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| 18:30 Uhr

Ausstellung
Singende Plakate im Dieselkraftwerk

Helene Roolf, Kustodin Plakatkunst, führt heute durch die Ausstellung polnischer Plakatkünstler.
Helene Roolf, Kustodin Plakatkunst, führt heute durch die Ausstellung polnischer Plakatkünstler. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Polnische Künstler dokumentieren „Eigensinnige Vielfalt“ im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus. Von Renate Marschall

„Blicke auf Polen/Blicke aus Polen“ – unter diesem Titel sind gegenwärtig fünf Ausstellungen des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst (BLMK) an seinen beiden Standorten in Cottbus und Frankfurt (Oder) zu sehen.

Neben Malerei, Grafik und Fotografie widmet sich eine der Expositionen in Cottbus der polnischen Plakatkunst, die schon immer als besonders galt. Häufig ist gar von einer polnischen Schule die Rede.

Eine Auffassung, der Helene Roolf, die neue Kustodin für Plakatkunst am Kunstmuseum nicht so ganz folgen mag. Eine große Vielfalt individueller Stilrichtungen hat sie gefunden bei der Sichtung des Fundus und natürlich auch das, was an polnischen Plakaten so fasziniert, das oft Malerische.

„Statt von Geschlossenheit zu sprechen, macht eher die Betonung des individuellen Ausdrucks den Grundton polnischer Plakatkunst aus“, ist sie überzeugt.

Gerade mal ein Jahr in Cottbus, ist Helene Roolf noch dabei, sich den Sammlungsbestand zu erschließen. Das heißt, Schubladen auf und gucken, bei der Menge an Einzelobjekten keine leichte Aufgabe.

Seit 1979 hat das Museum eine eigenständige Sammlung Plakatkunst mit eigenem Kustos, was einzigartig in der deutschen Museumslandschaft ist. Für Helene Roolf ein Grund, sich auf die Stelle der in Ruhestand gegangenen Barbara Martin, die über Jahrzehnte viel für die Qualität der Plakatsammlung getan hat, zu bewerben.

Das Plakat ist auch die große Leidenschaft von Helene Roolf. In Frankreich geboren – ihr Vater arbeitete zeitweise dort – und in der Nähe von Düsseldorf aufgewachsen, war für sie bald klar, irgend etwas mit Kunst, mit Kultur zu machen.

Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik hat sie studiert – zunächst in Münster und Bordeaux, dann in Hamburg. „Hamburg fühle ich mich verbunden“, sagt sie. „Ich habe dort lange studiert, ein studentisches Kulturzentrum mit aufgebaut und mich im Kulturleben getummelt.“ Auch Erfahrungen im Theater hat sie gesammelt. „Deshalb fand ich die Konstellation einer gemeinsamen Stiftung von Theater und Museum in Cottbus interessant.“

Ihre Magisterarbeit hat sie über die Plakate von Horst Janssen, dem großartigen Zeichner und herausragenden Plakatkünstler geschrieben. Im Museum für Kunst und Gewerbe der Hansestadt hat sie gearbeitet und darüber hinaus die Wanderausstellung „Der Horst-Janssen-Archipel“ in Oldenburg und Altona kuratiert. Mit der Erfahrung ist auch ihr Anspruch an die Qualität von Plakaten, die ihren Platz in der Sammlung finden sollten, gewachsen.

180 Plakate von 36 Künstlern präsentieren sich nun in ihrer „Eigensinnigen Vielfalt“ noch bis 18. November. Um einzelnen Arbeiten auf die Schliche zu kommen – es ist ja eine Eigenart des Mediums, dass viel mit Sprache gearbeitet wird – hat Helene Roolf – des Polnischen nicht mächtig wie wohl auch die meisten Ausstellungsbesucher – auch eine polnische Freundin bemüht. So sind Titel übersetzt, manche der Arbeiten mit erklärendem Text versehen, Lebensläufe von Künstlern beigefügt. Theaterplakate erschließen sich oft selbst, wenn man seinen Brecht oder Shakespeare kennt. Und eine Tarantel mit dem Kopf von Marlene Dietrich nebst blauem Zylinder wohl auch.

„Das Plakat muss singen“, hatte Jan Lenica, einer der berühmtesten polnischen Plakatkünstler gefordert. Das tun sie in dieser Ausstellung in vielen verschiedenen Tonlagen und Rhythmen.

Darüber hinaus hat die Kustodin versucht, Zusammenklänge zu verdeutlichen. Etwa zwischen Lehrern und Schülern. Oder Motive finden sich zusammen, so die in mehreren Werken in unterschiedlicher Gestalt auftauchenden Elefanten. Gesichter sind häufig zu finden, die deformiert, zerschnitten, ganz ohne oder mit weit aufgerissenen Augen etwas über das Innenleben der Protagonisten aussagen. Mitunter wird es auch politisch wie bei dem in Deutschland geborenen Piotr Zapasnik, ein Künstler mit polnischen Wurzeln. Da sieht man, mit wenigen Strichen skizziert, ein Auto mit Karacho aus dem Plakat fahren - „Deutsche Erwartungen an Polen“. Oder „Wirr sind das Volk“. Die meisten aber sind Kulturplakate, die zu entschlüsseln Spaß macht – auch wenn es mit der Sprache hapert. Helene Roolf hat ja gut vorgearbeitet.


Ausstellung im BLMK in Cottbus bis 18. November, Dieselkraftwerk, Am Amtsteich 15, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.