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| 19:30 Uhr

Kultur
Bei Murmels Old-School-Band brennt die Luft

Anne-Katrin Meyer, Arnold Fritzsch (2.v.l.) und die anderen von Murmels Old School Band wollten es in Cottbus noch einmal wissen.
Anne-Katrin Meyer, Arnold Fritzsch (2.v.l.) und die anderen von Murmels Old School Band wollten es in Cottbus noch einmal wissen. FOTO: LR / Ingrid Hoberg
Cottbus. Beim ersten Live-Konzert gemeinsam mit Sängerin Anne-Katrin Meyer überzeugen Arnold Fritzsch & Co. ihr Publikum in der Kleinen Komödie Cottbus. Von Ingrid Hoberg

Die ersten Takte kennt jeder im ausverkauften Saal: das berühmte Gitarren-Intro von „Johnny B. Goode“ von Chuck Berry. Murmels Old School Band lässt sich nicht aufhalten und hängt den Rock’n’Roll-Hammer gleich dorthin, wo er hingehört. „Go, go. Go Johnny go“ ist der Einstieg in einen Abend, bei dem Rock- und Ostklassiker im Mittelpunkt stehen. Dazu gehören auch Kompositionen, die Arnold „Murmel“ Fritzsch in den 1970er und 80er Jahren für die Gruppe Kreis geschrieben hatte. Einer der Titel hieß „Blues im Blut“. So fing es vor vier Jahrzehnten an.

Mit „Black Magic Woman“ von Peter Green rollt der Stein weiter. Dann kommt Sängerin Anne-Katrin Meyer dazu und doch nicht so richtig zum Zuge – eine Sirene schrillt! Minutenlang versucht die Band dagegen anzuspielen, gibt es fast auf. Wie das Publikum warten die Musiker auf den erlösenden Moment, denn dass keine Feuergefahr besteht, ist klar. Laut Alarmierungssystem rücken drei Löschzüge der Feuerwehr an, wie Gerhard Printschitsch, Geschäftsführer der Theaternative C, in der Pause erklärt. Ein Rauchmelder hatte reagiert. „Die Ursache wird geklärt, das Gerät muss ausgewechselt werden“, ergänzt er. Ganz so selten sei solch ein Vorfall nicht. „Einmal im Jahr passiert das schon“, sagt Printschitsch.

In Erinnerung an Sängerin Ines Paulke singt Anne-Katrin die Titel „Colour Of My Tears“ und „Himmelblau“, die Arnold Fritzsch für die 2010 gestorbene Sängerin komponiert hatte. Für „Layla“ von Eric Clapton tritt Nick ans Mikrofon, für „(Sittin‘ On) The Dock Of The Bay“ von Otis Redding und Steve Cropper, einem weiteren Jahrhundertsong, greift er zum Akkordeon. Bandleader Fritzsch legt gern mal seine Gitarre zur Seite und nimmt den Platz am E-Piano ein. „Ich muss nicht den ganzen Abend den Zampano geben, ich kann zurücktreten“, sagt er. Nach „Knockin‘ On Heaven‘s Door“ jubelt er: „Das ist eine Wahnsinnsband!“ Und das Publikum jubelt mit. Da passt „Wonderful World“ von Sam Cooke einfach dazu.

Doch die Fans erwarten auch Songs, die Arnold Fritzsch komponiert hat, beispielsweise „Rot so rot“ für Arnulf Wenning, damals noch der Sänger von Reggay Play. Und sie warten auf weitere Ostklassiker wie „Du hast den Farbfilm vergessen“, den Michael Heubach 1974 für Nina Hagen komponierte. Mit „Jugendliebe“ (1978) ist Ute Freudenberg selbst immer noch erfolgreich unterwegs. Sängerin Anne-Katrin, Jahrgang 1987, trifft den richtigen Ton in einer rockigen Version. Fritzsch bearbeitet die Songs: „Die Musik zurechtzumachen für die Band, das macht mir am meisten Spaß.“

Diese neue Freude an der Arbeit mit der Band und auf der Bühne beobachtet auch Wolfgang Heisig (66), Musikerkollege aus Jugendjahren, der zum ersten Mal Murmels Old School Band live hört. „Das ist eine große Freude für mich“, sagt der ehemalige Zwickauer, der nun in Lübben lebt. Mit dem Beatles-Block wird im zweiten Teil der Bogen zum Anfang geschlagen. Die Liverpooler gehörten zu den Bands, die „Johnny B. Goode“ gecovert haben. Am Ende geht Murmels Old School Band nach zwei Zugaben und unter Bravo-Rufen von der Bühne der Kleinen Komödie.

Monika Raack (64) aus Gallinchen ist begeistert von diesem Abend. Manchen Titel hat sie selbst mitgesungen und hätte sich gewünscht, dass das Cottbuser Publikum noch mehr aus sich herausgeht. „Arnold Fritzsch nimmt dich mit. Und das Repertoire ist so vielfältig“, sagt sie. Wie Manuela Fischer (55) hat sie sich gefreut, dass Ines-Paulke-Titel so gut interpretiert wurden. „Und er könnte noch mehr Geschichten erzählen“, ergänzt die Cottbuserin. Auch Lutz (52) und Ina Kuhlmann (51) sind beeindruckt von der jungen Sängerin Anne-Katrin und wünschen sich in der Pause noch mehr Titel, die der Bandleader damals für Kreis geschrieben hat. Mit „Sie ist immer noch allein“ und „Ich war der fünfte Beatle“ sind solche Wünsche in dem mehr als zweistündigen Konzert wahr geworden.

Aus dem 40 Jahre alten Kreis-Titel „Doch ich wollt‘ es wissen“ ist der Song „Wir wollen’s wieder wissen“ geworden. In Cottbus haben es Murmel, Nick, Jörg und Stefan bewiesen – generationsübergreifend unterstützt von Sängerin Anne-Katrin. Und beim nächsten Mal greift Arnold Fritzsch vielleicht auch wieder zur Trompete, zu dem Instrument, mit dem er einst seinen ersten Studienabschluss machte und dann noch Komposition draufsetzte.

www.murmels-old-school-band.de