Von Andrea Hilscher

Sarah Fartuun Heinze ist eine Kulturfrau mit Visionen. Nach der Veranstaltungsreihe „Von ganz tief unten“ geht sie jetzt mit einer Premiere im Faulen August an den Start: Das Gametheater soll die Grenzen zwischen analoger und Spielwelt zum verschwimmen bringen und selbst eingefleischte Computernerds hinter dem Bildschirm hervorlocken.

Sarah Fartuun Heinze ist selbst begeisterte Gamerin. Als sie von der Möglichkeit hörte beim Gametheater (deutsch: Spieletheater) interaktive Funktionen aus der digitalen Welt mit dem geschehen auf der Bühne zu verknüpfen, war sie sofort überzeugt: „Das muss in Cottbus auch funktionieren.“ Mit Anja Schröter von der Improtheater-Gruppe Rabota Karoshi setzt sie ihre Ideen jetzt in die Tat um.

Das Prinzip Escape Room auf der Bühne

„Man muss sich das ganze vorstellen wie das Spiel in einem Escape Room“, sagt die Cottbuserin. „Indem ich bestimmte Aktionen ausführe oder Aufgaben löse, treibe ich die Handlung voran.“ Dieses Prinzip funktioniert auch auf der Bühne, in diesem Fall der im Faulen August. Während dort im zweiten Stock gefeiert und geplaudert werden kann, können bis zu fünf Mitspieler im Erdgeschoss zwei Performer dirigieren. „Wir sprechen nicht von Schauspielern“, sagt Heinze.

Die Performer also, in diesem Fall Jakob Fischer und Anna Oprei, reagieren auf das, was das Publikum ihnen vorgibt. „Etwa so wie bei den früheren Computerspielen, bei denen ich mit der Maus auf etwas klicke und damit eine bestimmte Aktion auslöse“, erklärt die Regisseurin. Sie denkt an Klassiker wie „Monkey Island“, „Maniac Mansion“ und „Day of the Tentacle“, die ganze Gamer-Generationen beeinflusst haben.

Geheime Krimihandlung geplant

Worum es bei dem Premierenstück genau geht, will sie noch nicht verraten. „Eine Krimihandlung, ein Thriller“, sagt sie knapp. Am ersten Abend sind drei Durchläufe geplant, für die sich Mitspieler im Vorfeld anmelden können, Spontanbesuche sind ebenfalls möglich. „Dann schauen wir, was sich daraus entwickelt“, sagt Sarah Fartuun Heinze.

Sie möchte durch das Gametheater Menschen miteinander ins Gespräch bringen, die sich sonst vielleicht nicht begegnen würden. „Bei uns haben digital natives, also Menschen, die in die digitale Welt hinein geboren wurden, die Möglichkeit, mit ihren Computererfahrungen an der analogen Welt anzudocken.“

Lange Nacht der Computerspiele angedacht

Ihr Traum: „Ich würde in Cottbus gern eine lange Nacht der Computerspiele auf die Beine stellen und suche dafür gerade nach Vernetzungsmöglichkeiten.“

Zunächst aber steht das Gametheater auf dem Programm. Premiere ist am 1. Oktober im Faulen August, Karl-Liebknecht-Straße 29. Die erste Spielrunde läuft von 20.30 bis 21 Uhr, die zweite von 21.10 bis 21.40 und die letzte von 21.50 bis 22.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. „Um Austritt wird dringend gebeten“, erklärt Sarah Fartuun Heinze lächelnd.