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Cottbuser Musikherbst
Chopin und mehr im Cottbuser Musikherbst

Im Museum erklang neben Werken von Mozart und Chopin auch die „Fantasie in Blue“ von Frank Petzold (am Flügel), begleitet vom Streichquartett der BTU Cottbus-Senftenberg mit Krystof Switalski (1. Violine), Heike Kube (2. Violine), Aglaja Schwarz (Viola) und Anna Switalska (Violoncello, v.l.).
Im Museum erklang neben Werken von Mozart und Chopin auch die „Fantasie in Blue“ von Frank Petzold (am Flügel), begleitet vom Streichquartett der BTU Cottbus-Senftenberg mit Krystof Switalski (1. Violine), Heike Kube (2. Violine), Aglaja Schwarz (Viola) und Anna Switalska (Violoncello, v.l.). FOTO: Bernd Weinreich / Weinreich Bernd
Cottbus. Halsrecherische Klavierpassagen und lauter Beifall machten einen beeindruckenden musikalischen Abend im Museum aus.

Wenn die Deutsche Chopin-Gesellschaft und der „Cottbuser Musikherbst“ zusammentreffen, entsteht ein Konzert, dessen Werke über die Jahrhunderte verstreut sind; neumodisch „crossover“ genannt. Ein solches war am vergangenen Samstag im Cottbuser Kunstmuseum Dieselkraftwerk unter dem Titel „Klassik – Romantik – Moderne“ zu erleben und somit typisch für den „Cottbuser Musikherbst“, dem inzwischen 44. Musik-Festival in unserer Region. Typisch auch, dass dort immer Stücke von Lausitzer Komponisten dabei sind, wie in diesem Fall Frank Petzold.

Und eine Premiere gab es auch: erstmalig stellte sich das neue Streichquartett der BTU Cottbus/Senftenberg der Öffentlichkeit vor, welches unter der Leitung seines ersten Geigers Krzysztof Switalski den Abend mit einem Mozart-Divertimento eröffnete.

Obwohl dieses Ensemble noch nicht lange miteinander musiziert, fand es von Beginn an zu einem begeisternd homogenen Spiel. Anna Switalska, Violoncello, Heike Kube, 2. Violine und Aglaja Schwarz, Viola, auch zum „Collegium musicum“ der BTU gehörend, meisterten diesen anfänglichen Klassik-Prüfstein in dynamisch und agogisch höchst ausgefeilter Manier.

Dann lagen die Noten von „Fantasie in Blue“ des Cottbusers Frank Petzold, entstanden im Jahr 2007,  auf den Pulten; der Komponist selbst am Klavier. Er jedoch hatte keine Noten vor sich, denn nur das Hauptthema des Stücks, zunächst vom Cello vorgetragen, war einst notiert worden, alles andere am Klavier geschah in improvisierter Blues-Manier. Und hier stellte Petzold einmal mehr unter Beweis, dass er auch ein brillanter Pianist und Jazzer ist. Wie er seinen Part mit stetig wachsender Tonfülle bis zu extrem lautstarken Clustern und fast schon „gewalttätigen“ Ausbrüchen steigerte, rief im Publikum hörbares Erstaunen und am Ende stürmischen Applaus hervor. Manch einer hatte dabei auch ein bisschen Angst um den armen Flügel …

Dieser stand nach der Pause im Mittelpunkt des e-Moll-Klavierkonzertes von Fryderyk Chopin, das in einer vom Komponisten selbst gefertigten Fassung für Streichquartett erklang. Die Solistenrolle hatte Wolfgang Glemser übernommen, Professor für Klavier am Institut für Musik der BTU. Er packte seinen Part sehr beherzt und kraftvoll an, meisterte die diffizilen virtuosen Passagen mit Bravour und vermochte auch lyrische Momente in fein abgestimmtem Zusammenspiel mit seinen Streicherkollegen effektvoll in Szene zu setzen. Im zweiten, dem ruhigen Satz, wirkte sich die kammermusikalische Besetzung wegen des innigen Klangausdrucks am besten aus. Den Schlusspunkt setzen die halsbrecherischen Klavierpassagen des letzten Satzes, was – und zwar nicht nur dem Solisten – den begeisternden Beifall der Hörer im voll besetzten Dieselkraftwerk einbrachte.

An gleicher Stelle wird am 21.11.2017, 19.30 Uhr, das Abschlusskonzert des 44. „Cottbuser Musikherbstes“ erklingen.