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| 20:13 Uhr

Theatertreff in der Kammerbühne
Wenn die Stimme einfach läuft

Hellmuth Henneberg (l.) interviewt den jungen erfolgreichen Bariton Christian Henneberg im Foyer der Kammerbühne.
Hellmuth Henneberg (l.) interviewt den jungen erfolgreichen Bariton Christian Henneberg im Foyer der Kammerbühne. FOTO: LR / Elsner
Cottbus. Der Bariton Christian Henneberg beim Theatertreff im Gespräch mit Hellmuth Henneberg Von Ulrike Elsner

Das Foyer der Kammerbühne war beim Theatertreff am Montagabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Mancher mag zur beliebten Veranstaltung des Vereins der Freunde und Förderer des Staatstheaters gekommen sein, um Neues  rund um die aktuelle Krise des Hauses zu erfahren. Die allermeisten aber wollten einfach Christian Henneberg kennenlernen, den 32-jährigen Bariton, der gerade erst in der Titelpartie von Mozarts „Don Giovanni“ vom Publikum gefeiert wurde. Jene kamen voll auf ihre Kosten, während Erstere den eindringlichen Appell des Moderators Hellmuth Henneberg, den Sänger mit Fragen zur Situation des Hauses nicht in Schwierigkeiten zu bringen, akzeptierten und dennoch einen interessanten erbaulichen Abend verbrachten.

Henneberg trifft Henneberg  – diese Konstellation gab dem bekannten Fernsehmann vom RBB Gelegenheit für einen humorvollen Einstieg und lockerte damit die Situation. „Nun singt er auch noch“, hätten die Nachbarn in seinem Wohnort bei Spremberg gesagt, als der Bariton Henneberg am Staatstheater für Aufmerksamkeit sorgte.

Der Abend brachte Aufklärung: Moderator und Sänger sind nicht verwandt, auch wenn beider Vater in Dresden Theatergeschichte geschrieben haben. Der Vater des Journalisten Gerd Michael Henneberg als Regisseur und Intendant, der Vater des Sängers Kammersänger Prof. Matthias Henneberg unter anderem als Solist der Semperoper.

Jener Kammersänger war es auch, der den kleinen Christian bereits mit vier Jahren auf die Opernbühne brachte: als Gottfried in einer „Lohengrin“-Inszenierung mit dem berühmten Klaus König in der Titelrolle. Der König kommt, bindet dir einen Umhang um, gibt dir das Schwert, und du stehst da als der neue König von Brabant... Was sollte ich da noch machen?“, fragte der Sänger in die amüsierte Runde.

Mitglied des Jungen Sinfonieorchesters Dresden, Abitur am Sächsischen Landesgymnasium für Musik „Carl Maria von Weber“, wichtige Bühnenerfahrungen in Rostock,  Neubrandenburg, Kiel, Dortmund, Lübeck und Gelsenkirchen. „Dann hat in Ihrem Leben bisher alles geklappt“, stellte Hellmuth Henneberg fest. „Nein“, wehrte der Sänger ab. Schließlich habe er die Oboe nach jahrelangem Studium niedergelegt. Der Drang zum Singen war offenbar stärker. „Wenn ich das Gefühl habe, dass es mir sehr leicht fällt“, erläuterte er den faszinierten Zuhörern, „dann fängt die Stimme an zu laufen. Und ein ganz schmaler Grat wird zur sechsspurigen Autobahn.“

Auf die Frage des Moderators, ob er schon Vorstellungen habe absagen müssen, folgten ein kategorisches Nein und ein überzeugendes Bekenntnis zum Respekt vor dem Publikum. „Die Leute stehen zu Hause vorm Spiegel und bereiten sich vor. Sie machen sich auf den Weg.“ Allerdings habe es einen Moment gegeben, wo eine solche Entscheidung im Raum stand. Das war am Tag des Rücktritts von Martin Schüler. Das habe ihn emotional so zerrissen, dass der Hals einfach zu ging. Doch die Sänger haben sich gegenseitig Mut gemacht. „Dieser Abend war unglaublich anstrengend“, bekennt Christian Henneberg. Das Publikum aber hat davon nichts gespürt.