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Cottbus
Theatersommer trotzt dem Wetter

Lisa Becker (von links), Gerhard Printschitsch und Mirja Henking spielen in „Ein Mordssonntag“.
Lisa Becker (von links), Gerhard Printschitsch und Mirja Henking spielen in „Ein Mordssonntag“. FOTO: Marko Ziesemer / Theaternative
Cottbus. Kriminalkomödien waren Erfolgsstücke der Saison bei der TheaterNative C.

(ue) Spannende und unterhaltsame Stücke, überzeugende Darsteller und laue Sommerabende — das sind die wichtigsten Zutaten fürs Sommertheater. So gesehen, hatte der diesjährige 22.Cottbuser Theatersommer mit einem Defizit zu kämpfen. „Wir hatten Pech mit dem Wetter“, gibt TheaterNative-C-Chef Gerhard Printschitsch unumwunden zu. Mit rund 2900 Besuchern sei die angepeilte 3000er-Marke nicht erreicht worden.

Dennoch: „Das Publikum war toll“, stellt der Theaterleiter fest, und erzählt die nervenaufreibende Vorgeschichte der letzten Aufführung der diesjährigen Sommerpremiere „Ein Mordssonntag“ mit den beiden jungen Hauptdarstellerinnen Mirja Henking und Lisa Becker.

Die schwarze Kriminalkomödie sollte am 5. Oktober ihre für dieses Jahr letzte Aufführung erleben. Sturmtief  Xavier tobte über Berlin und Brandenburg. Gerhard Printschitsch sollte am Nachmittag beide Schauspielerinnen aus der Hauptstadt abholen, wo sie Schauspielverpflichtungen hatten. Glücklicherweise habe ihm ein erfahrener Berufskraftfahrer zur Seite gestanden, so Printschitsch. Der lenkte das Trio fernab der Autobahn durch Sturm und Chaos. Um 19.30 Uhr sollte die Vorstellung in der Petersilienstraße beginnen. 21.30 Uhr öffnete sich der Vorhang. Das Publikum hatte ausgeharrt und wurde dafür mit einer starken Leistung belohnt.

„Leider haben wir die beiden jungen Hauptdarstellerinnen Mirja Henking und Lisa Becker inzwischen an ein großes Theater und an Mein Schiff verloren“, berichtet Gerhard Printschitsch. Beider Rollen müssen nun neu besetzt werden.

Zu den Erfolgsstücken des Sommers zählen die turbulente  Komödie „Rache ist süß“,  das musikalische Lustspiel „Der Geizhals“ und „Der eingebildete Kranke“. Letzteres Stück von Susanne Felicitas Wolf nach Molière, als Musical vertont vom Spremberger Musiklehrer Dieter Gericke, soll auch im kommenden Sommer wieder auf die Bühne kommen. „Wir hatten großes Glück, dass der Chef von nAund, Michael Mattusch, die musikalische Leitung übernommen hat“, stellt der Theaterchef fest.

Auch Matthias Binners Musical „Der Geizhals“ nach Molière — „ein richtiges Vollbluttheater“, wie Gerhard Printschitsch betont — soll im nächsten Jahr wieder auf dem Sommer-Spielplan der Kleinen Komödie Cottbus stehen.

Dann aber unter Federführung des neuen Theaterchefs Hauke Tesch. Der Spielleiter Oper am Staatstheater Cottbus, der sich mit Opern-Inszenierungen wie Donizettis „Lucia di Lammermoor“ oder der Burger Sagennacht über Cottbus hinaus einen Namen gemacht hat, übernimmt die TheaterNativeC am 1. Januar 2018. Gerhard Printschitsch verabschiedet sich in den Ruhestand, wird aber weiterhin inszenieren und hin und wieder auf der Bühne stehen. „Hauke Tesch war schon einmal für zwei Jahre bei uns“, sagt Printschitsch. Nach mehrjähriger Pause hat der Cottbuser Schauspieler, Sänger und Regisseur sich mit der Schlagerrevue „Lass die Sonne in Dein Herz“ in der Kleinen Komödie schwungvoll zurückgemeldet.

Trotz vieler verregneter Abende ist die Bilanz des Theatersommers 2017 positiv. Längst hat die Kleine Cottbuser Komödie die Skeptiker eines Besseren belehrt. Auch im Sommer zieht es viele Leute ins Theater. Besonders dann, wenn wie bei der TheaterNative C Heiteres und Musikalisches den jährlichen Spielplan bestimmen.

„Zu uns kommen viele Touristen aus Burg, Lübben und vom Schwielochsee“, berichtet Gerhard Printschitsch. Selbst Berliner sind seit Jahren unter den Stammgästen. Mittlerweile sind sogar drei Berliner Mitglieder im Förderverein der Kleinen Komödie.