Von Marion Hirche

Schon zum 8. Mal gab es am Sonnabend in Peitz Sommertheater. Gespielt wurde das Stück „Die deutschen Kleinstädter“ von August von Kotzbue. Das Theater 89 aus Berlin gestaltete die Aufführung. Das freie Theater gibt es seit 30 Jahren. Es hat bereits zahlreiche Preise gewonnen und sich auf Stücke von relativ unbekannten Autoren spezialisiert. Sein Credo heißt: „ Wir kommen zu unseren Zuschauern“.

Auch diesem Grund sind die Mitglieder Partner der Sommertournee der Arbeitsgemeinschaft mit historischen Stadtkernen geworden. Peitz gehört zu dieser AG, und die Mimen haben in der Stadt schon viele Fans. Knapp 100 Zuschauer verfolgten das turbulente Geschehen in der Kleinstadt Krähwinkel um einen honorigen Gast aus der „Residenz“, sprich Hauptstadt.

„Die Stücke von August von Kotzebue werden meist denen von Goethe vorgezogen, denn das Gewöhnliche wird immer vom großen Publikum vorgezogen“, zitierte Schauspieler Matthias Zahlbaum Fontane zur Einführung, lobte den Peitzer Bürgermeister, der nebst Familie in ein historisches Gewand geschlüpft war, und gab dann die Bühne frei für das Lustspiel.

Der Inhalt ist turbulent. Sabine, die schöne Tochter des Bürgermeisters von Krähwinkel, soll den Bau-, Berg- und Weginspektorsubstitut Sperling heiraten. Bei ihrem einjährigen Aufenthalt in der Residenz hat sie aber Karl Ollmers kennen und lieben gelernt. Mit einer Kette mit seinem Bildnis kehrt sie nach Hause zurück. Dort laufen bereits die Vorbereitungen für ihre Verlobung mit Sperling. Da entdeckt Sabines Großmutter, die Frau Untersteuereinnehmerin, das Bildnis, und Sabine redet sich raus: „Das ist der König.“ Auf Empfehlung des Ministers taucht dann ein junger Mann in Krähwinkel auf. Der Bürgermeister und Oberälteste der Kleinstadt organisiert den Empfang, und in der Stadt kursieren die Gerüchte: „Ein Prinz soll es sein, nein es ist der König inkognito, der König ist da und nicht die Vorhänge gewaschen.“ Sabine drängt ihren Karl, beim Vater um ihre Hand anzuhalten. Der tut das dann auch, aber weil er die Großmutter nicht mit ihrem Titel angesprochen hat, weil er nicht von jeder Speise gegessen hat, weil er heidnische Lieder singt und weil er selbst keinen Titel hat, lehnt ihn die Familie ab. Das Blatt wendet sich, als der Bürgermeister, der Vater von Sabine in Nöten ist: Die Gefangene, die endlich gerichtet werden soll, ist entflohen und das mit Hilfe eines Buchs aus der Bibliothek des Bürgermeister-Bruders und Vizekirchenvorstehers. Um diese Schande zu vertuschen, nehmen sie das Angebot von Karl an, dass er dieses Missgeschick gegenüber der königlichen Obrigkeit wieder gerade biegen wird. Das stimmt den Bürgermeister um, und als seine Mutter, Sabines Oma, die Frau Untersteuereinnehmerin auch noch hört, dass Karl doch einen Titel hat: „Ich bin Geheim de Kommissionsrat“, stimmt sie der Hochzeit von Sabine und Karl zu.

Es gab viel zu lachen, nicht nur über die abenteuerlichen Titel der altmodischen Kleinstadteinwohner, sondern auch über deren Stolz auf ihre Stadt mit immerhin zwei gepflasterten Straßen und drei Kirchen, über einen hoffnungslos kitschig verliebten Möchtegern-Bräutigam, über Martin Schneider, der sowohl in der Rolle als Muhme und auch als Ratsdiener Klaus gefällt. Der Spaß für die Zuschauer zog sogar zahlreiche Schwalben an, die bei nahender Dämmerung hinter dem Gemäuer des Dicken hervorschauten.

„Wir wohnen hier und nehmen alles mit, was hier an Kultur geboten wird und das ist eine Menge für so eine kleine Stadt. Wir sind heute zum 3. Mal beim Sommertheater und uns gefällt es wieder sehr gut“, sagte Monika Lehmann, die von ihrem Mann Karl-Heinz und ihrer Bekannten Renate Bönisch aus Peitz begleitet wurde. Margit und Deflef Graßme aus Döbbrick besuchten das Theater zum ersten Mal. Sie urteilten gleichermaßen: „Richtig gut.“

Das Team des Peitzer Tourismusamtes um Julia Kahl hatte dafür gesorgt, dass es allen Zuschauern gut ging. Der Peitzer Bürgermeister Jörg Krakow sprach am Ende der Vorstellung den Wunsch aller Zuschauer aus: „Wir freuen uns auf euch im nächsten Jahr.“