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| 19:40 Uhr

Nach 22 Jahren wieder in Cottbus
Die Melodie gegen böse Träume

Königin von Schlummerland (Gesine Forberger) sorgt sich um die Träume von Schlafittchen (Mirjam Miesterfeld). Der König (Ulrich Schneider) reist deshalb sogar bis ans Ende der Welt.
Königin von Schlummerland (Gesine Forberger) sorgt sich um die Träume von Schlafittchen (Mirjam Miesterfeld). Der König (Ulrich Schneider) reist deshalb sogar bis ans Ende der Welt. FOTO: Marlies Kross / Marlies Kross / Theaterfotografi
Cottbus. „Das Traumfresserchen“ zieht junges Premierenpublikum am Staatstheater in seinen Bann. Von Ida Kretzschmar

Die Zukunft des Staatstheaters Cottbus ist gesichert. Eine schöne Vorstellung, die das „Traumfresserchen“ am Freitag auslöst. Denn so viel jubelnde Kinder hat das Große Haus zu einer Premiere selten gesehen. Geschätztes Durchschnittsalter höchstens elf.

Bevor mit gemeinschaftlichem „Pscht“ das Licht ausgeht, gibt es erst einmal ein großes Kicherkonzert. Denn Prinzessin Schlafittchen tobt schon vorab ein bisschen auf der Bühne herum und schickt Luftballons in den Zuschauersaal.

Und auch, als dann das Singspiel von Wilfried Hiller nach Michael Endes Geschichte so richtig in Fahrt kommt, kann die Sopranistin Mirjam Miesterfeldt, die neu ins Ensemble gekommen ist, in der Rolle der neugierigen Prinzessin noch einmal die Kindheit so richtig durchleben. Wobei alle, Ensemble wie Opernchor, mit solch ansteckender Spiellust dabei sind, dass die Kinder förmlich mitgerissen werden und die ganze Zeit bei der Stange bleiben.

Im Schlummerland ist es das Wichtigste, immer gut zu schlafen, erklären der König, der unter seinem roten Mantel standesgemäß einen seidenen Pyjama trägt, und die fürsorgliche Königin ihrer Tochter. So hat man am Tage einen klaren Kopf und ein freundliches Gesicht. Das leuchtet auch Schlafittchen ein. Nur: Da kann Karl Berkel mit seiner Tuba als Nachtwächter noch so schön spielen. Sie vermag einfach nicht einzuschlafen. Vor Neugier. Und so schleicht sie sich in den Keller. Ihre Taschenlampe aber leuchtet nicht nur auf der Bühne. Sie flackert auch im Zuschauerraum. Dieser wird, weil sich auch immer wieder Türen öffnen, durch die Menschen in Nachtgewändern und bunte Träume hindurchschlüpfen, selbst zum Schlummerland. Obwohl da keiner ans Schlummern denkt. Die Kinder verrenken die Hälse, um dem Lichtschein an Wänden und Decke zu folgen, bis sie gemeinsam mit Schlafittchen erschrecken. Denn hinter der verbotenen Tür dampft ein Kessel. Unter seinem Deckel aber drängen dunkle Gestalten hervor...

Die Prinzessin sieht wohl nur den Kobold, hat Angst vor dem Fremden. Sie weiß nicht, dass er verhindert, dass der Kessel überkocht und die bösen Träume heraus kriechen. In ihrer Angst verjagt sie das Traumfresserchen – und muss die Folgen aushalten. Denn von nun an quälen sie die Traumgespenster. Mehr noch: Das ganze Schlummerland gerät in Aufruhr.

Gesine Forberger und Ulrich Schneider geben ein strenges Elternpaar ab, das in Sorge um ihr Kind butterweich wird und über eine Zaubermuschel immer eine Antenne für die Familie hat. Mit Pillen will eine Ärztearmada die schlaflose Patientin heilen. Ein köstlicher Auftritt von Dirk Kleinke, Christian Henneberg und Ingo Witzke! Auch die Bürgerinnen Lena Kutzner, Rahel Brede und Carola Fischer sowie Heiko Walter als alter Mann unter den aufgebrachten Schlafmützen werden von den Kindern begeistert aufgenommen. Vor allem aber ist es das Traumfresserchen, das alle in seinen Bann zieht. Hardy Brachmann, der diese Rolle bereits 1996 in der Inszenierung von Martin Schüler spielte, meistert sie wieder mit Bravour. Und so geht die Idee auf, das nach 22 Jahren noch einmal auf die Bühne zu bringen. In der Regie von AnnaLisa Canton und mit zauberhafter Bühnen- und Kostümgestaltung entfaltet sie nun wieder ihre ganze Magie. Die Damen und Herren des Opernchores sorgen als gute und böse Träume, Quallen und Kraken sowie als unausgeschlafenes Volk dafür genauso wie Gesang und die Musik des Philharmonischen Orchesters unter Leitung von Christian Möbius. Nach reichlich Szenenapplaus ist das Premierenpublikum am Ende ganz aus dem Häuschen. Als Zugabe fordert es immer wieder ein Zauberlied. Vorsichtshalber wird mitgesungen. Denn es ist die Melodie gegen die bösen Träume.

Karten für weitere Vorstellungen bei der RUNDSCHAU, im Besucherservice, Tel.: 0355/78242424, online: www.staatstheater-cottbus.de