dass die fünf Erwachsenen und fünf Kinder mit Freude bei der Sache waren, und plant, den nächsten Lesenachmittag auf den Tag der offenen Tür in der Christoph-Kolumbus-Grundschule zu legen. Dann wird das Publikum größer sein.

Auch mit Kindergärten bahnt sich eine engere Kooperation an. Und warum sollen künftig nicht auch interessierte ältere Schüler bei der Ausleihe helfen? Beim nächsten Mal werden sie den einen oder anderen Mitschüler mitbringen, ist sich Elke Dreko sicher.

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