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| 21:22 Uhr

Ausstellung
Reise in das Hinterland der Moderne

 Sebastian Hettchen, Ulrike Kremeier, Wojciech Kozlowski (Zielona Gora), Lars Scharnhorst und Carsten Jacob (Euroregion Spree-Neiße-Bobr/v.l.) präsentieren das Reiselesebuch zum gemeinsamen Projekt „Unbekannte Moderne 2019. Nieznany Modernizm“.
Sebastian Hettchen, Ulrike Kremeier, Wojciech Kozlowski (Zielona Gora), Lars Scharnhorst und Carsten Jacob (Euroregion Spree-Neiße-Bobr/v.l.) präsentieren das Reiselesebuch zum gemeinsamen Projekt „Unbekannte Moderne 2019. Nieznany Modernizm“. FOTO: Ingrid Hoberg
Das deutsch-polnische Reiselesebuch „Von Cottbus nach Frankfurt (Oder)“ ist im Dieselkraftwerk vorgestellt worden. Von Ingrid Hoberg

„Vor mehr als vier Jahren haben wir entschieden, dass wir uns an der Debatte zum Bauhaus beteiligen“, sagte Ulrike Kremeier, Direktorin des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst (BLMK), zum Auftakt des Ausstellungsprojektes „Unbekannte Moderne“ im Dieselkraftwerk Cottbus. Das Gebäude ist selbst ein Beispiel für die Spuren, die das Neue Bauen in den 1920er und 1930er-Jahren in der Region hinterlassen hat. Und so ist es auch in dem Reiselesebuch „Von Cottbus nach Frankfurt (Oder)“ zu finden.

Seit einem halben Jahr stehen Weimar, Dessau, Berlin als Hotspots der Bauhausarchitektur im Fokus. Das Museum will mit seiner Ausstellung, die im Oktober in Cottbus eröffnet und bis ins kommende Jahr zu sehen sein wird, die peripheren Räume als Hinterland der Moderne ins kollektive Gedächtnis bringen. Ulrike Kremeier erinnert daran, dass Max und Bruno Taut, Konrad Wachsmann, Fritz Höger, Hans Scharoun, Lilly Reich und Wilhelm Wagenfeld in der Lausitz wirkten. „Sie haben ihre ersten Gehversuche in der Provinz gemacht, sie als Experimentierraum genutzt“, sagt sie und verweist auf Zusammenhänge zwischen ästhetischen und gesellschaftspolitischen Utopien. Es gelte zu verstehen, wie Heutiges an die Geschichte der Avantgarde anschließe. Das deutsch-polnische Buchprojekt nun ist in Kooperation mit dem Institut für Neue Industriekultur (Inik) sowie Partnern in Zielona Góra und Gorzów herausgegeben worden. Lars Scharnhorst, Inik-Geschäftsführer, verweist auf Ludwig Mies van der Rohes einzigartiges Landhaus Wolf in Gubin, das die unmittelbare Verbindung zum Bauhaus deutlich zeige. „Er hat dieses Haus als damals noch unbekannter, junger Architekt von 1925 bis 1927 in Guben gebaut. Er hat die Provinz für seine Innovation genutzt und etwas entwickelt, was er dann an anderen Orten umsetzte“, erklärt er. Auf einer Karte zeigte Scharnhorst, wie viele Standorte mit Bauwerken von bedeutenden Architekten der Moderne es in der Niederlausitz gibt. „Das ist hier eine coole Region, wenn uns die Geschichte bewusst ist“, plädiert er für einen selbstbewussten Auftritt in Bezug auf eine europäische Kulturlandschaft, die nicht an der deutsch-polnischen Grenze endet.So sind für das Buch zehn Fotokünstler aus Deutschland und Polen beauftragt worden, an fast 30 Stationen ihre Eindrücke von den Bauwerken bildlich einzufangen. „Machen Sie sich auf den Weg – zu Fuß, mit dem Rad oder auch mit dem Auto, diese Orte kennenzulernen“, fordert Ulrike Kremeier kulturhistorisch Interessierte auf, den Tipps des Reiselesebuchs zu folgen – in Cottbus, Welzow, Senftenberg, Forst (Lausitz), Spremberg und auch in Zielona Góra, Lubsko, Zary, Trzebiechów.

Zu dem gesamten Projekt „Unbekannte Moderne 2019. Nieznany Modernizm“  wird ein Rahmenprogramm vorbereitet, unter anderem mit Studienreisen für polnische Studenten, Vorträgen und Expertengesprächen zu den Einflüssen des Bauhauses in Brandenburg, Lesungen und dem Puppenspiel „Über den Klee oder Der Knochen in meinem Kopf“ mit 50 originalen Handpuppen von Paul Klee. Der Förderverein des Dieselkraftwerkes Cottbus unterstützt diese Puppenspiel-Aufführung. Die Ausleih-Bar der Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus bietet Wissen zum Bauhaus und zur Kunst der 1920er- und 1930er-Jahre im Lernzentrum in der Berliner Straße an. Darüber hinaus gibt es Angebote zur Kunstvermittlung im Museumsatelier Cottbus wie in Frankfurt (Oder) für alle von sechs bis 116 Jahre.