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| 19:04 Uhr

Cottbuser Jubiläum
Allein durchs Zuhören werden Kräfte frei

Corinna Preuß, Leiterin der Telefonseelsorge in Cottbus, und der Maler Wilfried Schulze, der mit seiner Ausstellung „Lebensphasen – Umbrüche – Resonanzen“ Antworten gibt und Fragen aufwirft, bereiten in der Oberkirche die Jubiläumsausstellung vor.
Corinna Preuß, Leiterin der Telefonseelsorge in Cottbus, und der Maler Wilfried Schulze, der mit seiner Ausstellung „Lebensphasen – Umbrüche – Resonanzen“ Antworten gibt und Fragen aufwirft, bereiten in der Oberkirche die Jubiläumsausstellung vor. FOTO: Elsner / LR
Cottbus. 25 Jahre Telefonseelsorge in Cottbus: Ausstellungseröffnung am 1. März, 18 Uhr, in der Oberkirche würdigt Jubiläum. Von Ulrike Elsner

Dieses Jubiläum kann auf die Minute genau datiert werden: Am 1. März 1993 um 18 Uhr hat die Telefon-Seelsorge Cottbus ihren Dienst aufgenommen. Am 1. März 2018 um 18 Uhr  beginnt in der Cottbuser Oberkirche Sankt Nikolai eine Ausstellungseröffnung, in der die Geschichte dieser völlig unbürokratischen und ehrenamtlichen Hilfseinrichtung für Menschen mit Sorgen, Nöten und in verschiedensten Krisensituationen lebendig wird. Cottbus sei dank einer Gruppe von Pfarrern und engagierten Laien eine der ersten ostdeutschen Städte gewesen, in der sich das Beratungsangebot etablieren konnte, sagt Corinna Preuß, die die Dienststelle Cottbus der Telefonseelsorge seit dem Jahr 2006 leitet.

Das Jubiläum sei Anlass, das Engagement der derzeit 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter zu würdigen, die eine fundierte Ausbildung absolviert haben, sich regelmäßig fortbilden und Monat für Monat jeweils zwölf Stunden am Telefon sitzen, zu allen Tages- und Nachtzeiten, am Wochenende genauso wie an Feiertagen und dabei ein offenes Herz für Menschen in Not, großes Einfühlungsvermögen und ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz beweisen.

Im vergangenen Jahr hatten die Ehrenamtler in Cottbus 8586 Anrufer am anderen Ende der Leitung. „Ihre Probleme betreffen alle Lebensthemen, die Menschen begegnen können, darunter vor allem Einsamkeit, familiäre und partnerschaftliche Beziehungen sowie psychische Erkrankungen“, sagt Corinna Preuß. Daran habe sich in all den Jahren wenig geändert. In der Statistik der Hilferufe  für das Jahr 2017  kommt Niedergeschlagenheit mit 22 Prozent am häufigsten vor, gefolgt von Partnerschaft und familiären Beziehungen mit 21 Prozent, körperlicher Beeinträchtigung und Krankheit mit 20 Prozent, Einsamkeit/Vereinsamung und Ängsten mit jeweils 18 Prozent, Sinn/Orientierung mit 11 Prozent, Suizid  mit 6 Prozent,  Sucht und Gewalt mit jeweils 5 Prozent, Sterben/Tod/Trauer sowie Sexualität mit jeweils 4 Prozent (Mehrfachnennungen waren möglich). „Wir leisten Seelsorge in Lebenskrisen, Begleitung im emotionalen Erleben, Erste Hilfe in seelischer Not, Information im sozialen Bereich“, sagt Corinna Preuß, „und das alles kostenfrei, anonym und absolut verschwiegen.“

Die meisten ehrenamtlichen Mitarbeiter sind zwischen 55 bis 70 Jahre alt. „Viele kommen zu uns, wenn sie in den Ruhestand gehen“, berichtet die Dienststellenleiterin, „und erleben die Telefonseelsorge als ein sinnstiftendes Ehrenamt, in dem sie etwas lernen, sich weiterentwickeln und eine wunderbare Dienstgemeinschaft erleben.“

So wie in der Ausstellung, die in der Oberkirche gezeigt wird, gehe es bei den Anrufern häufig um Umbrüche,  die mit Ängsten und Verunsicherung verbunden sind. Wie gut tue es da, wenn ihnen am anderen Ende der Telefonleitung jemand vorurteilsfrei begegnet, sie ein Stück begleitet und durch seine Fragen Denkanstöße gibt. „Allein durch Zuhören setzen wir Kräfte frei, die in den Menschen schlummern“, ist sich Corinna Preuß sicher. „Ratschläge geben wollen wir nicht. Und wir haben auch keine Lösungen parat. Aber wir nehmen uns Zeit, ermutigen, trösten, wollen wirklich verstehen und geben menschliche Zuwendung.“