| 17:39 Uhr

In der Cottbuser Stadt-und Regionalbibliothek
Ranisch liest – Merten gibt das Raubein

Lesevergnügen im Cottbuser Bücherfrühling: Autor Axel Ranisch (l.) strahlt Lebensfreude aus, Schauspieler Thorsten Merten gibt den Jens Lamprecht, der in seiner eigenen Wohnung gefangengehalten wird.
Lesevergnügen im Cottbuser Bücherfrühling: Autor Axel Ranisch (l.) strahlt Lebensfreude aus, Schauspieler Thorsten Merten gibt den Jens Lamprecht, der in seiner eigenen Wohnung gefangengehalten wird. FOTO: Uta Jacob
Cottbus. Im 26. Cottbuser Bücherfrühling stellt der Schauspieler und Regisseur Axel Ranisch sein Romandebüt vor. Von Ingrid Hoberg

„Will vielleicht jemand ein Schnitzelchen?“, fragt Axel Ranisch ins Publikum. Und spontan kommt aus mehreren Richtungen ein „Ja!“

Erstaunt schaut er in die Augen der Zuhörer, die am Montagabend in der Stadt- und Regionalbibliothek zusammengekommen sind. Alle sind gespannt, fühlen sich direkt angesprochen – dabei handelt es sich um eine Frage, die in „Nackt über Berlin“ an den Romanhelden Jannik gerichtet ist.

Ranisch hat eine kurze Pause gelassen, ehe er weiterliest „… fragte Mama.“ Er lächelt, wie er überhaupt viel Freude über das Leben, wie es ist, ausstrahlt.

Dabei hat er gleich zu Beginn gewarnt, dass am Anfang ein paar Wörter vorkommen, die vielleicht zu direkt sein könnten. Na ja,  es geht um die anregende Wirkung von klassischer Musik auf einen Pubertierenden. Dabei hat Ranisch Mama mitgebracht – seine Mutter begleitet ihn zu dieser Lesung nach Cottbus. Und einen zweiten Überraschungsgast stellt er vor:  „den großen Thorsten Merten“, dem er unter anderem seinen Debüt-Roman gewidmet hat. Der Schauspielerkollege ist sein Alter Ego. So weit wie Ranisch sein Herz für die Menschen öffnet, gibt Merten den Griesgram, das Raubein.

Eigentlich wollte Ranisch ein Drehbuch mit einer Rolle für Merten schreiben – der sollte nämlich eingesperrt werden. Geworden ist es eine Coming-Out-Geschichte, ein Familiengemälde und eigentlich auch ein Krimi.

Erzählt wird die Geschichte von Jannik und Tai, zwei Jugendlichen, die von ihren Mitschülern Fetti und Fidschi genannt werden. Die beiden sammeln ihren betrunkenen Schuldirektor von der Straße auf und halten ihn in der eigenen Wohnung gefangen.

Die Erzählperspektiven wechseln von Kapitel zu Kapitel, von Jannik (Ranisch) zu  Schulleiter Jens Lamprecht (Merten). Bei diesem Thema, möchte man meinen, steigt ein älteres Publikum aus. Doch Ranisch ist eine Klasse für sich – als Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Produzent wie nun auch als Romanautor.

Er kann eben nicht Nein sagen, wie er erzählt: „Ich bekomme immer so schöne Angebote!“ Dazu gehören bisher zwei Regiearbeiten für den „Tatort“ (mit Ulrike Volkerts als Lena Odenthal), bei denen sich die Schauspieler in das Abenteuer begaben, ohne ausformuliertes Drehbuch einen Film zu  machen. Er arbeite gern so, dass er Schauspielern keine Dialoge vorgebe. „Dann achten sie viel stärker auf ihren Partner“, sagt er. Gelernt hat Ranisch das Filmhandwerk an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, einer seiner wichtigsten Mentoren war Rosa von Praunheim. Als Schauspieler ist er vielen noch in der Rolle des Schröder in der Krimiserie „Zorn“ in Erinnerung. Zum Bedauern des Schauspielers, aber auch des Publikums gibt es nach fünf Folgen keine Fortsetzung mehr.

Zum Film ist Axel Ranisch als klassische Musik liebender Jugendlicher durch ein Medienprojekt gekommen. Da habe er festgestellt, dass er im Film alle seine Interessen, seine Talente verbinden kann. Denn für die Dirigentenlaufbahn war es zu spät – er hatte kein Instrument gelernt. Inzwischen inszeniert er auch Opern.  Und vielleicht wird aus „Nackt über Berlin“ doch noch ein Film. „Die Rechte habe ich behalten!“, sagt Ranisch. „Aber das ganze Buch in einem Film? Das wird eher eine Serie!“

„Ich bin ein Sonntagskind“, stellt er fest, wenn er darüber spricht, wie die Schauspielerei, die Filmregie, die Operninszenierung, das Schreiben zu ihm gekommen sind. Dabei ist er tatsächlich an einem Donnerstag geboren – aber das sagt nur der Kalender, das ist nicht seine Lebenseinstellung. Die vielen Talente habe er von seiner Familie mitbekommen, ist er sich sicher. Und wie er das alles schafft? „Wir sind alle ziemlich fleißig – stimmt doch, Mama?“, fragt er seine Mutter, die das gern bestätigt. „Axel Ranisch hat mit großem Herzen dem Publikum an diesem Abend etwas gegeben“, sagt Uta Jacob von der Stadt- und Regionalbibliothek, Moderatorin dieser Bücherfrühling-Veranstaltung.

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