| 17:18 Uhr

Interview mit Christian Steiffen alias Hardy Schwetter
„Eigentlich nicht Schlager – sondern Punk-Rock!“

Christian Steiffen präsentiert sich am Freitag in Cottbus.
Christian Steiffen präsentiert sich am Freitag in Cottbus. FOTO: Manfred Pollert / manfred Pollert
Cottbus. Der „Arbeiter der Liebe“ holt am Freitag im Glad-House Cottbus das verschobene Konzert nach. Von Thorsten Hengst

Eigentlich sollte er ja schon vergangenen Oktober in Cottbus gastieren, doch auch Musiker sind nicht gegen unerwartete gesundheitliche Probleme gefeit. Doch mittlerweile ist der „Arbeiter der Liebe“ wieder genesen und macht jetzt „Ferien vom Rock‘n‘Roll“: Christian Steiffen, der im privaten Leben Hardy Schwetter heißt, spendet mit seinem zweiten Album allen Schlager-Freunden Trost und macht ihnen Hoffnung auf eine rosige Zukunft. Am Freitag, um 21 Uhr (Einlass: ab 20 Uhr), gibt er sein lange erwartetes Nachholkonzert im Glad-House. Im Interview spricht der 46-Jährige über seine Häutung zum Schlagerkönig.

Auf der Bühne mimen Sie den gefeierten Schlagerkönig Christian Steiffen, aber bürgerlich heißen Sie eigentlich Hardy Schwetter. Wer sind Sie privat?

Steiffen Also mit bürgerlich tue ich mich ja ein wenig schwer. Ansonsten gibt es natürlich Überschneidungen und abseits der Bühnen auch einen privaten Hardy Schwetter. Das wäre sonst nicht auszuhalten...

Wie meinen Sie das?

Steiffen Es ist nicht immer leicht, diese beiden Identitäten auseinanderzuhalten. Das merke ich daran, wenn ich mal ein paar Wochen frei habe und mir den Schnäuzer abrasiere. Ich trage den jetzt seit rund acht Jahren nur für Christian – der Hardy würde privat mit Sicherheit keinen Schnäuzer tragen. Das kann auf Dauer ganz schön belastend werden...

Wie sind Sie eigentlich auf den Künstlernamen gekommen?

Steiffen Der hat sich spät nachts in der Kneipe gefunden, wo sich immer die besten Sachen finden lassen. Bei einem Tresengespräch erwähnte jemand, dass es mal einen DJ gab, der sich so genannt hat. Da ich zu dem Zeitpunkt gerade ein paar Tanzlieder aufgenommen hatte und jetzt dieser Name auftauchte, wusste ich sofort, dass der perfekt ist.

Wieso?

Steiffen Christian ist einfach ein klassischer Schlagername: Man denke nur an Christian Anders! Und Steiffen offenbart in dieser Verbindung so einen hintersinnigen Wortwitz, der perfekt die Schlagerszenerie darstellt. Vielen fällt der Witz dahinter erst gar nicht auf, und das gefällt mir besonders an dem Namen. Außerdem umgibt ihn so eine Punk-Attitüde – ähnlich wie bei Farin Urlaub oder Blixa Bargeld. Denn eigentlich bin ich ja gar nicht Schlager, sondern Punk-Rock!

Aber Sie sind als Kind der 1970er schon mit Schlager aufgewachsen und haben damals doch auch regelmäßig ZDF-Hitparade geschaut, oder nicht?

Steiffen Ja, klar – ich wurde natürlich auch im Art-Keller meiner Eltern sozialisiert und mein Unterbewusstsein mit dieser Musik geradezu überschwemmt, wenn nicht sogar malträtiert. Diese Sozialisation sucht sich im Alter die entsprechenden Ventile. Aber es ist gut, dass es jetzt rauskommt, sonst richtet so etwas nur unheilbare Schäden an.

Vor Ihrer Häutung zum Schlagersänger waren Sie fast zehn Jahre lang als Elvis-Imitator aktiv. Wie viel von dem King steckt noch in Christian Steiffen?

Steiffen Ich verdanke dem King viel: Beim ersten Auftritt mit meiner Band Hardy & The Hardons war ich total schüchtern, stand gekrümmt auf der Bühne und habe nicht ein einziges Mal ins Publikum geschaut. Erst durch Elvis habe ich den aufrechten Bühnengang gelernt.

Ihr aktuelles Album trägt den Titel „Ferien vom Rock‘n‘Roll“ Ist damit auch der Wechsel von der Elvis- in die Schlagerrolle gemeint?

Steiffen Nicht direkt, obwohl das Titelstück schon autobiografisch ist. Der private Hardy hat eine zeitlang fast jede Nacht durchgefeiert, bis er sich gesagt hat: Heute ist das letzte Mal!. Das hat so viel Spaß gemacht, dass er das den nächsten Abend gleich wiederholt hat. Die nächsten eineinhalb Jahre verliefen in etwa so, dass jeden Abend die letzte große Party gefeiert wurde.

Sind bei Ihren Konzerten eigentlich nur Schlager-Fans?

Steiffen Ich habe noch nie ein so gemischtes Publikum erlebt wie derzeit bei meinen Konzerten. Da sind nicht nur Schlager-Freunde, sondern auch Metal-Heads, Rockabillys, Skater und ganze Busladungen voll Kegelclubs. Die Konzertbesucher kommen aus allen Himmelsrichtungen und überwinden bei mir ihre Genre-Abgrenzungen. Da steht auch schon mal eine 80-Jährige vorne in der ersten Reihe. Daraus schließe ich: Entweder mag man den Steiffen, oder man mag ihn nicht!

Was darf man jetzt auf der Bühne von Ihnen erwarten?

Steiffen Ich werde meine Lieder singen und alles geben, was geht. Auf der Bühne tue ich immer noch so, als wäre ich erst 25 Jahre alt. Das geht körperlich schon an die Grenzen, und am Ende werde ich wohl wieder schweißgebadet sein...

Mit Christian Steiffen sprach Thorsten Hengst

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