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| 14:28 Uhr

Interview mit Axel Prahl
„Ich habe zu viele eigene Lieder“

 Der Schauspieler und Sänger Axel Prahl hat jetzt sein neues Album „Mehr“ herausgebracht.
Der Schauspieler und Sänger Axel Prahl hat jetzt sein neues Album „Mehr“ herausgebracht. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Der 58-Jährige über seine Musik auf seinem aktuellen Album „Mehr“ und Gundermann-Songs. Von Gunnar Leue

Axel Prahl, bekannt als TV-Kommissar an der Seite eines schrulligen Pathologen, aber auch als Sänger, hat ein neues Album herausgebracht. Im RUNDSCHAU-Interview verrät er mehr darüber und auch über Songs, die er nicht mehr singt.

Herr Prahl, man kennt Sie vor allem aus dem Buntfernsehen und -kino. Vom Cover Ihres Albums „Mehr“ blicken Sie dem Betrachter dagegen schwarz-weiß entgegen.

Prahl Das Foto hat Tine Acke gemacht, auch die ganzen wunderbaren Fotos für das Booklet. Ich bin sehr stolz darauf, dass sie mit mir gearbeitet hat. Ich habe sie ja beim Konzert von Udo Lindenberg kennengelernt, das auf der DVD „Stärker als die Zeit” erschienen ist. Ich bin dort als Gastsänger dabei und singe den Gerhard Gösebrecht.

Hat Sie Udos Musik ins junge Erwachsenenalter begleitet?

Prahl Songs wie „Alles klar auf der Andrea Doria” waren schon Gassenhauer, die am Lagerfeuer nicht fehlen durften, logisch. Udo Lindenberg ist schon ein echt cooler Typ, ich mag ihn sehr.

Zwischen Ihrem Debütalbum und dem jetzigen Nachfolger liegen satte sieben Jahre. Haben Sie sich so viel Zeit gelassen, weil laufend andere Dinge dazwischen kamen oder aus Angst vorm berüchtigten zweiten Album?

Prahl Beides. Durch meine Nebenbeschäftigung als Schauspieler bin ich glücklicherweise nicht in der Abhängigkeit, von meinen Musikerträgen leben zu müssen. So hatte ich viel Zeit und es ist dann ja auch reichlich „Mehr“ geworden mit 16 Stücken. Anfänglich war ich unsicher, ob es nicht vielleicht zu viele sind. Aber als ich sie zusammen mit Danny Dziuk im Kasten hatte, dachte ich: Och, passt schon, das kann man doch gut hintereinander anhören.

Sieben ist eine mythische Zahl. Nach sieben Jahren ändert sich vermeintlich viel, eine Beziehung zum Beispiel. Hat sich Ihre Beziehung zur Musik geändert?

Prahl Mein erstes Album war ja mehr oder weniger ein kleiner Scherz am Rande. Ich wollte mir einfach mal was gönnen: Eine Platte mit meinem Namen drauf und mit Liedern und Texten nur von mir. Anschließend waren lediglich 15 Konzerte geplant. Daraus sind inzwischen knapp 200 geworden. Musiker ist jetzt ein zweiter Beruf für mich.

Hat Musik heute denselben Stellenwert in Ihrem Leben wie die Schauspielerei?

Prahl Ich würde behaupten, sie ist nahezu gleichwertig zu dem, was ich an Filmen mache, zumindest was den Zeitaufwand betrifft. Ich muss auch den einen oder anderen Film absagen, weil Konzerte geplant sind. Trotzdem macht mir die Musik natürlich Spaß.

Wie stark lassen Sie sich von anderen Musikern inspirieren?

Prahl Ich habe eher das Problem, dass ich schon zu viel Musik im Kopf habe. Deshalb brauche ich nicht zwingend weitere Inspiration von anderen Musikern.

Sie haben das Album mit den Brandenburger Symphonikern eingespielt. Für großes Orchester scheinen Sie ein Faible zu besitzen?

Prahl In der Tat gab es schon bei meiner ersten Platte eine Zusammenarbeit mit dem Babelsberger Filmorchester. Ich habe ja früh in einem Kirchenchor gesungen, wodurch ich mich in der Klassik, Bach, Mozart und so, ein bisschen zu Hause fühle.

Der Titel „Mehr” passt insofern zum Album, als es stilistisch ausufert und jedenfalls nicht der Maxime folgt: „Weniger ist mehr”. Klassik, Shanty, Chanson, Fado, Tango, Calypso – selten spiegelt sich solche musikalische Vielfalt auf einer Platte. Sind Ihre musikalischen Vorlieben grenzenlos?

Prahl Das hat in erster Linie mit der vielfältigen Musik zu tun, die ich schon kennen und lieben lernte. Außerdem finde ich, dass jedes Thema eines Songs seine eigene musikalische Charakteristik braucht.

Eine Weltreise der Musik?

Prahl So war es nicht geplant, aber es stimmt, eigentlich ist es dabei herausgekommen.

Auffällig sind die vielen Seemanns-Metaphern und der Bezug zum Maritimen.

Prahl Wenn man wie ich am Meer geboren wurde, hat man diese Bezüge zur See wohl für ewig im Kopf.

Ihr Shanty heißt „Heute versauf ich die Heuer”. Bei welcher Gelegenheit kommen einem solche Songideen?

Prahl Ach, das ist mal so als Gag am Rande entstanden, ein Mitgröl-Shanty, den man schön am Lagerfeuer singen kann. Der ist einfach entstanden bei einer Blödelei nach zu viel Bier.

Haben sie schon mal eine ganze Gage versoffen, oder ist das eher vertontes Träumen?

Prahl Nein, das habe ich noch nicht gemacht. Ich habe ja bis zum Jahr 2000 ausschließlich Theater gespielt, da war es nicht so üppig mit der Gage.

Sie haben auch noch viele Jahre das Inselleuchten-Festival in Marienwerder im Barnim intensiv unterstützt. Es hat sich gelohnt, denn inzwischen hat es weithin einen guten Namen, oder?

Prahl Ich habe neben vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern meinen Teil dazu beigetragen, damit sich das Festival über die Region hinaus etablieren konnte. Es genießt heute einen guten Ruf auch unter Musikern, das stimmt.

2019 wird dort unter anderem die Band von Andreas Dresen mit dem Sänger Alexander Scheer auftreten. Sie gehörten bis vor kurzem zur Dresen-Prahl-Band. Die ist endgültig Geschichte?

Prahl Ja, weil ich das zeitlich nicht mehr schaffe. Die Band wurde immer professioneller und es gab immer mehr Auftritte, da musste ich sagen: Sorry, das wird mir zu viel. Andreas und die anderen haben das auch verstanden. Manchmal kam sich das Bandprojekt auch mit meinem eigenen etwas ins Gehege. Selbst Journalistenkollegen verloren zuweilen den Überblick und fragten mich so Sachen wie: Sie spielen ja auch Lieder von Rio Reiser? Worauf ich meinte: Nein, ich mache meine eigenen Kompositionen zusammen mit Danny Dzuik. Ja, aber Sie singen doch immer Lieder von Gundermann und so weiter.

Das haben Sie ja nicht nur in der Dresen-Prahl-Band getan, sondern anfangs auch in Ihren Solokonzerten. Jetzt immer noch oder ist das Thema Gundi-Songs ebenfalls erledigt?

Prahl Jetzt spielen wir eigentlich keine Gundermann-Songs mehr, weil ich nun so viele eigene Songs habe. Darauf verzichte ich sozusagen zugunsten meiner Lieder.

Konzerte: Frankfurt/Oder (10.1.), Potsdam (16.1.),  Dresden (27. 1.), Berlin (25.2.)