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| 18:16 Uhr

Die Stimme im Ohr

Dolmetscherin Irina Bondas.
Dolmetscherin Irina Bondas. FOTO: Brautschek
Cottbus. Nur wenige nehmen sie wahr. Und doch sind sie unverzichtbar für das Filmfestival: Dolmetscher. Sie sitzen im Rücken des Publikums und übersetzen zeitgleich den Film für Besucher, die kein russisch, polnisch oder englisch verstehen. Brautschek

"Wenn man gar nicht auffällt, hat man alles richtig gemacht", sagt Irina Bondas. Sie ist eine von elf Dolmetschern beim Filmfestival. Mit Mikrofonen und Textlisten ausgerüstet, sitzen sie in den Sprecherkabinen und übersetzen die Dialoge passend zur Handlung.

Bis zu drei Filme übersetzt Irina Bondas an einem Festival-Tag und schlüpft dabei in dutzende Rollen. Die Herausforderung sei dabei, sich in die Charaktere des Films hineinzuversetzen und mit den Übersetzungen die Stimmung und die Sprache des Filmes zu übertragen, erzählt sie. "Die Schauspieler ahme ich jedoch nicht nach", betont sie.

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt dabei nicht. Daher bekommen die Dolmetscher kurz vor Festival-Beginn die Film-DVDs, zusammen mit dem englischen Manuskript oder Textlisten mit den Untertiteln. Damit bereitet sich auch Irina Bondas vor. "Schwierige Dialoge, wo viele durcheinander reden, sind dennoch eine große Herausforderung", sagt sie. Oder russische Filme. "Darin wird mitunter sehr viel geflucht." Da müsse man manchmal auch kreativ werden und passende Alternativen suchen.

Denn eine vorgeschriebene Übersetzung gibt es nicht. So ist jede Vorstellung ein bisschen anders. Doch genau das ist das Spannende am Dolmetschen. Kein Tag ist wie der andere. Man bekommt einen Einblick in viele Bereiche - Wirtschaftskonferenzen, politische Debatten oder eben Filme.

Für Irina Bondas ist es bereits das fünfte Filmfestival in Cottbus. Und vielleicht nicht das letzte. "Die Atmosphäre hier ist wirklich besonders. Alles ist sehr familiär und gut organisiert", sagt die Berlinerin. Doch viel Zeit zum Durchatmen bleibt zwischen den Vorstellungen nicht. Denn der nächste Film wartet schon. Oder vielmehr viele Filme. Denn die lange Nacht der kurzen Filme steht an.