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Glad House
Auch künftig Ort für Austausch und Dialog

Auch die Außenhülle des Glad-Houses wurde unter der Leitung des Werkleiters saniert.
Auch die Außenhülle des Glad-Houses wurde unter der Leitung des Werkleiters saniert. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Jürgen Dulitz, langjähriger Werkleiter des Cottbuser Glad-Houses, wird sich im nächsten Frühjahr in den Ruhestand verabschieden. Ein Nachfolger wird noch gesucht. Jan Selmons

Der Chef des Cottbuser Jugendkulturzentrums Glad-House in der Straße der Jugend sitzt im Garten des Geländes und blickt zurück auf 28 Jahre als Werkleiter des Hauses. "Ich bin stolz auf diese Stadt. Und auf die Kommunalpolitiker, dass sie bis heute zu diesem Haus gestanden haben, trotz der schwierigen Lage der Stadt. Es gab überparteilich immer Mehrheiten dafür", sagt Jürgen Dulitz (63).

Fest steht: Sein Nachfolger wird das Glad-House in einem deutlich besseren Zustand übergeben bekommen, als es Dulitz vor 28 Jahren übernahm. Er erinnert sich noch gut, dass das Haus 1990 in einer desolaten Verfassung war. "Ich wusste nicht, dass 1989 der Heizkessel explodiert war und das Haus nicht mehr beheizt werden konnte", erzählt er. Auch das Dach sei hinüber gewesen. In der Wendezeit war vieles möglich. "Das Personal des Kulturhauses war der Stadt irgendwie abhandengekommen", berichtet Jürgen Dulitz weiter über seinen damaligen Einstieg.

Der Bad Freienwalder war erst 1975 nach Cottbus gekommen und nennt sich selbst einen "Quereinsteiger in die Kultur", für den Musik immer eine besondere Rolle gespielt habe. Akkordeon hatte der Jazz-Fan spielen gelernt, war in der Jugendzeit als Rockmusiker und Chorleiter unterwegs, "auch wenn das eher Hobby gewesen ist". Durch die guten Kontakte zur Kulturszene reizte ihn das Klubhaus der Jugend, um das er sich ab Anfang 1990 als neuer Chef kümmerte. "Ich konnte mir anfangs meine Belegschaft selbst zusammensuchen", sagt Jürgen Dulitz. Es fand der Cottbuser Filmklub eine Heimat, aus dem sich das Obenkino formte. Auch die Literatur- und Medienwerkstatt fand in der Straße der Jugend ihre Adresse.

"Ab April 1990 gab es die ersten Konzerte", blickt der Werkleiter zurück. Das Programm zog bald Gäste aus Cottbus, ganz Brandenburg und Sachsen an und begründete den beinahe legendären Ruf des Hauses als besonderen Veranstaltungsort. Denn es galt auch als Heimat kantiger Subkultur und hatte einen Ruf des Subversiven, der dem Glad-House bis heute anhaftet. "Wenn das so ist, freut es mich", gibt Jürgen Dulitz zu. Denn er will Diskussionen anregen: "Wir wollten und wollen offen sein für Leute, die etwas ausprobieren." Wichtig war und ist ihm der künstlerische Ansatz eines Projektes. So habe er sich über Nachwuchskünstler gefreut, die in sein Büro kamen und um Unterstützung für größere Projekte baten, die dann häufig spektakulär auf der Glad-House-Bühne stattfanden.

Auch an den Gebäuden änderte sich Einiges in den Jahren. Mit dem Fernwärmeanschluss wurde die Heizung gesichert, 1997 gab es die erste Teilsanierung, ab 2010 dann eine komplette Außenhüllensanierung. Das Profil des Hauses schärfte sich. Auch wenn die Partykultur Einzug hielt, blieb das Glad-House immer eine Adresse für künstlerisch Anspruchsvolles und Überraschendes. Dulitz findet, "dass Kontroversen auch provoziert werden sollten." Die Auseinandersetzungen sorgten auf jeden Fall für Aufmerksamkeit - etwa wenn ein Forum über Sexismus in der Hip-Hop-Musik mit Hunderten junger Gäste gemeinsam mit dem RUNDSCHAU-Medienhaus und dem RBB stattfand. Das Glad-House stand bisher immer für Austausch und Dialog. So wünscht sich das Jürgen Dulitz auch für die Zukunft.

Kurz bevor er auf dem Weg in sein Büro im Hinterhof die Tür öffnet, deutet er noch einmal auf die Fassade des Gebäudes. "Ich freue mich, dass ich dazu beitragen konnte, dieses wunderbare Haus für die Stadt zu erhalten".