ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 20:30 Uhr

Baukultur in Cottbus und Senftenberg
Der Uni-Campus und seine Kunstwerke

 Prof. Jo Achermann, hier vor einer Raummalerei von Renate Wolff, will mit seinem Kunst-Band nur beschreiben, nicht bewerten.
Prof. Jo Achermann, hier vor einer Raummalerei von Renate Wolff, will mit seinem Kunst-Band nur beschreiben, nicht bewerten. FOTO: LR / Hilscher Andrea
Ein Buch und ein Rundgang geben Einblicke in die Vielfalt von Kunst am Uni-Bau aus den Jahren 1954 bis 2017. Der Schweizer Jo Achermann liefert die bemerkenswerte Übersicht der Werke in Cottbus und Senftenberg. Von Andrea Hilscher

Jo Achermann will Spuren hinterlassen. Seit 1994 ist er Professor für Plastisches Gestalten an der BTU Cottbus-Senftenberg, in zwei Jahren will der heute 64-jährige Schweizer die Universität verlassen. Über das, was von ihm bleibt in der Region, denkt er häufig nach. „Ich will meinem Nachfolger etwas übergeben, das Qualität hat. Etwas, das zu erhalten, zu bewahren und weiterzuführen sich lohnt.“

Kunst am Bau ist eines der zentralen Themen von Achermanns Wirken an der Universität, jetzt legt er mit dem Buch „Kunst und Campus“ eine Art Tätigkeitsbericht vor. In dem Band sind die Kunstwerke der BTU aus Vergangenheit und Gegenwart  zusammengetragen.

Das Buch liefert eine Übersicht der Werke an den verschiedenen Standorten der Uni in Cottbus und in Senftenberg. Die Texte sind sowohl in Deutsch als auch in Englisch verfasst, die Kunstwerke aus der DDR-Zeit sowie die neu entstandenen Werke sind, unterlegt mit bestechenden Fotos, in dem Buch vereint. Die verschiedenen Werke zeigen die künstlerische Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum im Wandel von der DDR zur Bundesrepublik. Achermann weiß dabei um die besondere emotionale Qualität, die sich für viele Menschen gerade mit der Kunst am Bau aus der Vor-Wendezeit verbindet. Es sei für viele Menschen der Region schmerzhaft gewesen, den Verlust vieler dieser Arbeiten miterleben zu müssen. An der BTU bestehe daher der Anspruch, die DDR-Kunst bestmöglich zu erhalten und zu pflegen. „Leider gibt es Werke, bei denen wir nicht viel mehr tun können, als ihrem Verfall zuzusehen“, sagt der Künstler. Immer wieder, so erzählt er, werde er auf das Wandbild „Mensch und Bildung“ von Gerhard Krüger angesprochen, das zwischen den Lehrgebäuden 2A und 2B ein Paradebeispiel des sozialistischen Realismus´ liefert.

 Das Werk „Mensch und Bildung“ auf dem Zentralcampus sorgt wegen seines schlechten Zustandes immer wieder für Diskussionen.
Das Werk „Mensch und Bildung“ auf dem Zentralcampus sorgt wegen seines schlechten Zustandes immer wieder für Diskussionen. FOTO: LR / Repro Hilscher

Krüger hatte dafür in den 1970-er Jahren mit einem Material experimentiert, dass sich letztlich als wenig haltbar und kaum restaurierbar erwies. „Heute ist das Werk sichtbar verfallen“, sagt Achermann, „wir könnten es nur mit sehr großem finanziellen Aufwand retten“. Ob der aber gerechtfertigt wäre? „Für das Geld könnte man dann schon wieder neue Kunstwerke einkaufen“, schätzt Achermann. „Überhaupt sind wir längst weg von der Idee, dass ein Kunstwerk hundert Jahre stehen muss.“

Während seine Bestandsaufnahme für den Standort Cottbus vorwiegend Werke der Bildenden Kunst umfasst, hat das Team um Achermann in Senftenberg eine Fülle von Gemälde und Tapisserien vorgefunden. Zahlreiche, nicht ausgestellte Werke dieser „losen Kunst“ wurden dabei archiviert und sortiert. „Vielleicht kommt es mal zu seiner Ausstellung“, so Achermann. Sein Nachfolger könne das vielleicht übernehmen.

Vor 20 Jahren hat der Künstler und Lehrende an der Universität die Kommission „Kunst und Campus“ gegründet und setzt seitdem alles daran, die BTU mit neuen Kunstwerken auszustatten. Das erste Projekt war dabei die Klanginstallation von Rolf Julius im Kirschhain auf dem Zentralcampus im Jahr 1999. Julius montierte in den 25 Zierkirschen dezent Lautsprecher. Diese sind weder optisch wahrnehmbar, noch drängen sie sich akustisch auf. So entstand eine Klangskulptur, deren minimale Töne beinahe unbewusst aufgenommen werden.

Im Laufe der Zeit hat die Kommission sich immer wieder dafür engagiert, Gelder für Kunst am Bau einzuwerben und gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) einige Wettbewerbe auszuschreiben. „Wir wollten und wollen Künstler hier sichtbar werden lassen, die einen Bezug zur Universität sowie deren Gebäude und Menschen haben“, sagt Achermann, der mit zwei eigenen Werken im Buch vertreten ist. „Solange ich noch an der BTU arbeite, will ich mich dafür einsetzen, dass an den entstehenden Bauwerken Kunst integriert wird, die Qualität hat“, sagt der Schweizer. „Auch eine technische Universität braucht diese Art der Auseinandersetzung mit Themen der Zeit.“

Wem der vorliegende Kunst-Band zu „old school“ ist, der kann den Campus live und mit digitaler Unterstützung erleben. Auf einer App sind zu jeden Kunstwerk Kurztexte hinterlegt, demnächst wird es diese auch in englischer Sprache geben. Bisher ist die App für Android verfügbar, an der IPhone-Version wird noch gearbeitet.

„Wenn ich selbst Führungen gebe, dann schaffe ich in einer Stunde niemals alle Werke“ erzählt Achermann. Auch bei der digitalen „Kunst und Campus“-Tour können die Teilnehmer ihre Wege nach verschiedenen thematischen und zeitlichen Schwerpunkten auswählen.

„Kunst und Campus“ ist im Internet und im Buchhandel unter der ISBN-Nummer 978-3-7954-3250-8 erhältlich. Preis: 24 Euro.