Wer eine Show zum Thema Ludwig Leichhardt anschaut, der erwartet alles. Nur dies zunächst nicht: Bilder der architektonischen Schönheit von Sydneys weltberühmtem Opera House. Mit diesen Eindrücken eröffnet der Filmemacher und Kameramann Donald Saischowa seine neue Eigenproduktion, die Multivisionsshow „Down Under. Legenden-Mythen-Welterbe“.

Die Schau bietet eine langsame, fast meditative Aneinanderreihung von Bildern, die einen eigenen Rhythmus entwickeln und unter der Musik von Igor Strawinski lebendig werden. Der wagemutige Trip durch den fünften Kontinent beginnt mit einer Zeichnung, einer mit leichter Hand hingeworfenen Skizze. Sie stammt aus der Feder des bis dahin nahezu unbekannten dänischen Architekten Jørn Utzon, der sich damit um den Bau des Opernhauses in Sydney bewarb. Er erhielt den Zuschlag für das zukunftsweisende Gebäude. Seit 2007 gehört das Opernhaus zum Weltkulturerbe – einem immer wiederkehrenden Thema in Saischowas Werk.

Die Formen der Architekturskizze des Opernhauses führen ihn zurück zu einer ganz anderen Zeichensprache: zu den Felsenmalereien der australischen Ureinwohner. Sie sind zu finden im Kakadu National Park, der seit 1981 Welterbestätte ist. Hier gibt es rund 2000 Pflanzenarten und wilde Tiere wie Salzwasserkrokodile, Wallriffschildkröten und Vögel.

Die Felsmalereien der Aborigines aus prähistorischer Zeit sind an Orten wie Nourlangie, Nanguluwur und Ubirr zu sehen. „Ludwig Leichhardt war der erste Europäer, der dieses wunderbare Gebiet gesehen hat“, schwärmt Saischowa. Ihm gelingt es, die exotischen Bilder zum Leben zu erwecken und gleichzeitig die Widersprüche Leichhardts aufzuzeigen. „Reine Heldenverehrung liegt mir nicht“, sagt Saischowa, ihn interessieren die Brüche im Leben einer Persönlichkeit. So wirft er die Frage auf, warum Leichhardt sich nie dagegen gewehrt hat, als Dr. tituliert zu werden – obwohl er kein Studium beendet hat.

Leichhardts Forschungen haben den Boden für die brutale Verdrängung der Aborigines bereitet, durch ihn war es möglich, die weitläufigen Landschaften nutzbar zu machen und auszubeuten. Auf der anderen Seite haben die sehr detaillierten Aufzeichnungen des Forschers letztlich dazu geführt, dass die Ureinwohner in den 1970er-Jahren ihre Ansprüche gegenüber der australischen Regierung geltend machen konnten: Leichhardt hatte jede Begegnung mit ihnen dokumentiert. Nur so ließen sich Gebietsansprüche belegen.

Wenn im Juni das Leichhardt-Denkmal auf dem Cottbuser Oberkirchplatz eingeweiht wird, dann spiegelt auch das ein Stück weit einen weißen, kolonial geprägten Blick auf Australien wider. Die Multivisionsshow von Donald Saischowa bietet einen  Gegenentwurf, der Leichhardt einordnet in den Kontext seiner Zeit.

Die Uraufführung findet am 28. Mai um 16 Uhr in der Stadt- und Regionalbibliothek statt. Weitere Vorstellungen folgen im September im Piccolo Theater.