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Cottbuser Puppenspielfestival
Bloß nicht zu erwachsen werden

Familie Wagner, hier die Puppenspieler Daniel und Regina Wagner mit ihren Berliner Stadtmusikanten, sorgten für einen fröhlichen Auftakt des 18. Cottbuser Puppenspielfestes im Cottbuser Piccolo-Theater.
Familie Wagner, hier die Puppenspieler Daniel und Regina Wagner mit ihren Berliner Stadtmusikanten, sorgten für einen fröhlichen Auftakt des 18. Cottbuser Puppenspielfestes im Cottbuser Piccolo-Theater. FOTO: Marion Hirche / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Cottbus. Fast 1200 Besucher kamen am Wochenende ins Piccolo-Theater zum Puppentheaterfestival.

Zum 18. Mal war Cottbus am Wochenende Mekka des Puppenspiels. Der Verein der Freunde und Förderer des Puppenspiels Cottbus hatte ins Cottbuser Piccolo-Theater eingeladen.

Fast 1200 Besucher erlebten  in zehn fast ausverkauften Vorstellungen Inszenierungen von Puppenspielern aus Deutschland und Frankreich. Die Kulturministerin des Landes Brandenburg, Martina Münch (SPD), eröffnete  das Wochenendfest am Freitagabend und  äußerte den Wunsch: „Auch wenn das Cottbuser Puppenspielfest 18 und damit erwachsen wird, wünsche ich mir, dass die Organisatoren nicht zu erwachsen werden bezüglich des Programms folgender Veranstaltungen.“

Der Chef des Kinder- und Jugend-Theaters Reinhard Drogla begrüßte die Gäste und äußerte seine Freude darüber, dass das Puppelspielfest wieder in seinem Haus stattfindet. Die Akteure seiner Sparte „Puppenspiel“ Josephine Egri und Hauke Grewe sowie Werber Bauer  riefen dann am Wochenende die Zuschauer jeweils zu den Vorstellungen, natürlich mit Puppen. Zudem trugen Josephine Egri und Hauke Grewe mit ihrem Stück „Zumpelchen“ ein bemerkenswertes Stück für Kinder ab vier Jahre zum Programm des Wochenendes bei.

Auch in diesem Jahr gab es Angebote für große und kleine Liebhaber  des Puppenspiels. Was macht man, wenn man alt ist und nicht mehr so richtig kann? Ja, man geht ins Altersheim. So dachten sich das auch die vier Berliner Stadtmusikanten. Die Kuh, der Wolf, Frau Katze und Herr Spatz haben in ihrem Altersheim „Zum Sonnenschein“ in der Uckermark, da wo sich die Füchse gute Nacht sagen, aber mit diebischen Pflegern zu tun, und zudem will Herr Fuchs auch nicht auf den „Blauen Diamanten“ aus Amsterdam verzichten, den er einst  mit Wolf und Katze in Amsterdam gestohlen hat. Dieser wertvolle Stein, die Altersabsicherung, ist zunächst verschwunden, die an Alzheimer erkrankte Katze hat alles vergessen.

Ein turbulentes Spiel entwickelt sich, mit  flotten Sprüchen, Zwerchfelle-trainierenden Scherzen, mit unglaublicher Gestaltungsfähigkeit der Stimmen, mit wunderbaren Knauf- und Handpuppen.

Das Theater Zitadelle Berlin mit Regina und Daniel Wagner als Spieler und Ralf Wagner als Ausstatter lieferte am Freitagabend den gelungenen Einstieg zu einem tollen Puppenspielwochenende. Polina Borisova aus Frankreich ließ das Leben einer einsamen alten Frau mit großer Liebe zum Detail, vor allem mit verblüffenden mit Malerkrepp gemalten Bildern, lebendig werden.  Tosender Beifall und zahlreiche Fragen in englischer Sprache an die russischstämmige Puppenspielerin folgten nach der Vorstellung.

„Die furchtlosen Vampirkiller“ vom Schlitzer Theater Con Course und „Looking for Brunhild“ von den Berliner Schäfer-Thieme Produktionen waren verblüffend nah an ihren berühmten Stoffvorlagen von Roman Polanski und Richard Wagner.

Für die kleinen Zuschauer gab es die „Bremer Stadtmusikanten“ mit Sebastian Günther vom gleichnamigen Theater aus Halle, die Angstgeschichte „Buh“ der Compagnie Les Voisins, „Firiwitzi Naseweis“ für die Kleinsten vom Berliner Puppentheater Couturier und die preisgekrönten Inszenierungen „Josa mit der Zauberfidel“ vom „Fliegenden Theater Berlin“ und  „Das Lied der Grille“ von „Die Exen“ aus Neuhaus.  

„Es war ein wunderschönes Wochenende mit anspruchsvollen Stücken und  tollem Publikum. Wir sind sehr zufrieden“, resümierte Martina Kohlschmidt vom Verein der Puppenspielfreunde.

Christoph Neumann aus Peitz gehört zu den Fans des Puppenspielfestes, er sah auch diesmal wieder mehrere Stücke: „Ich habe wieder so viel Schönes gesehen, da muss man erst mal drauf kommen. Ich bin jedes Jahr begeistert.“  Christine Schiemenz aus Cottbus erlebte den ersten Abend: „Beide Stücke waren toll, obwohl man sie nicht vergleichen kann. Ich liebe Puppenspiel, war auch schon mit meinen Enkeln hier. Wenn sie jetzt in den Ferien wieder bei mir sind, dann gehen wir bestimmt wieder in Vorstellungen hier im Kinder- und Jugendtheater.“