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Piccolo Theater
Bitte mal euphorisch werden

Ab Samstag zeigt die Jugendtanzcompany des Piccolo-Theaters „Euforia“. Teils skurril, teils humorvoll hat Zaida Ballesteros Parejo Burroughs’ „The Black Rider“ zu etwas Neuem gemacht.
Ab Samstag zeigt die Jugendtanzcompany des Piccolo-Theaters „Euforia“. Teils skurril, teils humorvoll hat Zaida Ballesteros Parejo Burroughs’ „The Black Rider“ zu etwas Neuem gemacht. FOTO: Daniel Schauff / LR
Cottbus. Die Jugendtanzcompany des Piccolo Theaters zeigt ab Samstag eine neue Produktion. Von Daniel Schauff

„Euforia“ ist eine beeindruckende Produktion von Ideengeber Reinhard Drogla, von Choreografin Zaida Ballesteros Parejo und vor allem von den 15 Nachwuchstänzern der Jugendtanzcompany, dem tänzerischen Pendant zum Theaterjugendclub. Zwischen 14 und 19 Jahre sind die Ensemblemitglieder alt und haben sich mit der Vorlage zur neuen Produktion in einigermaßen große Fußstapfen gewagt. „The Black Rider“ von William S. Burroughs, Robert Wilson und Tom Waits erzählt die Geschichte vom Freischütz in aller Härte.

So viel Härte, dass es für eine Jugendcompany vielleicht doch zu viel gewesen wäre, sagt Zaida Ballesteros Parejo. Also ist seit dem Spätsommer 2017 etwas Neues entstanden. Beeindruckend: Auch wenn die Parallelen zum Original kaum noch sichtbar sind, in manchen Momenten blickt dann doch Burroughs’ und Wilsons Freischütz-Version von 1990 durch.

Das mag vor allem an der Original-Musik liegen, geschrieben und eingesungen von Tom Waits. Herrlich kratzig, ironisch und irgendwo zwischen Harmonie und Disharmonie zieht sich seine Stimme in Songs wie „The Black Rider“, „I’ll Shoot The Moon“ oder „November“ durch die eineinhalb Stunden Tanz, jäh unterbrochen von Janis Joplins’ „Cry Baby“ und „Eisbär“ von Grauzone. Das liest sich skurril, ist es, soll es auch sein.

In „Euforia“ nimmt die Jugendtanzcompany die menschliche Gefühlswelt auseinander, stößt dabei auf Äpfel, auf Bettwäsche, auf den Wetterbericht, auf einen Teufel, Aasfresser, auf Einsamkeit, Sehnsucht, Habgier und – das verrät der Titel – auf Euphorie.

Dass bei aller Skurrilität das Schöne nicht auf der Strecke bleibt, ist schon beeindruckend. Tänzerisch sind alle 15 Ensemblemitglieder einen Schritt jenseits des Nachwuchsalters. Mit dem Stoff, den sie da tanzen, haben sie sich auseinandergesetzt. So bleibt es nicht beim Herunterspulen einer Choreografie, sondern kommt es tatsächlich zum tänzerischen Ausdruck von Gefühlen. So entstehen mitunter faszinierende Bühnenbilder – ohne Kulisse, ohne Bühnenbild, allein mit den Tänzern.

Für die Tanzcompany um Zaida Ballesteros Parejo ist es die zweite große Produktion nach „The Wall“, einer tänzerischen Verarbeitung der Pink-Floyd-Rockinszenierung. Auch in der hatte das Tanzensemble die großen Fußstapfen auf seine eigene Weise gefüllt. Das gelingt auch bei „Euforia“, das einen mitreißenden skurril-komisch-beeindruckenden Tanztheater-Abend im Piccolo verspricht. Am Samstagabend feiert die Produktion ihre Premiere.